NIS2 und KRITIS: Wie der Mittelstand Cyberresilienz aufbaut

Digitale Souveränität wird meist auf der großen Bühne verhandelt: Cloud-Anbieter, Open-Source-Strategien, nationale Plattformen. Für mittelständische Unternehmen stellt sich die Frage nach digitaler Autonomie deutlich handfester – nämlich als Frage danach, ob der Betrieb weiterläuft, wenn Systeme ausfallen, Daten verschlüsselt sind oder ein Dienstleister nicht mehr erreichbar ist. Handlungsfähigkeit im Ernstfall ist damit weniger eine Beschaffungsentscheidung als eine Frage von Architektur, Prozessen und Vorbereitung.

Genau diesen Perspektivwechsel greift der IT-Sicherheitstag Dortmund am 16. September an der Fachhochschule Dortmund auf. heise und die Fachhochschule Dortmund richten die dritte Ausgabe der Konferenz unter dem Leitthema „Digitale Souveränität und IT-Sicherheit – Herausforderungen und Chancen in einer KI-getriebenen Welt“ aus. Neben Beiträgen zu KI-Resilienz, LangSec, LLM-Security und Angriffsfrüherkennung rückt dabei ein Bereich in den Fokus, der in Souveränitätsdebatten oft zu kurz kommt: der Mittelstand.

Burgmauern, Wassergraben, Zugbrücke

Unter dem Titel „Festung Mittelstand: Cyberresilienz effektiv umsetzen“ zeigt Robert Stricker von Materna, wie sich Unternehmen ganzheitlich gegen digitale Bedrohungen absichern und gleichzeitig ihre Widerstandsfähigkeit stärken. Der Vortrag verbindet technologische Schutzmaßnahmen mit Security-by-Design, Mitarbeitersensibilisierung und dem Umgang mit regulatorischen Anforderungen wie NIS2 und dem KRITIS-Dachgesetz. Die Leitfrage: Wie wird Sicherheit zum strategischen Erfolgsfaktor – und wie bleibt das Geschäft auch in Krisenzeiten stabil?

Für Sicherheitsverantwortliche und IT-Projektleiter in mittelständischen Organisationen ist das eine Gemengelage, die sich kaum noch aufteilen lässt: Cyberangriffe, Systemausfälle und regulatorischer Druck treffen häufig auf begrenzte Personaldecken. Resilienz wird damit zu einer unternehmerischen Aufgabe, die über die IT-Abteilung hinausreicht.

Vom Angriffsszenario zur Analyseinfrastruktur

Das vollständige Programm ordnet den Mittelstandsvortrag in einen breiteren Bogen ein. Beiträge zu praktischen Sicherheitslücken beim Einsatz von Large Language Models und zu Prompt Injection aus der LangSec-Perspektive zeigen, warum bewährte Abwehrmuster bei KI-Systemen nicht einfach greifen. Ein Vortrag zu Agentic-Coding im Enterprise-Umfeld beleuchtet, welche Angriffsflächen entstehen, wenn Systeme eigenständig auf Repositories, Tickets und interne Werkzeuge zugreifen. Das Forschungsprojekt C2PANDA wiederum widmet sich der Frage, wie sich Netzwerkdaten in virtualisierten und hochperformanten Umgebungen für Forensik und Angriffserkennung auswerten lassen.

Nach jedem Vortragsblock haben Teilnehmende im Format „Ask the expert(s)“ Gelegenheit, mit den Referierenden nachzuhaken. Ergänzt wird das Programm durch Netzwerkpausen und einen Expo-Bereich.

Rahmendaten

Die eintägige Konferenz findet am 16. September 2026 von 9:30 bis 17:30 Uhr an der Fachhochschule Dortmund, Emil-Figge-Str. 40, statt. Sie richtet sich an Sicherheitsverantwortliche, Security-Experten, Hacker, IT-Projektleiter sowie IT-Studierende. Das Standard-Ticket kostet 279 Euro inklusive Mehrwertsteuer, eine Tagesverpflegung ist enthalten; Tickets sind im Onlineshop erhältlich. (cmho)