Heldin des Alltags: Die Elternsprecherin

Schule

Die freiwillige Arbeit in der Schulklasse ist ein hohes Amt, das vor allem mit Dankbarkeit bezahlt wird

22. September 2026, 20:00

Eine Frau in einer blauen Bluse steht mit verschränkten Armen lächelnd im Vordergrund eines Klassenzimmers. Im Hintergrund stehen vier Kinder unterschiedlichen Alters vor einem Tisch mit Schreibmaterialien. Im Raum befinden sich ein Whiteboard, Regale, Pflanzen und ein Globus.
Oftmals sind es Frauen, die sich für das Amt der Elternsprecherin anmelden.

Ein Klassenzimmer, zumindest 25 Erziehungsberechtigte und dann diese eine Frage der Lehrerin, vor der sich Anfang September ein Großteil der Anwesenden fürchtet: Wer will die Rolle der Elternsprecherin oder des Elternsprechers übernehmen? Die oftmalige Reaktion im Raum: ein so betretenes Schweigen, dass man die abgebrochene Spitze eines Buntstifts fallen hören könnte. Alle blicken zu Boden und hoffen, dass dieser Kelch an der eigenen Person vorbeizieht. Unbezahlte Arbeit? Verantwortung? Nein, danke!

Aber was macht eine Elternsprecherin überhaupt? Eine WhatsApp-Gruppe gründen gehört zu den ersten Aufgaben. In dieser können dann schulrelevante Informationen rasch klassenweit geteilt werden. Wenn sich dann zwei Personen auf einmal über Kuchenrezepte austauschen, muss entschieden dazwischengegangen werden, sonst artet der Chat aus und relevante Informationen gehen im Strudel des bilateralen Geplappers gnadenlos unter.

Auch gilt es, für die Klasse relevante Punkte zu klären. Brauchen wir wirklich neben der Wiener Bildungspost (Wibi) noch zwei Mitteilungshefte? Wie groß muss der Obstkorb für die Kinder sein, der wöchentlich von einem Elternteil geliefert werden muss? Und wollen wir nicht am Ende des Semesters gemeinsam ein Picknick machen, um die Zusammengehörigkeit zu stärken?

Alle Bälle jonglieren

All diese Bälle, die in so einem Schuljahr in der Luft sind, gilt es zu jonglieren: Es heißt, Stress aus möglichen Diskussionen zu nehmen und auch von Schulseite punktuell als Sprachorgan in Richtung Eltern zu fungieren. Am Ende des Tages vielleicht gar nicht so viel Arbeit, aber Angst vor Chatnachrichten um 22:42 Uhr darf man definitiv nicht haben. "Warum hatte mein Sohn heute die falsche Hose an? Wer hat unsere Hose?"

Deshalb ein Lob an alle, meist Frauen, die diese Rolle auch in diesem Jahr heldenhaft an sich gerissen haben. Ohne euch wäre der Alltag schwieriger. Danke für das offene Ohr und die helfende Hand, die man speziell im ersten Schuljahr so dringend braucht. Für die Kinder ist die Umstellung von Kindergarten auf den "Ernst des Lebens" meist stressig genug – genau wie für die Eltern, die erstmals Hausübungen prüfen und oftmals das Kind in der Früh mit Gewalt aus dem Bett zerren müssen.

Wenn man dann neben dem Lehrpersonal noch eine Instanz hat, an die man sich mit offenen Fragen wenden kann, ist das ein Segen für ganz viele gestresste Erziehungsberechtigte. Danke! (Alexander Amon, 22.9.2026)