Klopps neuer Dauerläufer vom FC Augsburg und sein steiler Aufstieg: Neuling im DFB-Kader
Hennes Behrens: Was sich Klopp vom Augsburger „Duracell-Hasen“ erhofft
Stand: 21.09.2026, 19:08 Uhr
Hennes Behrens wurde als Neuling von Jürgen Klopp in den Kader der Nations-League-Spiele berufen. Doch wer ist der 21‑Jährige? Wir stellen den Spieler des FC Augsburg vor.
München – 44 Spieler, vier Spiele, drei Gegner: Statt eines einzigen Aufgebots nominierte Jürgen Klopp zwei Kader für die vier Begegnungen gegen die Niederlande, Griechenland und Serbien. Wer sich die Liste der Spieler gegen die Niederlande am 24.9. und Griechenland am 27.9. (jeweils 20.45) genauer anschaut, stolpert auch über den Namen Hennes Behrens. Der 21-Jährige steht derzeit beim FC Augsburg unter Vertrag und ist einer der Debütanten im Klopp-Kader.

In einem Interview wenige Tage vor der Nominierung sagte er noch: „Ich glaube, das ist ein großes Ziel, aber für mich noch ein weiter Weg bis dahin.“ Kurz darauf war der Weg dann doch nicht mehr so weit und der Kaderplatz für die A-Nationalmannschaft auf einmal beschlossene Sache. Gemeinsam mit Torhüter Finn Dahmen ist er Teil eines historischen FCA-Duos: Erstmals wurden zwei Augsburger Profis gleichzeitig für die deutsche A-Nationalmannschaft nominiert.
FCA-Coach Baum lobt den DFB-Neuling
Das Spiel gegen Griechenland findet in der heimischen WWK‑Arena statt. FCA-Coach Manuel Baum kam aus dem Loben gar nicht mehr heraus: „Hennes Behrens lebt 24 Stunden dafür, der rennt über 12 Kilometer im Spiel, lässt sich nicht abschütteln, ist immer in jedem Zweikampf drin, ein super Energiegeber und Teamplayer.“ Außerdem betitelte er ihn als „Paradebeispiel für die viel zitierten deutschen Tugenden“.
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Doch wer ist der DFB‑Neuling? Behrens stammt aus einer sportbegeisterten Familie. Seine Mutter als auch seine Schwester treten bei Triathlons an und auch er selbst startete über Jahre hinweg für die Leichtathletikabteilung des ASC Darmstadt. Diese besondere Ausbildung mag dazu beigetragen haben, dass Behrens auch über weite Strecken des Spiels immer wieder Sprints anzieht und die linke Außenbahn hoch und runter rennt.
Der 21-Jährige sammelte seine ersten fußballerischen Erfahrungen bei Rot-Weiß Walldorf, Mainz 05 und Darmstadt 98. Der Durchbruch kam 2020: Behrens wechselte zur TSG 1899 Hoffenheim – dort nahm seine Entwicklung bei der U19 Fahrt auf. Behrens war in der Saison 2023/24 Kapitän der Hoffenheimer U19 und gewann mit ihr sowohl die deutsche A-Junioren-Meisterschaft als auch den DFB-Pokal der Junioren.
Die Hoffenheimer, ganz beseelt vom Double, betitelten Behrens damals als „Lunge des Teams, die wie einst der Duracell-Hase rennt und rennt und rennt“. Der Linksfuß. geboren 2005, dürfte mit diesem Vergleich wenig anfangen können - doch das Bild ist klar. Behrens ist ein Spieler, dessen größter Wert nicht nur in einzelnen Offensivaktionen liegt, sondern auch in seinem permanenten Einsatz gegen und mit dem Ball.
Nach der Meisterschaft mit der Reserve schaffte Behrens den Sprung zu den Profis. Der direkte Sprung in den Profikader bedeutete jedoch noch keinen festen Platz. Behrens musste sich weiter gedulden. In der Hinrunde der Saison 2025/26 wurde er zudem durch eine Muskel-Sehnen-Verletzung zurückgeworfen.
Internationale Erfahrung konnte er dennoch sammeln: Bei der Partie der Hoffenheimer gegen den RSC Anderlecht wurde er erstmals auf europäischer Bühne eingesetzt. Kurios wurde es dann nach dem Spiel: Behrens absolvierte brav seine Läufe im Innenraum, trug dabei Pullover und Spielerdress. Nach dem Auslaufen ging es für ihn in die Kabine - jedoch ohne seine zwei Oberteile.
Realisiert hat er den Verlust erst am Folgetag, als ihn Mitspieler Florian Micheler ansprach. Zum Glück war Zeugwart Christian Seyfert zur Stelle, dieser konnte das Trikot ausfindig machen. Allerdings war es da schon bei 60 Grad in der Waschmaschine. „Flo hat mich danach ein bisschen ausgelacht – das Trikot war zwar sauber, aber eben nicht mehr matchworn“, erinnert sich Behrens.
Im Januar 2026 ging es deshalb per Leihe nach Heidenheim. Dort kam er in der Rückrunde auf 16 Bundesliga-Einsätze. „Für meine Karriere war das eigentlich mit der wichtigste Schritt. Deswegen bin ich Heidenheim auch extrem dankbar. Es war keine einfache Zeit. Aber für mich war es der perfekte Moment, weil ich von der 3. Liga direkt in die Bundesliga gekommen bin“, so der Verteidiger.
Nach der Leihe zu Heidenheim kam dann im Sommer der nächste Karriereschritt. Der FC Augsburg verpflichtete Behrens fest und hob unter anderem seine Qualitäten auf der linken Seite, den Offensivdrang und die präzisen Flanken hervor. Behrens ist kein Spieler, dessen Wert sich ausschließlich an Toren und spektakulären Dribblings ablesen lässt. Seine auffälligste Eigenschaft ist seine Konstanz. Er arbeitet auf der linken Seite in beide Richtungen, schaltet sich nach vorn ein, bleibt aber auch gegen den Ball aktiv.
DFB-„Traum“ geht für Behrens in Erfüllung
Bereits damals war für ihn klar: „Die Nationalmannschaft ist natürlich ein Traum von mir und auch im Verein möchte ich so erfolgreich wie möglich sein. Internationale Spiele sind überragend. Das sind meine beiden ganz großen Ziele.“ Eines davon hat sich mit der Nominierung für die Spiele in Amsterdam und Augsburg bereits erfüllt. Beim FCA stand er in den ersten drei Bundesliga-Partien jeweils über die volle Distanz auf dem Platz.
Dass Behrens in diesem Moment ins Blickfeld rückte, ist deshalb nicht völlig überraschend. Klopp erklärte bei der Kaderbekanntgabe, er habe nicht nur nach dem gesucht, was der Nationalmannschaft fehle, sondern nach den Qualitäten, die bereits vorhanden seien. Zudem wolle er Spieler so vorbereiten, dass sie „in den nächsten zwei, drei Jahren in der Spitze dabei sein werden“. Einige Nominierungen seien überraschend, sagte Klopp, er habe aber „etwas gesehen“ und wolle die Spieler in ihrer Entwicklung begleiten.
Genau darin liegt die Bedeutung von Behrens’ Berufung: Sie ist weniger eine Auszeichnung für eine bereits abgeschlossene Entwicklung als eine Einladung zum nächsten Schritt. Behrens ist noch kein etablierter Nationalspieler. Er ist ein Spieler, der sich in kurzer Zeit aus dem Nachwuchs über die Regionalliga und eine Leihe in die Bundesliga gearbeitet hat – und nun die Chance bekommt, sich auf der größten Bühne weiterzuentwickeln. (mag)