Hessen lässt 20 Jahre alte Texte an Lehrkräfteakademie entgendern

Stand: 08.10.2026, 08:13 Uhr

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Lehrkräfteakademie Gießen Schwarzbuch

An der Lehrkräfteakademie Gießen wird so gegendert, wie es die Landesregierung vorsieht. © Oliver Schepp

An der Hessischen Lehrkräfteakademie wurden rund 170.000 Einträge bis ins Jahr 2005 zurückkorrigiert. Der Bund der Steuerzahler hat das Kultusministerium dafür ins neue Schwarzbuch aufgenommen.

Gießen/Wiesbaden – Der Bund der Steuerzahler hat sein Schwarzbuch 2026/27 veröffentlicht. Dieses Mal findet sich zwar nicht die Stadt Gießen mit einem Eintrag im Buch wieder, dafür aber eine Landesinstitution in Gießen: die Hessische Lehrkräfteakademie. Der Grund ist die Anpassung von alten Texten wegen der geschlechtergerechten Sprache.

2024 verbot die hessische Landesregierung unter Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) Genderzeichen wie Sternchen oder Binnen-I in offiziellen Dokumenten des Landes Hessen. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler wandte das hessische Kultusministerium diesen Beschluss jedoch nicht nur auf neue Texte an. Vielmehr sollten auch bereits bestehende Texte überarbeitet werden. „Die Hessische Lehrkräfteakademie durfte als Erste dran glauben“, schreibt der Bund der Steuerzahler.

170.000 Einträge wurden geändert

In der Folge seien rund 170.000 Einträge zu längst stattgefundenen Fortbildungen überprüft und angepasst worden. Teilweise seien dabei Einträge bis ins Jahr 2005 zurückkorrigiert worden. Das Hessische Competence Center habe hierfür eine Anpassung in einem speziellen Programm mit einer „Suche-Ersetze-Formel“ vorgenommen. Die Hessische Zentrale für Datenverarbeitung als Betreiberin der Datenbank habe diese Änderung entsprechend eingespielt.

Verkehrsversuch und Kita im Seltersweg

„Doch unglücklicherweise hatte das Programm nicht alle Einträge korrekt erfasst. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten deshalb händisch nachbessern“, schreibt der Bund der Steuerzahler. Laut einer Antwort des Kultusministeriums habe der ganze Aufwand die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler 5850 Euro gekostet.

Der Bund der Steuerzahler urteilt: „Über das Gendern und dessen Stile kann man unterschiedlicher Meinung sein, aber hier hat sich das hessische Kultusministerium verrannt.“ Kaum jemand störe sich an alten Einträgen. Das Geld wäre im Bildungswesen besser investiert gewesen – dort gebe es dringendere Aufgaben.

Gießen stand bereits im Schwarzbuch 2025/26 wegen des Kita-Leerstandes im Seltersweg und im Schwarzbuch 2024/25 wegen des Verkehrsversuchs am Anlagenring.