HFC-Trainer Robert Schröder: "Es ist ein Hauen und Stechen"

Fußball | Regionalliga

Stand: 14.07.2026 13:31 Uhr

Schafft der Hallesche FC im dritten Jahr nach dem Drittliga-Abstieg die Rückkehr in den Profifußball? Wie geht die Mannschaft mit dem Rassismus-Vorfall von Finsterwalde um? Was haben teambildende Maßnahmen gebracht? Wird sich der HFC-Spielstil ändern? Wird es noch Neuzugänge geben? HFC-Trainer Robert Schröder im großen Sommer-Interview bei SPORT IM OSTEN.

  • Frage: Herr Schröder, wir wollen in diesem Gespräch auf die anstehende Regionalliga-Saison und die Ambitionen des HFC schauen. Zunächst müssen wir aber zurückschauen. Am vergangenen Wochenende wurde ein Testspiel gegen Energie Cottbus wegen rassistischer Rufe abgebrochen. Zwei Tage später und mit ein bisschen Abstand: Wie hat die Mannschaft den Vorfall aufgenommen? Was sind die nächsten Schritte, die der Verein angehen möchte?
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HFC-Coach Robert Schröder

Robert Schröder: "Das Verhalten von diesen Einzeltätern entspricht zu nullkommanull unseren Werten oder auch unserem Moralverständnis. Wir verurteilen dieses Verhalten zutiefst. Als die Mannschaft von Cottbus entschieden hat, das Spielfeld zu verlassen, war es für uns keine Frage, dass wir da Arm in Arm, Schulter an Schulter, Seite an Seite mitgehen und Geschlossenheit zeigen. Das gehört in kein Fußballstadion, das gehört auf keine Straße, das gehört auch auf keinen Spielplatz oder in keine Schule. Es ist brutal enttäuschend, dass es passiert ist. Ich kann Ihnen versichern, dass wir alles dafür tun, um das vernünftig aufzuarbeiten."

  • Gab es Reaktionen aus der Mannschaft?

Schröder: "Die Mannschaft war extrem bestürzt und teilweise blockiert. Wir haben mit dem Team darüber gesprochen. Wenn die Menschen miteinander in den Austausch gehen und sich solidarisieren, zeigt das auch eine gewisse Stärke."

  • Sie haben das Testspiel in Finsterwalde mit einer teambildenden Maßnahme im Spreewald verbunden. Was haben Sie dort gemacht? Was haben Sie für Erkenntnisse gewonnen?

Schröder: "Dieser Ausflug stand ganz unter dem Motto, dass wir als Team zusammenwachsen. Wir haben unter freiem Sternenhimmel geschlafen. Die Jungs mussten ihre Telefone abgeben, hatten auch kein Bargeld. Beim Zeltaufbau hatten sie teilweise das erste Mal einen Hammer oder Hering in der Hand. Wir haben uns mit Werten und Identität beschäftigt und uns darüber ausgetauscht, wofür wir stehen wollen. Die Jungs mussten ohne große Hilfsmittel Feuer machen, später in der Nacht im Wald einige Aufgaben vollziehen. Am nächsten Tag war sehr früh das Wecken angesagt, dann stand Floßbau in kleinen Gruppen und das Überwinden von Hindernis-Parcours auf dem Plan. Also für uns als Gruppe war es ein total gelungener Ausflug. Ich glaube, dass das den Jungs Themen und Kompetenzen vermittelt hat, die uns durch die Saison tragen werden."

  • Beim Trainingsauftakt im Juni sprachen Sie davon, dass Sie als Gruppe zusammenwachsen wollen. Wie weit sind Sie da bisher vorangekommen?

Schröder: "Die externen Neuzugänge waren von Tag eins ein festes Mitglied in unserer Gruppe, haben sich da toll integriert und wurden auch toll aufgenommen. Ich bin voller Freude, wie die Jungs miteinander agieren."

  • Sie haben sich mit prominenten Namen in der Offensive verstärkt, Stanley Ratifo kam von Chemie Leipzig, Soufian Benyamina aus Greifswald. Ist das ein Hinweis auf die künftige Spielweise des HFC, noch mehr an die Offensive zu gehen?

Schröder: "Wir haben versucht, zu identifizieren, wo wir in der letzten Saison Probleme hatten. Uns war wichtig, dass die Leute die Regionalliga Nordost kennen und menschlich in die Gruppe passen. Und speziell mit den beiden, aber auch mit Torhüter Moritz Schulze und Abdoul Karim Soumah haben wir bisher absolute Glücksgriffe erzielt."

  • Sie sind das beste Team der Rückrunde gewesen. Nach einer Punkteflaute im Herbst haben Sie den sehr auf Ballbesitz orientierten Spielstil der Hinrunde in der Rückrunde etwas verändert. Wie wird sich der HFC in der neuen Saison präsentieren?
Fußball-Regionalliga Nordost, Saison 2025 2026, 34. Spieltag, FC Eilenburg vs. Hallescher FC (16.05.2026) 0:5 (0:3) Robert Schröder (Trainer Hallescher FC) (re.) und Sascha Prüfer (Co-Trainer Hallescher FC) (li.) beim Spiel Eilenburg gegen Halle (16.05.2026). Beide lachen. Eilenburg Sachsen Deutschland Ilburg-Stadion

HFC-Coach Robert Schröder (re.) mit Co-Trainer Sascha Prüfer (li.).

Schröder: "Es geht darum, alle Spielphasen so gut wie möglich abzudecken. Fakt ist, wir müssen erfolgreich sein. Und um erfolgreich zu sein, dürfen wir in den Regionen, in denen die Fußballspiele entschieden werden, im eigenen 16er und im gegnerischen 16er, so wenig wie möglich Fehler machen. Es wird darauf ankommen, dass wir in der Balleroberungsphase sehr kompakt agieren, dass wir uns gegenseitig unterstützen und auch eine hohe Intensität aufweisen. Im Ballbesitz wird es unser Ziel sein, so schnell wie möglich vor das gegnerische Tor zu kommen. Wenn wir das schaffen, werden wir eine erfolgreiche Saison erleben."

  • Sie sprachen davon, dass diese erste Saison beim Halleschen FC eine Saison war, in der Sie viel gelernt haben. Welche Erkenntnisse nehmen Sie in die neue Spielzeit?

Schröder: "Ich habe als richtiger hauptamtlicher Fußballtrainer im ersten Jahr viel erlebt, was einige Trainer in vier, fünf Jahren nicht erleben. Aus der Dürrephase im Herbst, wo wir eine enorme Ergebnisdelle hatten nehme ich mit, dass ich mich nicht verrückt machen lasse, wenn die Ergebnisse mal nicht so kommen, wie wir uns das vorstellen. Und, dass ich bei den Jungs immer wieder an ihre Stärke appelliere. Dass ich nicht irgendwelche Harakiri-Entscheidungen treffe und kurzfristig Systeme umstelle. Das größte Geheimnis für mich ist, dass wir zusammen als Gruppe wertschätzend agieren. Das heißt, dass wir auch kritisch miteinander umgehen, wenn Themen mal nicht passen."

  • Sportchef Daniel Meyer hatte Sie nach Halle geholt, im Sommer den Verein aber Richtung Greuther Fürth verlassen. Wie schwer wiegt denn der Abgang von Daniel Meyer?
Daniel Meyer, Sportdirektor HFC

Sportchef Daniel Meyer hat den HFC nach dem Ende der Saison verlassen.

Schröder: "Er hat einige sehr mutige Entscheidungen getroffen, auch in puncto meiner Person. Er hat aber immer wieder gesagt, dass er keine verbrannte Erde hinterlässt, sondern uns so gut es geht unterstützt. Er war in den Transfers, an den Vertragsverlängerungen noch mit dabei und hat dann teilweise, glaube ich, 80 Stunden pro Woche gearbeitet. Ich glaube, auch das sagt einiges über den Charakter Daniel Meyer aus. Wir haben Kontinuität bewiesen und mit Marian Unger jetzt einen neuen Sportdirektor, mit dem wir auch letztes Jahr schon zusammengearbeitet haben. Er war quasi die rechte Hand von Daniel."

  • Haben Sie eigentlich noch Kontakt mit Meyer?

Schröder: "Ja, wir sind so einmal die Woche telefonisch im Austausch."

  • Steht Mannschaft für die kommende Saison schon? Werden Sie noch jemanden verpflichten?

Schröder: "Ich bin sehr, sehr zufrieden mit der Mannschaft. Wir sind auf allen Positionen doppelt qualitativ gut besetzt. Wir haben eine gute Mischung aus Spielern, die viel Erfahrung mitbringen und auf der anderen Seite von Spielern, die jung, dynamisch und entwicklungswillig sind. Wir werden immer den Markt beobachten. Aber es kann auch sein, dass wir nichts mehr machen, weil die Jungs, die jetzt den Weg der Vorbereitung mitgegangen sind, viele überzeugende Leistungen gezeigt haben."

  • Kann es sein, dass die linke Abwehrseite nicht ganz doppelt adäquat besetzt ist. Liege ich da richtig?

Schröder: "Ich glaube, da liegen Sie ein bisschen falsch. Felix Langhammer kommt in sein zweites Männerjahr, er ist ein physisches Monster. Und wir haben mit Romeo Trinko einen Spieler dahinter, der jetzt aus unserer eigenen U19 dazu kam. Er hat in den Testspielen gezeigt, dass wir uns auf ihn verlassen können. Wenn wir jetzt noch jemanden holen und den Jungs, den vor die Nase setzen, dann muss es natürlich absolut passen. Aber das ist jetzt erst mal nicht der Plan."

  • Die kommende Saison ist besonders, weil die Regionalliga Nordost wieder einen direkten Aufstiegsplatz hat. Was sind denn Ihre Saisonziele?

Schröder: "Wir wollen so viele Spiele wie möglich gewinnen. Und wir wissen, wir werden nicht jedes Spiel gewinnen. Es ist ein Hauen und Stechen um die Spitzenplätze. Wir haben viele Mannschaften, die sich gut verstärkt haben, die auch letztes Jahr oder in der letzten Saison schon eine gute Rolle gespielt haben. Es wird Woche für Woche enge Duelle geben.

Zu dieser Spitzengruppe zähle ich zuerst die VSG Altglienicke, mit den Namen, die sie verpflichtet haben. Ich sehe auch Lok Leipzig, Carl Zeiss Jena, Rot-Weiß Erfurt, FSV Zwickau, Chemnitzer FC. Wir haben noch Erzgebirge Aue als Absteiger mit Zweitligastrukturen."

  • Wenn Sie sich auf drei Mannschaften, auf drei Top-Mannschaften festlegen müssten, die um den Aufstieg mitspielen, welche werden das sein?

Schröder: "Erzgebirge Aue, VSG Altglienicke und Lok Leipzig."

  • Und nicht der HFC?

Schröder: "Ich wurde so erzogen, wie sagt man? Der Dödel nennt sich immer zuletzt (lacht). Daher habe ich das jetzt ausgeklammert. Ich würde uns in diese Gruppe mit reinzählen. Aber nochmal, Rot-Weiß Erfurt gehört dazu, Zwickau gehört dazu, Chemnitz gehört dazu."

  • Ein Höhepunkt der beginnenden Saison wird sicher das Pokalspiel gegen Schalke 04 sein. Spüren Sie schon, spüren Sie in der Mannschaft, spüren Sie bei sich schon so ein bisschen Vorfreude auf das DFB-Pokalspiel?

Schröder: "Ich spüre diese Vorfreude im ganzen Verein. Ich glaube, wir könnten das Stadion dreimal ausverkaufen und hätten immer noch genügend Ticketanfragen. Das ist ein absolutes Highlight. Wir freuen uns da auf ein friedliches Fußballfest. Bei dem wir zeigen können, dass wir Vielfalt und Fanfreude leben, bei dem es auch heiß hergehen soll und da eine tolle Stimmung im Stadion ist. Die Jungs freuen sich auch brutal drauf, sich mit einem Bundesliga-Aufsteiger zu messen. Auf der anderen Seite, das DFB-Pokalspiel ist nach dem fünften Spieltag. Das heißt, wir müssen jetzt erst mal unsere Hausaufgaben machen und gut in die Saison kommen. Darauf liegt mein Fokus."

  • Robert Schröder, herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute für die anstehende Saison.

Schröder: "Vielen Dank."

Mit Robert Schröder sprach Dirk Hofmeister.

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