Hideki Kamiya: Nur digital - doch bei einer Frage hört der Pragmatismus auf

Der „Okami“- und „Bayonetta“-Schöpfer Hideki Kamiya hat sich zum absehbaren Ende physischer Datenträger geäußert. Dabei widmete er sich auch einem Problem, das für manche mehr Gewicht hat als „Disc oder Download“.

Hideki Kamiya, Game Director bei Platinum Games, sitzt mit orangefarbenem Shirt und Brille vor einer Pflanze und blickt ernst in die Kamera.
Hideki Kamiya im Jahr 2020 in einem offiziellen Interview zu „The Wonderful 101“. Bild: Platinum Games

Zusammen mit dem Clovers-Mitgründer Kento Koyama plauderte Hideki Kamiya in einem Interview mit VGC über die Zukunft von Discs. Er selbst sieht den Wegfall physischer Medien eher gelassen, zumindest dann, wenn eine Frage geklärt ist: die Archivierung.

Laut eigener Angabe fährt Kamiya längst auf der digitalen Schiene. „Ich kaufe heutzutage kein einziges physisches Spiel mehr. Jedes einzelne Spiel, das ich kaufe, ist zu 100 Prozent digital“, erklärte er. Die Entwicklung habe sich abgezeichnet. Entsprechend wenig überraschte ihn die Richtung, die die Branche einschlägt.

Kamiya sorgt sich um die Spiele-Preservation

Als Sammler von Retro-Spielen beschäftigt Kamiya eine andere Frage: ob ältere Titel dauerhaft spielbar bleiben, wenn sich Hardware und Vertriebsplattformen ändern. Für ihn liegt die Verantwortung bei den Rechteinhabern.

„Das ist die große Sache für mich, ob die IP-Inhaber die Verantwortung dafür übernehmen, dass all diese Spiele auch für künftige Generationen verfügbar bleiben, damit sie gespielt werden können“, so Kamiya. Ob das physisch oder digital geschehe, sei für ihn zweitrangig. Hauptsache, die Spiele blieben auch in Zukunft zugänglich. Ergänzend verwies er darauf, dass viele klassische Titel auf moderner Hardware ohnehin nicht mehr laufen.

Die Rechteinhaber sollten die Spiele nicht nur aus spielerischer Sicht erhalten, sondern auch als Teil der Spielkultur. Und so wiederholte er noch einmal: „Für mich ist es weniger wichtig, ob die Spiele physisch oder digital verfügbar gemacht werden, sondern dass sie überhaupt verfügbar gemacht werden.“.

Als Beispiel nannte Kamiya die Arcade-Archives-Reihe der Hamster Corporation, die alte Automatenspiele auf aktuellen Plattformen zugänglich macht. Der frühere PlatinumGames-Vize besitzt zwar mehr als 200 Arcade-Boards, greift aber trotzdem gern auf die Neuveröffentlichungen zurück, um sich den Aufbau der Originalhardware zu ersparen.

Ein rein digitaler Markt könnte die Preservation theoretisch erschweren, sollten Publisher ihre älteren Titel nicht auf neue Systeme bringen. Die Video Game History Foundation forderte zuletzt Branchenverbände dazu auf, eine langfristige Lösung für den Erhalt digitaler Spiele zu finden:



Koyama ist sich noch uneinig

Clovers-Präsident Kento Koyama scheint beim Disc-Thema noch keine eindeutige Meinung gefunden zu haben. Aus geschäftlicher Sicht könne er das Ende der PlayStation-Discs nachvollziehen. Gleichzeitig stimmte ihn der mögliche Verlust physischer Sammlungen traurig.

„Ich persönlich kaufe in letzter Zeit einen größeren Anteil meiner Spiele digital“, erklärte er. „Aber wenn ich das Gefühl habe, ein ganz besonderes Spiel gefunden zu haben, das ich lange behalten möchte, kaufe ich mir immer auch eine physische Kopie.“

Zu Hause hat Koyama ein eigenes Spielezimmer mit fast allen früheren Konsolen, darunter die erste Xbox und das Dreamcast-System, sowie vollgepackte Regale: „Manchmal reicht es schon, einfach nur in diesen Raum zu gehen und die Etiketten an den Seiten der Spiele zu überfliegen, um mein Herz ein wenig höher schlagen zu lassen, und ich finde den Gedanken, dass das vielleicht bald der Vergangenheit angehören könnte, irgendwie traurig.“

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Tatsächlich klingt der Blick auf eine rein digitale Datensammlung wenig verlockend. Hier stellt sich am Ende die Frage, wie groß der Teil der Spieler ist, die das Gaming einfach nur pragmatisch sehen: starten und loslegen. Unabhängig davon sind gewichtige Fragen offen: Wie kann ein dauerhafter Zugang zu einem Videospiel gewährt werden und lässt sich bei digitalen Games die Anwendbarkeit des Erschöpfungsgrundsatzes verankern?

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