Historisches „Erdbeben“: CDU fliegt erstmals aus einem Landtag – die Folgen für Kanzler Merz

Stand: 21.09.2026, 00:22 Uhr

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Die CDU fliegt in MV aus dem Landtag. Politikwissenschaftler Constantin Wurthmann rechnet nicht damit, dass sich der Konflikt um den Kanzler „noch befrieden lässt“.

Schwerin – Wenige Minuten nach den ersten Prognosen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern tritt der Kanzler vor die Kameras und spricht von einem „Desaster“. Zu diesem Zeitpunkt liegt die CDU noch bei 5,0 bis 5,5 Prozent. Doch das eigentliche Desaster zeichnete sich für die Christdemokraten erst Stunden später ab: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ist die CDU bei Landtagswahlen an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und somit aus dem Schweriner Landtag geflogen.

Die CDU fällt bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern unter die Fünf-Prozent-Hürde – was das für Kanzler Friedrich Merz bedeutet.

Die CDU fällt bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern unter die Fünf-Prozent-Hürde – was das für Kanzler Friedrich Merz bedeutet. (Symbolbild/Montage) © Michael Kappeler/dpa, FOCKE STRANGMANN/dpa

Die CDU erreichte bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern laut vorläufigem Endergebnis 4,9 Prozent und damit nicht einmal die Hälfte ihres Ergebnisses von der Landtagswahl im Jahr 2021. „Das ist ein Erdbeben für die CDU“, sagt Politikwissenschaftler Constantin Wurthmann von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz gegenüber dem Münchner Merkur von Ippen.Media über das vorläufige Ergebnis der Mecklenburg-Vorpommern-Wahl. „Und auch die heutigen Wortmeldungen durch Kanzler Merz lassen derzeit nicht darauf schließen, dass sich der Konflikt um seine Position noch befrieden lässt.“

CDU-Tiefpunkt bei Mecklenburg-Vorpommern-Wahl: Merz gibt sich am Wahlabend kämpferisch 

Merz warb in seinem Statement am Wahlabend für seinen Reformkurs und sprach von Verantwortung. Was jetzt zu tun sei, erfordere Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld, so der Kanzler und CDU-Chef: „Ich werde das aufbringen – als Parteivorsitzender der CDU und vor allem als Bundeskanzler unseres Landes.“ Doch ob seine Partei das infolge der historischen Wahlniederlage in Mecklenburg-Vorpommern auch so sieht, bleibt abzuwarten.

Bereits nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am vergangenen Wochenende war eine Debatte über die Personalie Merz losgebrochen. Medienberichten zufolge spekulierten Unionsleute über eine mögliche Ablöse. Vier Tage vor den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hatten die acht mächtigen CDU-Ministerpräsidenten dem Kanzler allerdings mit einer gemeinsamen Erklärung Rückendeckung gegeben.

CDU fliegt erstmals aus Landtag: Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion fordert Merz-Rücktritt

Der Ausgang der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern könnte die Debatte nun erneut entfachen. Welche Konsequenzen dem Kanzler möglicherweise drohen, ist nach Einschätzung von Wurthmann „schwierig vorherzusagen“. „Momentan gehe ich davon aus, dass wenn es zu einer Verschärfung der schon bestehenden internationalen Krisen kommen würde, Merz stabilisiert würde“, erklärt der Politikwissenschaftler. „Wenn diese ausbleiben, gibt es derzeit wenig Gründe, weswegen die CDU/CSU sich nicht doch noch auf einen neuen Mann an der Spitze einigt.“

Ein erster Kritiker aus den Reihen der CDU äußerte sich bereits am Wahlabend offen. Der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) in Berlin, Christian Gräff, schrieb auf X: „Merz muss weg. Er kann nicht Exekutive und er kann keine Kommunikation.“ Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur verwies der frühere CDU-Abgeordnete auf große innenpolitische und außenpolitische Herausforderungen. „Ich glaube, dass die Menschen in Deutschland Reformen wollen. Merz fehlt es an Handwerk und Kommunikation, um diese umzusetzen.“ Einen Namen für einen möglichen Nachfolger des Kanzlers nannte Gräff nicht. „Es gibt Ministerpräsidenten und Kabinettsmitglieder, die eine solche Aufgabe übernehmen könnten.“

Wahlniederlage in MV: Politikwissenschaftler spricht von drohender CDU-Zerreißprobe

Für die CDU, glaubt der Politikwissenschaftler, ergibt sich aus dem Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde noch eine weitere Gefahr: Durch die Niederlage werde es eine neue Diskussion um den Umgang mit der AfD geben, sagt Wurthmann voraus. „Und diese Frage hat das Potenzial, die CDU zu zerreißen.“ Die AfD hat nach offiziellen Angaben mit 38,2 Prozent der Stimmen die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern gewonnen.

Einen ersten Einblick über den Umgang der Christdemokraten mit ihrem historisch schlechten Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern könnten bereits Beratungen der CDU-Spitzen am Montag in Berlin liefern. Unter dem Vorsitz von Parteichef Merz kommen die CDU-Gremien am Vormittag in Berlin zusammen, danach will sich der Kanzler den Fragen der Medien stellen. (Quellen: Eigene Recherche, dpa, AFP) (pav)