Hitze setzt zunehmend auch Westösterreich zu

Belastung für Ältere

Hitze setzt zunehmend auch Westösterreich zu

Eine neue Hitzekarte des Wiener Complexity Science Hub zeigt die Verteilung von Hitzetagen in Österreich. Überraschend heiß war es 2026 in Kärnten

Reinhard Kleindl

Ein größtenteils vertrocknetes Sonnenblumenfeld in Niederösterreich, aufgenommen am 6. August 2026 während einer Hitzewelle, die massive Ernteausfälle verursacht hat. Die Pflanzen sind verwelkt, mit hängenden Köpfen und vertrocknetem Laub.
So sah es am 6. August 2026 im niederösterreichischen Kirchberg aus. Hitze und Trockenheit machen auch der Landwirtschaft zu schaffen.

Schon jetzt ist klar: 2026 wird als Hitzesommer in die Geschichte eingehen und gibt einen Vorgeschmack auf künftige Jahre auf einem sich erwärmenden Planeten. In Österreich war die Hitzebelastung bisher eher ungleich verteilt, mit stärkerer Belastung im Osten und milderen Bedingungen im Westen.

Damit ist nun offenbar Schluss, wie die aktuelleste Version der Hitzekarte des in Wien angesiedelten internationalen Forschungszentrums Complexity Science Hub (CSH) zeigt. 2026 gab es bisher auch im Westen eine hohe Zahl von Hitzetagen. Besonders stechen die Gemeinden in den Bezirken Dornbirn und Feldkirch hervor, wo es in diesem Jahr bereits 34 Hitzetage gab. Doch auch Innsbruck und Bludenz erlebten 30 Hitzetage, nur geringfügig weniger als Wien mit 32.

Besonders betroffen ist in diesem Jahr bisher Kärnten. Ebenthal, Feistritz und Ferlach halten mit jeweils 39 Hitzetagen bisher den Rekord in Österreich. Vergleichsweise mild war es hingegen im Tiroler Reutte, das schon in den vergangenen Jahren der kühlste Ort des Landes war. Hier waren es immerhin zehn Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius.

Heiße Nächte

Abgesehen von der Hitze des Tages sind es vor allem Tropennächte, die für Menschen zur Belastung werden. So werden Nächte bezeichnet, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius sinkt, wodurch die zu wenig Abkühlung bringen. Hier war Wien überproportional betroffen: In insgesamt acht Gemeindebezirken, dem 1., 2., 4., 5., 6., 7., 8., 9., gab es bisher 30 Tropennächte. Sonst gab es in den Landeshauptstädten, abgesehen von Eisenstadt und Linz, unter zehn Tropennächte. Keine Tropennächte gab es nur in 548 Gemeinden. Vergangenes Jahr waren es noch 1207 gewesen.

Insgesamt ist 2026 hierzulande ein Jahr der Rekorde. Das Temperaturniveau von Hitzetagen und Tropennächten ist höher als in den bisherigen Rekordjahren 2003 und 2024.

Hitze und Belastung

Der CSH betrachtete zwei unterschiedliche Faktoren: einmal den Hitzeindex, der nur die Anzahl der tatsächlichen Hitzetage mit über 30 Grad Celsius betrachtet. Auf ihn beziehen sich die genannten Werte. Lehrreich ist aber auch der Hitzebelastungsindex, der die Zahl der Hitzetage mit dem Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre kombiniert, der besonders unter Hitze leidet. Der zweite Faktor ist also ein Maß für die tatsächliche Hitzebelastung.

Diese ist in Kärnten, Burgenland und Niederösterreich besonders hoch. Dass es sich um östliche Bundesländer handelt, ist kein Zufall: Bei der Hitzebelastung gibt es nach wie vor ein Ost-West-Gefälle. Im Westen ist der Anteil alter Menschen geringer.

"Hitzewellen nehmen zu und stellen eine erhebliche Gesundheitsbelastung dar, insbesondere für ältere Menschen. Zwischen 2015 und 2022 hat jeder zusätzliche Hitzetag (über 30 Grad Celsius) die Sterblichkeit in österreichischen Bezirken um 2,4 Prozent pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner erhöht. Ist jede:r vierte Einwohner:in in einem Bezirk über 65 Jahre alt, verdoppelt sich dieser Effekt sogar", sagt Hannah Schuster vom Complexity Science Hub und der WU Wien.

Insgesamt beobachte man immer mehr Extreme, sagt Schuster, die vor allem den städtischen Bereich beträfen. Dort könne man mit Baumaßnahmen und Begrünung helfen. "Außerdem ist es wichtig, in Gebieten mit vielen Hitzetagen Menschen eine Möglichkeit zur Abkühlung zu bieten. Vor allem leicht erreichbare Orte wie klimatisierte Räume können hier Abhilfe schaffen. Hier dürfen auch medizinische Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeheime nicht außer Acht gelassen werden, da sich dort besonders viele vulnerable Gruppen aufhalten", betont Schuster. Auch auf Schulen dürfe man nicht vergessen, nachdem die Hitze immer früher beginne, sagt die Forscherin: "Dieses Jahr hatten wir bereits im Juni eine Hitzewelle." (Reinhard Kleindl, 10.8.2026)

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