Hochrechnung für Mecklenburg-Vorpommern: AfD liegt vor SPD, CDU unter fünf Prozent
Mecklenburg-Vorpommern
Landtagswahl 2026
Stand: 20.09.2026 • 23:05 Uhr
Die AfD liegt bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern vorne - die regierende SPD ist knapp dahinter. Dramatisch ist die Situation für die CDU, die erstmals aus einem Landtag fliegen könnte. Die Grünen schaffen wohl den Einzug, das BSW eher nicht.
Die AfD hat die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern knapp vor der SPD gewonnen. Die aktuelle ARD-Hochrechnung sieht die AfD mit 38,3 Prozent vor der SPD, die auf 35,4 Prozent kommt und damit erstmals seit 28 Jahren nicht mehr stärkste Partei ist.
AfD legt stark zu
Die AfD kann ihr Ergebnis von 2021 damit mehr als verdoppeln und holt ihr bislang bestes Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern. Im Wahlkampf trat sie weitgehend gemäßigt auf, versprach Verbesserungen und Entlastungen und dürfte dabei auch von der massiven Unzufriedenheit mit der Bundesregierung profitiert haben. Doch einen klaren Wahlsieg mit einem deutlichen Vorsprung vor anderen Parteien wie zuletzt vor zwei Wochen in Sachsen-Anhalt verfehlt die Nordost-AfD um "Ministerpräsidentenkandidat" Leif-Erik Holm und Spitzenkandidat Enrico Schult.
Dennoch sah Holm den Regierungsauftrag bei der AfD. Man werde alle Parteien einladen zu Gesprächen, sagte er vor Anhängern in Schwerin.
SPD setzt ganz auf Schwesig
Die SPD schneidet mit 35,4 Prozent überraschend stark ab. Zwar müssen die Sozialdemokraten Verluste hinnehmen und kommen nicht mehr an die fast 40 Prozent von 2021 heran - dennoch ist die Erleichterung bei ihnen groß: Konnten sie doch in den vergangenen Monaten den in Umfragen deutlichen Rückstand zur AfD aufholen.
"Was für eine Aufholjagd", sagte Schwesig in einer ersten Reaktion am Abend. Vor jubelnden Anhängern sprach sie von einer "sehr schwierigen Landtagswahl" und von einer "Teamleistung".
Die SPD setzte ganz auf die seit 2017 regierende Schwesig, die mit Amtsbonus und hohen Zustimmungswerten im Land punktete - und sich vor allem seit der Sachsen-Anhalt-Wahl als Bollwerk gegen die AfD präsentierte. Zur Bundes-SPD und zum Kurs der Bundesregierung ging sie auf Distanz, etwa bei den Rentenreformplänen. Wegen der hohen Spritpreise - ein zentrales Thema im Wahlkampf - forderte sie schnelle Entlastungen für Autofahrer. Eine Forderung, der die Bundesregierung mit Tankrabatt und Spritpreisdeckel kurz vor der Wahl nachkam.
CDU unter der Fünf-Prozent-Marke
Die CDU erlebt ein Fiasko und stürzt ab in die Einstelligkeit. Die ARD-Hochrechnung sieht die Partei bei 4,9 Prozent. Damit wäre die CDU nicht mehr im Landtag vertreten. In der Geschichte der Bundesrepublik ist die CDU bisher bei Landtagswahlen noch nie an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert, die den Einzug ins Parlament sicherstellt.
Für die Nordost-CDU war es ein schwieriger Wahlkampf. Sie musste nicht nur gegen den negativen Bundestrend und die verbreitete Anti-Merz-Stimmung ankämpfen, sondern litt auch unter der Zuspitzung des Wahlkampfs auf das Duell Schwesig gegen die AfD. Der eigene Spitzenkandidat - Daniel Peters - blieb vielen Menschen unbekannt.
Mit Blick auf die Fünf-Prozent-Marke sprach Peters von einem "Überlebenskampf". Er lehnte erneut Koalitionen unter Beteiligung von AfD oder Linkspartei für die CDU ab, sollten die Christdemokraten überhaupt in den neuen Landtag einziehen.
Linke mit Verlusten
Mit 6,5 Prozent schneidet die Linke schlechter ab als 2021, als sie auf 9,9 Prozent kam. Der Wahlzweikampf zwischen SPD und AfD machte es auch für die Linke schwer, Wähler von sich zu überzeugen. Die Linke regierte zuletzt mit der SPD in einer rot-roten Koalition, die sie auch gerne fortsetzen würde. Bildungsministerin und Vize-Ministerpräsidentin Simone Oldenburg war auch Spitzenkandidatin.
Grüne über fünf Prozent
Auch die Grünen müssen Verluste hinnehmen, schaffen es aber wahrscheinlich wieder ins Parlament. Laut ARD-Hochrechnung liegen sie bei 5,7 Prozent. Im Wahlkampf hatten sie auch auf taktische Zweitstimmen aus dem linken Lager gesetzt und für eine rot-rot-grüne Landesregierung geworben. Für die künftige Regierungsbildung in Schwerin könnte die Partei um Spitzenkandidatin Claudia Müller nun wichtig werden.
Die FDP verpasst mit 1,0 Prozent klar den Wiedereinzug ins Parlament. Das BSW schafft es vermutlich ebenfalls nicht, es liegt aktuell bei 4,8 Prozent. Für den Fall des Einzugs ins Parlament schloss Spitzenkandidat Peter Schabbel eine Koalition mit der AfD aus. Er warb für einen überparteilichen Ministerpräsidenten.
Was heißt das für die Regierungsbildung?
Erstmals seit 28 Jahren wird die SPD in Mecklenburg-Vorpommern nicht stärkste Kraft, sondern von der AfD überholt. Das Ziel einer Alleinregierung hat die AfD aber verfehlt. Im Schweriner Landtag sind mindestens 71 Sitze zu vergeben. Für eine absolute Mehrheit im Landtag braucht es mindestens 50 Prozent der Stimmen der ins Parlament eingezogenen Parteien. Die AfD müsste zum Regieren also einen Koalitionspartner finden oder zumindest die Duldung durch eine andere Partei erreichen. Alle anderen Parteien haben dies aber offiziell ausgeschlossen.
Für eine Fortsetzung von Rot-Rot reicht es nicht. Sollten es die Grünen tatsächlich in den Landtag schaffen, könnte Schwesig versuchen, eine rot-rot-grüne Koalition zu schmieden. Doch ob es für dieses Dreierbündnis reichen würde, hängt auch davon ab, ob es CDU und BSW in den Landtag schaffen. Auch Minderheitsregierungen wie in Thüringen und Sachsen wären denkbar.
Was heißt das für die Bundesregierung und Kanzler Merz?
Die Wahl ist weit mehr als eine Richtungsentscheidung für Mecklenburg-Vorpommern und seine knapp 1,6 Millionen Einwohner. Auch für die schwarz-rote Bundesregierung und insbesondere Kanzler Friedrich Merz hängt viel vom Ausgang der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern und der parallel stattfinden Abstimmung in Berlin ab.
Zwei Wochen nach Sachsen-Anhalt ist die Nervosität vor allem bei der CDU hoch und die Kritik an Merz massiv. Spekulationen bis hin zum Kanzlertausch machten zuletzt die Runde. Dass die CDU angesichts dieses Wahldebakels zur Ruhe kommt, ist unwahrscheinlich.
Merz will weitermachen
Merz trat um kurz nach 18 Uhr vor die Presse. Trotz der schlechten Ergebnisse der CDU bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wolle er im Amt bleiben und den eingeschlagenen Reformkurs fortsetzen. "Ich möchte unser Land voranbringen", sagte der CDU-Chef. "Die Reformen müssen kommen."
Auch die SPD ist kein Stabilitätsanker in der Bundesregierung, doch dürfte der Schwesig-Erfolg zunächst einmal für Erleichterung sorgen. Erwartet wird, dass Schwesigs Einfluss in Berlin weiter zunimmt, auch als SPD-Chefin und/oder Kanzlerkandidatin wird sie bereits gehandelt.