1000 Euro „Sondersteuer“ für Ausländer: Alpen-Orte in Italien sorgen mit Hochzeits-Regel für Wirbel
Hochzeit in den Alpen? 1000 Euro „Zusatzsteuer“ für Ausländer – massiver Wirbel um Regel in Italien-Tal
Stand: 18.10.2026, 21:04 Uhr
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Eine Hochzeit in Italiens Alpen kann jetzt sehr teuer werden – zumindest für Ausländer. Eine neue Extrasteuer sorgt für Diskussionen.
Turin – Heiraten ist teuer. Allerdings schwanken die Kosten für eine standesamtliche Trauung je nach Region teils erheblich. Besonders viel zahlt man seit Oktober in einem Alpen-Tal in Italien. Allerdings müssen nur Ausländer gehörig draufzahlen. Das sorgt für große Diskussionen.
Ort des Geschehens ist die malerische Region zwischen dem Susa- und dem Chisone-Tal in der Region Piemont, westlich von Turin. Anfang Oktober wurde durch Beschlüsse der Gemeinden Claviere, Pragelato und Sestriere eine Art „Zusatzsteuer“ für standesamtliche Hochzeiten eingeführt. Demnach variieren die Kosten für eine Trauung nun erheblich – abhängig vom Wohnort und der Staatsangehörigkeit, wie die Turiner Tageszeitung La Stampa berichtet.
Hochzeit in Italiens Alpen: Ausländer zahlen 1000 Euro mehr – „nicht diskriminierend motiviert“
Einwohner der jeweiligen Gemeinden zahlen demnach wie bisher auch nichts für die Trauung im Standesamt. Hat jedoch nur einer der beiden Heiratenden keinen Wohnsitz in Italien, wird schon eine Gebühr von 250 Euro fällig. Noch wesentlich teurer wird es, wenn mindestens einer der beiden Liebenden eine ausländische, also nicht italienische, Staatsbürgerschaft hat: Dann kostet die Trauung plötzlich 1000 Euro. Das gilt offenbar auch, wenn der ausländische Staatsangehörige in dem entsprechenden Ort wohnt.
Die Gemeinden begründen dies mit größerem Arbeitsaufwand. Man habe zahlreiche Anträge auf Eheschließungen zwischen Personen mit italienischer und ausländischer Staatsbürgerschaft erhalten. „Jede Hochzeit dieser Art verursacht zusätzlichen Arbeitsaufwand“, so die Gemeinden dem Bericht nach. Gemeint sind damit etwa Übersetzungen und die Überprüfung der ausländischen Dokumente. Deshalb habe man schließlich die Gebühren angepasst. Man betont: „Dieser Beschluss ist nicht diskriminierend motiviert.“
Doch die Neuerung löst Diskussionen aus. Der Bericht weist etwa darauf hin, dass die Verlobten die Kosten für Übersetzungen, Stempelgebühren, Beglaubigungen und Ähnliches ohnehin selbst tragen müssen. Die Standesämter müssen diese Unterlagen anschließend lediglich prüfen. Ob der Aufschlag dem Mehraufwand entspricht, bleibt offen.
Extrasteuer für Ausländer: Auch Toskana-Ort hat Sondersteuer
Die italienische Organisation ASGI (Vereinigung für Rechtsstudien zur Einwanderung), die gegen die Diskriminierung von Zuwanderern kämpft, kündigte in jedem Fall Protest gegen die Regelung an. Laut Corriere della Sera will die ASGI gegen die Regel klagen und sprach von Diskriminierung.
In ganz Italien gibt es laut La Stampa nur einen vergleichbaren Fall: In San Gimignano in der Toskana koste eine Trauung im Rathaushof 1300 Euro für zwei Ausländer. Wohnt jedoch einer der beiden in der Gemeinde, kostet die Trauung hier wieder nichts. Diesbezüglich überlegt man in den Gemeinden des Piemont aktuell eine Änderung der Regelung. Sprich: Wohnt einer der beiden zur Verheiratenden in der Gemeinde, entfallen die Kosten. Ob die Neuerung kommt, ist aber bislang offen. (Verwendete Quellen: La Stampa, Corriere della Sera) (rjs)