Hotel baut Barrierefreiheit aus: An Anforderungen von Blinden und Sehbehinderten sowie Senioren orientiert
Stand: 16.09.2026, 14:00 Uhr
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Ab Ende November geht‘s richtig rund im Aura-Hotel in Saulgrub. Dann starten die Arbeiten, um das Gastronomieangebot noch barrierefreier zu gestalten. Unterstützung gibt es aus der Politik.
Saulgrub – Auf den ersten Blick ist das Aura-Hotel in Saulgrub ein ganz normales Drei-Sterne-Komfort-Haus. Eingebettet in einen großen Park mit altem Baumbestand, bietet es 40 Einzel- und 29 Doppelzimmer sowie bayerische Gastlichkeit im hauseigenen Restaurant und Bierstüberl. Doch schon beim Betreten des Geländes fällt auf, dass dort besonders auf Barrierefreiheit geachtet wird. Dazu gehören ein optisches und taktiles Leit- und Orientierungssystem im Hotel und auf dem Außengelände, Braille- und tastbare Beschriftungen an allen Räumen sowie sämtliche Informationen wie Speisekarten und Veranstaltungshinweise in Großdruck, Braille und als Audioversion. Spezielle Hilfsmittel für den Alltag, persönliche Unterstützung durch geschultes Personal und begleitete Angebote runden das Konzept ab. Dieses wird nun weiter optimiert.
Susann Enders, die für die Freien Wähler seit 2018 dem Bayerischen Landtag angehört und sich unter anderem als Stadträtin und Behindertenbeauftragte der Stadt Weilheim sowie als Kreisrätin des Landkreises Weilheim-Schongau engagiert, ist regelmäßig mit ihrer VdK-Gruppe vor Ort. „Dort ist einfach alles gut zugänglich für Menschen mit Behinderung“, betont sie. Wie auch für Senioren. Bei einem der letzten Besuche berichtete Hoteldirektor Stephan Dick, dass er das Gastronomieangebot gerne noch barrierefreier gestalten möchte. Das vorhandene Buffet im Restaurant biete beispielsweise kaum Kontraste zur Orientierung, und ältere Gäste vermissen Haltegriffe. Im angrenzenden Bierstüberl fehlen ebenfalls visuelle Kontraste, zudem sei dort die Raumakustik optimierungsbedürftig. Ein Anliegen, das bei Enders auf offene Ohren stieß. Die Politikerin bot Unterstützung an.
Wissen von blinden und sehbehinderten Experten fließt in die Planung ein
In den vergangenen Monaten wurde ein maßgeschneidertes Konzept ausgearbeitet. Man habe sich konsequent an den Anforderungen orientiert, die blinde und sehbehinderte Menschen sowie Senioren im Alltag benötigen, erklärt Dick. Dafür nutzte das Hotel die Fachexpertise von Rehabilitationsfachkräften des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB), der Alleingesellschafter des Aura-Hotels ist. Diese Fachkräfte unterstützen Betroffene dabei, die bestmögliche Selbstständigkeit im Alltag zu erreichen. Ferner floss das Wissen von blinden und sehbehinderten Experten aus den BBSB-Reihen in die Planung ein.
„Ich bin sehr glücklich, dass wir dieses Projekt nun dank der Unterstützung umsetzen können“, sagt Judith Faltl, ehrenamtliche Geschäftsführerin und Landesvorsitzende des BBSB, die selbst blind ist. „Die Menschen wollen und sollen ihre Selbstständigkeit so weit wie möglich erhalten können. Wenn wir die Raumgestaltung dafür optimieren können, ist uns das eine Herzensangelegenheit.“ Besonders freut sie sich auf die akustischen Verbesserungen: „Wenn man die Welt hörend wahrnimmt, möchte man sich ohne störende Nebengeräusche auf Stimmen, Gespräche und jede Nuance konzentrieren können.“ Wieviel Geld in die vorgesehenen Maßnahmen fließt, darüber sollen keine öffentlichen Angaben gemacht werden, heißt es vonseiten des Aura-Hotels auf Tagblatt-Nachfrage. Konkreter wird‘s bei der Finanzspritze. Wie das Abgeordnetenbüro von Enders mitteilt, habe sich die Politikerin im Rahmen einer Fraktionsinitiative dafür eingesetzt, dass für beide Projekte insgesamt 170.000 Euro in den bayerischen Haushalt eingestellt werden.
Die Arbeiten starten Ende November, kurz vor der Schließzeit. Pünktlich zur Wiedereröffnung am 19. Dezember, wenn die Weihnachtsgäste eintreffen, soll das neue Buffet stehen und das Bierstüberl im neuen Erscheinungsbild erstrahlen.