Hugendubel investiert in Filiale an der Hauptwache – trotz Markteinbruch
Stand: 30.07.2026, 07:00 Uhr
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Die Buchhandelskette hat ihre Frankfurter Filiale auf 3.000 Quadratmetern aufwendig renoviert. Neben Büchern gibt es jetzt eine XXL-Telefonzelle, mietbare Spieltische und sogar Eintracht-Lizenzprodukte.
Der Buchhandel ist ein rückläufiges Geschäft. Dennoch hat Hugendubel viel Geld in seine Frankfurter Filiale an der Hauptwache gesteckt. Ein erster Blick in die neugestalteten Räume zeigt schnell, warum das Konzept doch aufgehen kann: Es gibt viel mehr als gedruckte Seiten.

Das Gebäude in der Biebergasse, in dem der Hugendubel sein Zuhause hat, bietet schon von sich aus günstige Bedingungen. Vier Etagen, Atrium, Nischen, Rolltreppen, Eingänge auf zwei Seiten – so großzügig, dass an diesem Ort auch ein ganzes Kaufhaus stehen könnte. Jetzt, nach umfassender Renovierung, wirkt alles noch einmal freundlicher und heller. „Neue Farben und neues Material waren entscheidend“, erzählt Nina Hugendubel, Geschäftsführerin des gleichnamigen Unternehmens.
Auf insgesamt etwa 3.000 Quadratmetern geht es nun etwas gedeckter zu, die Sitzpolster haben ihr knalliges Rot verloren. Akustikpanele schaffen den räumlichen Übergang zu den Emporen in der Mitte. Das Design zieht sich konsequent durch die Etagen. Das bedeutet nicht, dass sich jedes Buch an einem neuen Platz befindet. „Die Grundstruktur bleibt gleich“, erklärt Hugendubel. Die Optik der Flächen gebe ein gutes Gefühl dafür, an welchem Ort sich welcher Artikel finden lasse.
Das bedeutet nicht, dass sich nun jedes Buch an einem neuen Platz befindet. „Die Grundstruktur bleibt gleich“, erklärt Hugendubel. Die Optik der Flächen gebe ein gutes Gefühl dafür, an welchem Ort sich welcher Artikel finden lasse. Sie beschreibt, dass die Architektur des Hauses „ein Highlight für sich“ sei – früher war hier ein Kino.
Schon jetzt, zum sogenannten „Soft Opening“, strömen Menschen in das Geschäft. Andere stehen schon an der Kasse, von denen es sieben gibt. „Über Selbstbedienungskassen denken wir zwar intensiv nach, aber wir sehen, dass sie teilweise schon wieder zurückgebaut werden“, sagt Hugendubel. Ein Konkurrent hat den Selfservice schon länger in Betrieb. „Wenn man am Ende des Besuchs doch mit jemandem sprechen muss, hat das doch auch was“, ergänzt Regionsleiterin Uta Wischendorf. Sie kennt jeden Winkel des Ladens, ist sie doch schon von Anfang an dabei, seit 1991.
Ende April begannen die Arbeiten, doch zu keinem Zeitpunkt musste die Filiale schließen. „Wir haben schrittweise renoviert“, sagt Filialleiter Marlon Nicotera. Er freut sich sichtlich über die Investitionen in den Standort Frankfurt. „Es ist ein tolles Zeichen, das wir aus München bekommen.“ Wie hoch diese Investitionen tatsächlich sind, möchte Nina Hugendubel nicht verraten. „Günstiger wäre es aber schöner gewesen“, sagt sie mit einem Lachen.
Buchmarkt geht zurück: Händler kämpfen gegen die Entwicklung
Dem Buchhandel bläst ein starker Wind entgegen. Allein im Vergleich zum ersten Halbjahr des Jahres 2025 ist der Absatz laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels in der ersten Jahreshälfte 2026 um 4,5 Prozent gesunken. Der Verein hatte als Grund für diese Entwicklung die schwindende Lesekompetenz genannt. „Diese Zahlen müssen auch ein Weckruf an die Politik sein“, hat Vorsteher Sebastian Guggolz ausgegeben. Zwar handelt es sich um eine Interpretation dieser Zahlen, doch zu dieser passt, dass insbesondere junge Menschen weniger lesen. Umso bemerkenswerter ist die Beliebtheit des Genres „New Adult“, das eben diese jungen Menschen gezielt anspricht. Im neuen Hugendubel werden Romane dieser Art daher prominent in Szene gesetzt.
Die Umsätze durch E-Book-Verkäufe haben sich bei einem Umsatzanteil von 6,3 Prozent stabil gehalten, während Hörbücher 2025 um 13,2 Prozent im Vergleich zu 2024 zulegen konnten. Letztere werden aber oft über Streaming-Anbieter vertrieben, wovon eine klassische Buchhandlung nicht profitiert. Viele Buchhandlungen mussten in den letzten Jahren schließen. Die aktuellen Zahlen zeigen einen Rückgang von fast einem Viertel zwischen 2018 und 2023. Hugendubel schwimmt folglich gegen den Trend.
Während einige Regale noch unbestückt sind – Nicotera nennt es „Findungsphase“ –, ist der restliche Laden weitestgehend fertiggestellt. Die „Welt der Kinder“ wartet mit einem Spielplatz auf, der schon jetzt sichtlich Anklang findet. Auch Brett- und Kartenspiele sind prominent in Szene gesetzt, Tische lassen sich sogar anmieten. „Für die Zukunft haben wir einige Events geplant, unter anderem ein Hitster-Battle am kommenden Freitag“, sagt Uta Wischendorf. In der kommenden Woche steht noch einiges mehr auf dem Plan.
Besondere Aufmerksamkeit schenkt das Geschäft den englischsprachigen Büchern. Eine typische Londoner Telefonzelle im XXL-Format ist der Blickfang der Abteilung. An anderer Stelle kommen Eintracht-Fans auf ihre Kosten, denn Hugendubel verkauft Lizenzprodukte des Vereins. Selbst Esoterik hat Platz: Von Räucherstäbchen bis zu Aromen findet sich eine breite Auswahl im Untergeschoss.
Neues Konzept verbindet Einkauf und Erlebnis
An dieser Stelle entscheidet sich, ob eine Buchhandlung noch erfolgreich sein kann. Zwar verkaufe man noch immer deutlich mehr in den Städten als online, sagt Nina Hugendubel. Neben dem einfachen Buch brauche es aber immer auch das „Besondere“: sei es der auffällige Farbschnitt einer Sonderedition, eine Spielecke oder die aufwendige Inszenierung. „Hier geht es auch um die Atmosphäre, die Kunden sollen bleiben“, sagt sie.
Hugendubel setzt neben Onlineangeboten weiter auf seine Ladengeschäfte. „Die Filialen bleiben unser Kern, denn online lässt sich keine Stimmung vermitteln“, sagt Nina Hugendubel. Dies sagt sie im hauseigenen „Henris Bistro“, benannt nach Heinrich Hugendubel, ihrem Vater.