Chinas Tech-Industrie: Warum Europa den Kampf annehmen muss

Halbleiter, humanoide Roboter, KI-Modelle, die das Silicon Valley nervös machen – der Rest der chinesischen Wirtschaft mag am Boden liegen, doch Chinas Tech-Industrie erlebt ein gutes Jahr. Der Börsengang von Unitree ist nur der nächste in einer Reihe von aufsehenerregenden Tech-Listungen, zuvor waren es Chipproduzenten wie CXMT oder die KI-Start-ups Zhipu AI oder Minimax. Weitere vielversprechende Unternehmen wie das Pekinger KI-Haus Moonshot AI stehen in den Startlöchern.

Die USA halten in diesem Technik-Wettrennen mit dem Raumfahrtkonzern Space X, dem humanoiden Roboter von Tesla oder den KI-Entwicklern Open AI oder Anthropic dagegen. In Europa dagegen besteht die China-Debatte aus Klageliedern über die Unfairness chinesischer Industriepolitik und die Welle chinesischer Elektroautos, die Europa zu überrollen scheint. Die Technikdebatte dreht sich um nachgelagerte ethische und rechtliche Fragen, statt um die vorgelagerten technischen.

Europa Klagen ist die falsche Grundhaltung

Europas Kritik an China ist ja inhaltlich nicht falsch. Chinas Industrieunternehmen profitieren von Subventionen, die WTO-Regeln widersprechen, und von der Ausbeutung der Fabrikarbeiter. Der chinesische Staatsapparat schürt den Hype um humanoide Roboter und andere chinesische Technik, wo er nur kann. Nicht selten hat das lächerliche Auswüchse.

Aber für Europa ist dieses Klagen über China die falsche Grundhaltung. Europas Möglichkeiten, Chinas Industriepolitik zu ändern, gehen gegen null. Den eigenen Markt abzuschotten, senkt die Wettbewerbsintensität in Europa und ist keine Antwort auf die Herausforderung, die chinesische Unternehmen auf dem Weltmarkt darstellen. Es ist eine defensive, ängstliche Haltung, die sich die bequeme industrielle Dominanz des vergangenen Jahrtausends zurückwünscht.

Was es braucht, ist eine Grundhaltung, die den Wettbewerb mit China annimmt, statt sich aus Angst vor Spionage vor jedem chinesischen Sensor in die Hose zu machen. Dieser Wettbewerb wird unbequemer und härter als die Gewissheit im Schoß der IG-Metall. Aber es ist die bessere Option, als wenn Management und Gewerkschaften um die letzten zu vergebenden Euros kämpfen, bevor sie den Laden dichtmachen.

Grundsätzlich kann es das deutsche Modell der Mitbestimmung mit dem chinesischen Turbokapitalismus aufnehmen. Es kann schnell sein wie die Chinesen, wenn alle an einem Strang ziehen, statt sich in den Dickichten der Konzernbürokratie zu verirren. Aber kein Akteur, weder auf Seiten des Managements noch der Gewerkschaften, entwickelt diese Haltung. Sie buddeln sich lieber in ihren Konfliktrollen ein, die sie glauben ausfüllen zu müssen.

Das Ziel muss wieder sein, aufregende deutsche und europäische Technik zu entwickeln, über die die ganze Welt redet, die in den Sozialen Medien hoch und runter läuft. Dann gibt es auch hierzulande wieder einen Börsengang eines Unternehmens, nach dessen Aktien das ganze Land lechzt.