Defekte Wärmepumpen: Droht den Stadtwerken ein Millionenstreit?
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Schleswig-Holstein
Hunderte verbaute Wärmepumpen defekt? Stadtwerken im Norden droht millionenschweres Desaster
In Schleswig droht den Stadtwerken SH ein Millionenschaden wegen defekter Wärmepumpen. Im „Reetdorf“ Nieby sind bereits mehrere Anlagen ausgefallen. Stellt sich die Frage: Wer hat das zu verantworten und zahlt den entstandenen Schaden?
Wenn es am Ende schlecht läuft für die Stadtwerke SH, könnte diese Geschichte dem kommunalen Unternehmen einen Millionenschaden bescheren. Ganz abgesehen von einem damit einhergehenden immensen Imageschaden.
Noch ist zwar nichts entschieden, fest steht aber: Hinter den Kulissen wird schon seit Jahren gestritten. Es geht um ausgefallene Wärmepumpen und die Fragen: Wie viele Kunden und Geräte sind davon betroffen? Und wer übernimmt für den Ausfall die Verantwortung?
Wer ist für die defekten Wärmepumpen verantwortlich?
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Stein des Anstoßes: Die Stadtwerke SH, anfangs noch die Schleswiger Stadtwerke, haben in den vergangenen Jahren gemeinsam mit einer Tochterfirma im Rahmen ihres sogenannten Kalte-Nahwärme-Projektes in Schleswig (und darüber hinaus) zahlreiche Wärmepumpen eines renommierten deutschen Herstellers verbaut – die nun nach und nach ausfallen und erhebliche Schäden aufweisen.
Einer der größten Auftraggeber war dabei das „Reetdorf“ in Nieby an der Geltinger Bucht. Dessen Eigentümer und Betreiber, Norbert Essing, beklagt inzwischen den Ausfall einer Vielzahl von Anlagen und ist sich sicher, dass am Ende alle von den verbauten 49 Wärmepumpen ausgetauscht werden müssen. In diesem Zusammenhang erhebt er nun schwere Vorwürfe gegen die Stadtwerke SH. Diese, so betont er, seien sein alleiniger Vertragspartner gewesen und damit alleinverantwortlich in der Sache. „Sie versuchen allerdings, sich dieser Verantwortung zu entziehen“, so Essing.
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„Viele der Anlagen haben bereits kurz nach ihrem Einbau 2018 Probleme bereitet“, berichtet er. Inzwischen habe er acht Wärmepumpen auf eigene Kosten ausgetauscht, bei zwei weiteren hätten die Stadtwerke die Kosten übernommen, dann nicht mehr. Für ihn stehe außer Frage, dass sämtliche Häuser seines „Reetdorfes“ nun vollständig neue Heizungsanlagen bekommen müssten. „Wir sind hier sehr erfolgreich und haben einen sehr hohen Anspruch. Bei der Qualität machen wir für unsere Gäste keinerlei Abstriche.“ Auch deshalb habe man bereits mehrere Ferienhäuser aus der Vermietung herausnehmen müssen. Die Mietverluste daraus beziffert Essing auf „inzwischen über 300.000 Euro!“
Gerichtliche Schritte eingeleitet
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Geld, das er nun von den Stadtwerken zurückfordert. Hinzu kommen die deutlich höheren Kosten für den Austausch aller Anlagen. Über den Daumen gepeilt rechnet Essing für die 47 ausstehenden Wärmepumpen bei einem Stückpreis von geschätzt 33.000 Euro mit rund 1,5 Millionen Euro. Entsprechende rechtliche Schritte habe er bereits eingeleitet. Einen von ihm angebotenen Vergleich hätten die Stadtwerke abgelehnt. „Das wäre deutlich günstiger geworden.“
Dabei seien die Probleme an den Anlagen mit den Jahren verstärkt und immer öfter aufgetreten, er habe sich zunächst aber mit den Stadtwerken auf ein Stillhalten geeinigt. Diese sollten ein Gutachten zur Fehlersuche erstellen lassen und sich gleichzeitig mit dem Hersteller der Wärmepumpen auseinandersetzen. Essing betont, im Gegenzug für sein Stillhalten hätten „die Stadtwerke zugesichert, sich bei auftretenden neuen Problemen sofort um reparaturanfällige Anlagen zu kümmern“. Das sei anfangs auch so gewesen, mit der Zeit aber seien immer mehr Wärmepumpen ausgefallen. „Dann habe ich fünf Monate lang nichts mehr von den Stadtwerken und ihrer Geschäftsführung gehört. Alle Bitten um technische Hilfe wurden ignoriert. Weder Mails noch SMS oder Anrufe wurden beantwortet.“ (Die SHZ-Redaktion konnte zahlreiche Belege für die erhobenen Vorwürfe einsehen). Nun sei er an einem Punkt, an dem er jegliche Zusammenarbeit mit den Stadtwerken SH ablehne.
Wurden falsche Schläuche verbaut?
Auf Anfrage an Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Reichelt und Aufsichtsratsvorsitzenden Holger Ley bestätigen beide, „dass es zu Gewährleistungsfällen bei den von den Schleswiger Stadtwerken verkauften und von einem von den Stadtwerken beauftragten Dienstleister verbauten Wärmepumpen im „Reetdorf“ gekommen ist.“ Im Rahmen der routinemäßigen Wartungsarbeiten sei „eine schlechte Heizungswasserqualität“ aufgefallen. Nun stelle sich die Frage nach dem Warum – und wer dies zu vertreten habe. „Ist das ein Fehler des Herstellers der Wärmepumpe? Ist das von der beauftragten Firma, die den Einbau vorgenommen hat, zu vertreten oder von der Firma, die die komplette restliche Heizungsanlage im Auftrag des „Reetdorfes“ gebaut hat?“
Besonders brisant dabei: Laut Informationen von shz könnten neben dem „Reetdorf“ noch mehr als 400 weitere Anlagen von den Problemen betroffen sein. Ob dies stimmt, dazu äußern sich die Stadtwerke auf Nachfrage nicht. Man erstelle aber aktuell einen Überblick über den Zustand der Anlagen, heißt es. Norbert Essing hat inzwischen einen eigenen Gutachter beauftragt. Dessen Ergebnis: Es sollen falsche Schläuche verbaut worden sein, durch die Sauerstoff in die Anlagen geriet, sodass diese von innen oxidierten und die Pumpen von innen „sterben“. „Es wurden offensichtlich Hunderte Kunden geschädigt. Wir werden das bündeln und gegen die Stadtwerke tätig werden“, sagt er.
Warum dauert das Verfahren so lange?
Die Stadtwerke indes verweisen auf ein in Auftrag gegebenes gerichtliches Beweissicherungsverfahren, das die Ursache klären soll. Alle Parteien warteten dringend auf das Ergebnis. Das wiederum sei auch der Grund, warum man sich bislang nicht auf einen Vergleich mit Essing eingelassen habe. Man stehe aber, so heißt es in der Erklärung von Reichelt und Ley, entgegen der Aussage von Norbert Essing „in regelmäßigem Austausch mit dem Eigentümer“. Man strebe eine gemeinsame Lösung an. Aber: „Alle Beteiligten wundern sich über die Dauer des gerichtlichen Beweissicherungsverfahrens, das nun seit mehr als zwei Jahren läuft.“
Fakt ist: Es geht um eine Menge Geld. Wie viel, das hängt davon ab, wie viele Kunden betroffen sind. Essing geht von einem zweistelligen Millionenbetrag aus. Die Stadtwerke SH äußern sich hierzu nicht. Sie bestätigen aber auf Nachfrage, dass sie in diesem Fall bereits 2024 eine sogenannte Rückstellung gebildet haben – um auf eine nicht in der Bilanz geplante hohe Ausgabe vorbereitet zu sein. (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de)
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