Huthi-Miliz: Wann handelt Europa?
Die Huthi-Miliz übt eindeutig Terror aus, steht aber nicht auf der Terrorliste der EU. Sie sollte es endlich tun – so wie die USA.
Foto: ap / dpa
W elche Miliz greift seit über drei Jahren immer wieder die internationale Schifffahrt an? Welche Miliz hat allein seit Anfang Oktober mindestens 19 Zivilisten in einem Nachbarstaat getötet und über 300 verletzt? Welche Miliz hat sich „Tod Israel, Tod Amerika“ auf die Fahnen geschrieben? Welche Miliz steht zwar auf der Terrorliste der USA, bis heute aber nicht auf jener der Europäischen Union? Es ist die von Iran unterstützte Miliz Ansar Allah im Jemen, meist nach ihren Anführer „Huthi“ genannt. Und die wichtigste Frage: Weshalb steht sie denn nicht darauf?
Triftige Gründe gibt es nämlich zuhauf: systematische Angriffe auf die internationale Schifffahrt und damit auf Handelswege, die Millionen Menschen versorgen. Brutales Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung, inklusive massiver Einschränkungen der Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Bewegungsfreiheit und brutalem Vorgehen gegen jede Opposition. Seit Jahren anhaltende Angriffe auf Länder in der Region – allen voran Saudi-Arabien, aber auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel. Wiederholte Erklärungen zur Vernichtung Israels, aber auch gegen das saudi-arabische Königshaus.
Das ist eigentlich ein eindeutiger Fall. Und die Europäische Union müsste sich nicht einmal auf unbekanntes Gebiet vorwagen, könnte sich inhaltlich etwa an der Einstufung der Huthi durch die USA orientieren. EU-Sanktionen bestehen außerdem bereits, auf denen die Mitgliedsstaaten aufbauen könnten.
Erst in der vergangenen Woche hat Kanzler Friedrich Merz bei einem Anruf in Riad die Huthi-Angriffe „auf das Schärfste“ verurteilt. Dem sollten Taten folgten. Die Bundesregierung sollte sich für die Terror-Einstufung der Huthi ins Zeug legen. So wie sie es – allerdings reichlich spät – auch bei den iranischen Revolutionsgarden getan hat.
Die Huthi zeigen seit Jahren, wer sie sind. Man sollte es ihnen glauben – und Konsequenzen ziehen.
Lisa Schneider
Redakteurin für Nahost
Redakteurin für Westasien & Nordafrika. Studium in Beirut, Mainz und Paris. Alumna des Ernst Cramer & Teddy Kollek Programms (IJP) bei Times of Israel.
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