Huthi sperren das Rote Meer, Patriots sind halb verbraucht: Trumps Iran-Abenteuer rächt sich bitter
Stand: 21.09.2026, 19:13 Uhr
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Wenn auch am anderen Ende des Roten Meeres: Die Eskalation der Huthi-Angriffe an der Bab al-Mandab belegt, dass die USA unter Donald Trump ihren „Suez-Moment“ erleben.
Es war 1956. Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser verstaatlichte den Suezkanal, den bis dahin britische und französische Eigner betrieben. Israel fiel in geheimer Absprache mit London und Paris in den Sinai ein. Britische und französische Luftwaffen bombardierten Ägypten, danach landeten Bodentruppen am Kanal, unter dem Vorwand, die Kriegsparteien zu trennen.

Obwohl Verbündete, verweigerten die USA unter Präsident Eisenhower Briten und Franzosen die Gefolgschaft und sahen in der Krise eine Ablenkung von der größeren Aufgabe, die Sowjetunion abzuschrecken, die gerade den Ungarn-Aufstand niederschlug. Moskau drohte London und Paris mit Raketenangriffen. Auf dem Papier den Europäern unterlegen, sperrte Ägypten den Kanal erfolgreich mit versenkten Schiffen; bis Frühjahr 1957 blieb er dicht. Sabotierte Pipelines und die Sperrung störten die Ölversorgung und zwangen Briten und Franzosen zur Treibstoffrationierung.
Huthi sperren das Rote Meer, Patriots sind halb verbraucht: Trumps Iran-Abenteuer rächt sich bitter
Der erste Suez-Moment ist lehrreich. Er bestätigte, dass Großbritannien und Frankreich nur noch Schatten früherer imperialer Größe waren. Nasser, von London und Paris unbeeindruckt, ging gestärkt hervor, während beide etwas Entscheidendes einbüßten: den Ruf militärischer Schlagkraft. Fürchten Aggressoren das eigene Militär nicht, fordern sie einen heraus, wo und wann sie können. Suez beschleunigte das Ende beider Imperien.
Die Parallelen zu Trumps Irrweg im Iran liegen auf der Hand. Im Zusammenspiel mit Israels Netanjahu griff Trump den Iran an, in der Erwartung, binnen weniger Wochen das Regime zu stürzen. Im siebten Kriegsmonat ist das Regime noch an der Macht, die Opposition weitgehend zum Schweigen gebracht. Wenn auch angeschlagen, hat Irans Militär die Straße von Hormus geschickt gesperrt. Über die verbündeten Huthi, die nun Jemens Rotmeerküste kontrollieren, bedroht es Schiffe im Roten Meer, und aus dem Irak gestartete Drohnen zwangen Saudi-Arabien, seine Ost-West-Pipeline abzuschalten.
Trumps „Errungenschaft“ gibt es nicht umsonst. Amerikaner zahlen Rekordpreise für Diesel und Benzin, pünktlich zu den Midterms und den kalten Wintermonaten. Auch das Militär zahlt. Glaubwürdigen Berichten zufolge hat es fast 80 % seiner THAAD-Abfangraketen und etwa die Hälfte seiner Patriots verbraucht; der Wiederaufbau dauert drei Jahre oder länger. Der Chef des US-Europakommandos hat das Pentagon offenbar gewarnt, dass er ohne einen weiteren Zerstörer womöglich den Schutz der Heimat über den Israels stellen muss. Und das, obwohl nur 25 % der Zerstörerflotte einsatzbereit sind.
Über den Autor
Kaum jemand kann die USA, ihre Politik und Donald Trump besser analysieren als er: der amerikanische Politikwissenschaftler James W. Davis. Er ist ausgewiesener Experte für US-Politik und Internationale Beziehungen, lehrt seit Jahrzehnten im deutschsprachigen Raum. Für Ippen.Media schreibt er regelmäßig über die Lage in den USA und die zweite Amtszeit von Donald Trump.
Das Ergebnis? Putin weitet seinen Krieg gegen die Ukraine aus und testet Zusammenhalt und Entschlossenheit der NATO. Allein Rumänien zählt dieses Jahr mindestens 23 russische Luftraumverletzungen, mehr als in den vier Jahren davor zusammen. Am 29. Juli stürzte in Ostpolen ein mutmaßlich russischer Marschflugkörper ab. Hier in Deutschland fand sich im August am NATO-Transportdrehkreuz Leipzig/Halle eine sprengstoffbeladene Drohne neben ukrainischen Frachtflugzeugen, eine zweite kollidierte mit einem Frachtflugzeug. Dazu die rund 200 Sabotageakte in Europa, darunter der Brandanschlag vor dem Münchner Firmensitz von Rohde & Schwarz in der Nacht zum 3. September: Das Muster ist eindeutig. Mittlerweile tut Chinas Xi dasselbe im Südchinesischen Meer. Das ist die wahre Folge von Washingtons Suez-Moment: Prestigeverlust und schwindender Glaube an Amerikas Militärmacht. Briten und Franzosen erfuhren einst, was das kostet. Ich fürchte, nun lernen wir es alle.