Huthis rücken am Roten Meer auf "Tor der Tränen" vor
Krieg im Iran
Huthis rücken am Roten Meer auf "Tor der Tränen" vor
Die Blockade würde die Golfstaaten und Saudi-Arabien von ihren wichtigsten Handelswegen abschneiden
Washington/Teheran – Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz ist im Jemen an der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab auf dem Vormarsch. Am Donnerstag eroberte die radikal-islamische Gruppe die historische Hafenstadt Mocha, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Regierungskreisen erfuhr. Die Kämpfer griffen den Insidern zufolge zudem die vorgelagerten Hanish-Inseln im Roten Meer an, während die Regierungstruppen und ihre Verbündeten sich nach Süden in die Stadt Dhubab zurückzogen.
Deren Kontrolle gilt zusammen mit der nahe gelegenen Insel Perim als Schlüssel für die Vorherrschaft über den Bab al-Mandab. Eine Blockade würde für Golfstaaten wie Saudi-Arabien einen zentralen Handelsweg kappen, nachdem der Iran die Straße von Hormuz als primäre Seeroute zwischen Asien und Europa faktisch bereits geschlossen hat. Die wegen der gefährlichen Navigationsbedingungen auch als "Tor der Tränen" bekannte Schifffahrtsroute hat im Zuge des Kriegs der USA gegen den Iran zusätzlich enorm an Bedeutung gewonnen. Sie zählt zu den weltweit wichtigsten Strecken für den Transport von Rohöl und Kraftstoffen aus der Golfregion über den Suezkanal ins Mittelmeer sowie in umgekehrter Richtung für Handelsgüter mit Ziel Asien, darunter russisches Öl.
Bürgerkrieg neu entflammt
Im Jemen kämpfen die vom Iran unterstützten Huthis gegen die Regierung, die von Saudi-Arabien unterstützt wird. Seit 2022 herrschte eine inoffizielle Waffenruhe. Im Zuge des Iran-Kriegs ist aber auch der Konflikt im Jemen erneut aufgeflammt. Die aktuellen Kämpfe sind die schwersten Gefechte seit Jahren.
Die saudi-arabische Armee griff nach Huthi-Angaben dutzende Ziele im Jemen an. Die Luftwaffe des "Feindes" habe in den vergangenen Stunden "etwa 40 Angriffe" in den Provinzen Taiz, Al-Hodeida, Al-Jawf und Marib ausgeführt, meldete die den Huthis nahestehende Nachrichtenagentur SABA am Donnerstag. Zuvor hatten die Houthis Ziele in Saudi-Arabien angegriffen.
Tarik Saleh, Anführer der Nationalen Widerstandskräfte, rief alle regierungstreuen Kräfte dazu auf, sich "neu zu formieren". Es seien Anweisungen ergangen, in Abstimmung mit der von Saudi-Arabien angeführten Koalition zur Unterstützung der Regierung ein "alternatives Kommandozentrum an einem sicheren Ort zur Neuformierung der Truppen" einzurichten.
Pakistan warnt Iran
Die Miliz hatte nach saudisch angeführten Angriffen im Juli eine Blockade der Schifffahrt für Saudi-Arabien verkündet. Seitdem griffen die Huthi mehrere Schiffe an, zwangen weitere Schiffe in der Region zu Kursänderungen und griffen auch den Süden des Nachbarlands Saudi-Arabien wieder mit Raketen und Drohnen an. Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition fliegt seitdem immer wieder Luftangriffe gegen Stellungen der Huthi.
Pakistan forderte den Iran nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Islamabad angesichts der eskalierenden Kämpfe im Jemen indes mehrfach auf, die mit Teheran verbündeten Huthi zu zügeln. Bei einem kürzlichen Besuch des pakistanischen Armeechefs Asim Munir in Teheran habe dieser etwa eine Warnung an den Iran ausgesprochen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus pakistanischen Geheimdienstkreisen.
"Ihr bekommt es mit uns zu tun", habe Munir die Führung in Teheran gewarnt, sollten die Huthi-Rebellen tatsächlich Pläne zur Störung der Schifffahrt im Roten Meer wahr machen.
Saudische Luftverteidigung
Saudi-Arabien und Pakistan stehen gemeinsam in zwei Militärbündnissen. Es sei unwahrscheinlich, dass die in Saudi-Arabien stationierte pakistanische Luftwaffe direkt in den Konflikt eingreife, hieß es aus den Geheimdienstkreisen. Aber eigene in Saudi-Arabien stationierte Luftverteidigungssysteme könnten gegen Huthi-Angriffe eingesetzt werden.
Einschätzungen der Jemen-Expertin Nadwa Dausari zufolge, versucht der Iran die mit Teheran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen ähnlich wie die Hisbollah im Libanon als Verhandlungsmasse einzusetzen. Die Huthis könnten zugleich für den Iran ein strategisches Instrument bleiben, um seinen regionalen Einfluss auszuweiten und künftig Macht in der Region zu projizieren. (APA, 10.9.2026)
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