Flugfunk: ICAO-Regeln sollen Piloten vor Missverständnissen schützen
Publiziert14. September 2026, 18:45
Tree statt Three«Ich verstehe nix»: Darum klingt Piloten-Englisch so seltsam
«Three» wird zu «tree» und «nine» zu «niner»: Wer im Cockpit mithört, könnte das für schlechtes Englisch halten. Tatsächlich steckt dahinter ein international geregeltes System, das Missverständnisse verhindern soll.

Können Piloten und Fluglotsen etwa kein richtiges Englisch? Wer den Funkverkehr im Cockpit hört, könnte sich das tatsächlich fragen. «Ich bin die, die für ihr Englisch kritisiert wird», schreibt etwa eine Airport-Controllerin auf Tiktok zu einem Video, das sie bei der Arbeit zeigt. Dabei spricht sie die Wörter ganz bewusst so aus: «Die Aussprache ist gewollt und richtig. Das Cockpit versteht jedes Wort.»
«Also, ich verstehe nix», kommentiert jemand. «Wenn ihr wüsstet, wie man begabt sein muss, um diesen Job ausführen zu können», lobt sie jemand anderes.
Verstehst du die spezielle Funk-Aussprache bei Piloten und Fluglotsen?
Ja, ich arbeite in diesem Bereich oder kenne mich in der Aviatik gut aus.
Zu einem gewissen Teil.
Nein, gar nicht! Ich habe mich schon immer gefragt, was sie sprechen.
Ich spreche sowieso kein Englisch.
Das ist mir noch nie aufgefallen.
Weil ich nie fliege, wusste ich gar nicht, wie die Aussprache klingt.
Warum Piloten und Fluglotsen nicht einfach normales Englisch sprechen
Im internationalen Flugverkehr kommunizieren Pilotinnen und Piloten sowie Fluglotsinnen und Fluglotsen aus aller Welt miteinander. Dazu kommen unterschiedliche Akzente, Funkrauschen und Situationen, in denen Informationen schnell und eindeutig ankommen müssen.
Deshalb gibt die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) für den Sprechfunk eigene Aussprachen vor. Dazu gehören laut «Travelbook» beispielsweise «tree» für three, «fife» für five und «niner» für nine. Auch das Buchstabieralphabet mit Alfa, Bravo, Charlie und Co. folgt festen Regeln. Die ICAO entwickelte das System, damit Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen Informationen über Funk möglichst eindeutig verstehen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Pilotinnen und Piloten nur auswendig gelernte Sätze aufsagen. Reichen die standardisierten Formulierungen in einer ungewöhnlichen oder komplexen Situation nicht aus, braucht es normales, frei formuliertes Englisch. Die ICAO schult deshalb ausdrücklich auch die Kommunikation in solchen Fällen.
Flugzeugkatastrophe in Teneriffa zeigte, wie wichtig klare Sprache ist
Welche Rolle eindeutige Kommunikation spielen kann, zeigt die Flugzeugkatastrophe von Teneriffa. Am 27. März 1977 kollidierten am Flughafen Los Rodeos zwei Boeing 747 von KLM und Pan Am. 583 Menschen starben.
Der Unfall hatte mehrere Ursachen. Die Untersuchung stellte unter anderem fest, dass der KLM-Kapitän den Start ohne Starterlaubnis begann. Als beitragenden Faktor nannte sie auch die unklare Verwendung von Sprache im Funkverkehr. Nach dem Unfall wurde nochmals betont, wie wichtig standardisierte, kurze und eindeutige Formulierungen sind.
Luftfahrtenglisch wird regelmässig geprüft
Gute Funkkommunikation besteht deshalb aus mehr als einzelnen Spezialwörtern. Die ICAO bewertet unter anderem Aussprache, Sprachfluss, Wortschatz, Grammatik, Hörverständnis und Interaktion.
Für den internationalen Flugverkehr gilt Level 4 als Mindestniveau. Wer dieses sogenannte Operational Level erreicht, muss seine Sprachkenntnisse später erneut prüfen lassen. Die ICAO empfiehlt dafür bei Level 4 einen Abstand von drei Jahren, bei Level 5 einen Abstand von sechs Jahren. Für das höchste Expert Level 6 verlangt die ICAO keine regelmässige Wiederholungsprüfung. Die zuständigen nationalen Luftfahrtbehörden legen die konkreten Intervalle fest.
Kennst du andere Berufsfelder, die «falsch» Englisch sprechen?

Laura Zygmunt (lmz) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Lifestyle und schreibt über die Welt des Reisens.
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