Zuckerbergs Megayacht und der Hilferuf vor Alaska
Ankerherz
Ein Motorboot ruft auf See um Hilfe und wird gerettet. Doch die Yacht von Meta-Chef Mark Zuckerberg reagierte offenbar nicht, obwohl sie viel näher dran lag.
Einem kleinen, knapp sechseinhalb Meter langen Motorboot ging vor der Küste von Alaska zwischen Petersburg und der Hauptstadt Juneau der Sprit aus. Über Funk rief man um Hilfe. Die Coast Guard kümmerte sich um den Notfall, und wenig später schleppte ein Kreuzfahrtschiff namens „Wilderness Legacy“ den Liegenbleiber in die geschützte Farragut Bay, wo er aufgetankt wurde.
So weit, so alltäglich. So nicht berichtenswert.
Doch dann wurde bekannt, dass sich ein anderes Schiff offenbar viel näher am Havaristen befunden hatte und nicht half: die „Launchpad“, 118 Meter langes und rund 300 Millionen Dollar teures Mega-Spielzeug von Meta-Konzernchef Mark Zuckerberg. Seither diskutiert das Internet emotional über einen Vorfall, der als Bagatelle begann und nun international für Schlagzeilen von „Newsweek“ bis CNN sorgt.
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Hat die Yacht eines der reichsten Menschen der Welt einen Notruf ignoriert? Und damit vielleicht sogar gegen Seerecht verstoßen?
Buhrufe an Bord eines Kreuzfahrtschiffs für Zuckerberg
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An Bord des Kreuzfahrtschiffs – der Nachbau eines viktorianischen Küstendampfers aus dem 19. Jahrhundert und nicht mal halb so lang wie die Megayacht – soll es laut Augenzeugenberichten in sozialen Medien ein Konzert aus Buhrufen für Zuckerberg gegeben haben, als der Kapitän die Lage erklärte.
Der Autor
Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag (www.ankerherz.de). Vorher war er Polizei- reporter für die „Chicago Tribune“, arbeitete als Reporter für Zeitschriftenwie „Max“, „Stern“ und „GQ“ von Uganda bis Grönland. Gerade ist sein neues Buch „North Star“ erschienen.
Um der öffentlichen Welle der Empörung entgegenzuwirken, veröffentlichte der Meta-Konzern eilig eine Erklärung mit der eigenen Sicht der Dinge: Die Crew der „Launchpad“ habe den Hilferuf zunächst nicht gehört; als sie davon erfuhr, sei das Kreuzfahrtschiff bereits auf dem Weg gewesen. Zuckerberg selbst habe sich im Übrigen gar nicht an Bord befunden.
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AIS-Daten, die Bewegungen von Schiffen aufzeichnen, zeigen ein anderes Bild. Demnach verlangsamte die „Launchpad“ zunächst die Fahrt, als der Hilferuf der Küstenwache rausging, und nahm sie wieder auf, als der Fall geklärt schien. Dass auf der Brücke einer Superyacht niemand den Funkspruch der Coast Guard gehört haben will, klingt als Ausrede inhaltlich so überzeugend wie eine Pressekonferenz von Donald Trump.
Kein Verstoß gegen das Seerecht
Der Vorwurf, dass gegen Seerecht verstoßen wurde, ist hingegen nicht haltbar, wie Seerechtsexperten im amerikanischen Fernsehen erklären. Denn eine akute Notlage, ein Mayday, bei dem ein Kapitän gezwungen ist, zu helfen, sofern keine eigene Gefährdung vorliegt, gab es nicht. Warum also regen sich viele Leute so auf?
Weil ein Geschmäckle zurückbleibt. Eine Superyacht, die angeblich keinen Notruf hört, erzählt von der Symbolik dieser Episode: Superreiche, die sich in ihrer eigenen Welt nicht um die Not anderer scheren. „Du hast ein Problem? Schön. Stör mich bloß nicht auf dem Sonnendeck.“