Im Jungen Museum geht es spielerisch um Medienkompetenz

Stand: 30.08.2026, 17:15 Uhr

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Die Ausstellung im Jungen Museum ist zum Teil digital.

Die Ausstellung im Jungen Museum ist zum Teil digital. © Rolf Oeser

Beim Museumsuferfest in Frankfurt bieten die meisten Museen spezielle Programme für Kinder an.

Die Kühlwagen rauschen neben den Getränke- und Essensständen, hier und dort werden Grillplatten angeworfen. Auf den Bänken der Bierzeltgarnituren, die am nördlichen Mainufer unweit des Eisernen Stegs stehen, herrscht am Samstag kurz vor 11 Uhr gähnende Leere. Die Drachenboote, die bereits am Morgen unterwegs waren, dümpeln leer an der Kaimauer auf dem Fluss. Väter und Mütter mit Kinderwagen, manchmal mit breitem Doppelsitzer, schlendern zusammen mit vereinzelten Besucherinnen und Besuchern am Fluss entlang. Es ist Museumsuferfest, die Ruhe vor dem Ansturm.

Eine auffallend lange Menschenschlange gibt es jedoch auch am Vormittag schon, und die ist vor dem Glücksrad am Stand des Geldmuseums der Deutschen Bank. Hier gibt es Gutscheine zu gewinnen: Ein Sparschwein, einen Thermobecher, einen Bildband über das Geldmuseum oder eine Tasse Kaffee mit einem Stück Kuchen können dabei herausspringen, wenn man eben Glück hat. Außerdem könnte man eine Euro-Goldmünze sein Eigen nennen, sofern man errät, wie viele geschredderte Geldscheine in der Pyramide aus Plexiglas stecken. Mit Blick auf die vielen wartenden Menschen sagt eine Mitarbeiterin: „Das ist jedes Jahr so.“

Der Zuspruch beim Mainuferfest war – wie üblich – gewaltig.

Der Zuspruch beim Mainuferfest war – wie üblich – gewaltig. © Rolf Oeser

In Richtung Römerberg ist gutes Durchkommen. Dort im ersten Stock des Jungen Museums hämmert es metallisch. In der Ausstellung „Damals 1410“ haut der neunjährige Ben mit einem Hammer auf einen dicken Kupferdraht ein, den er mit einer Zange auf einem Amboss fixiert. Zusammen mit Schwester Amy (6) und seinen Eltern Björn und Lissy Brederecke ist er aus Limburg hergekommen.

„Es geht hier auch um KI“, sagt die Mutter. „An einer anderen Station wird einem vorgegaukelt, man habe etwas gewonnen, man wird aufgefordert, schnelle Daten einzugeben – und dann gewinnt man doch nichts.“ Der Vater ergänzt, dass man den kleineren Kindern erläutern müsse, was hier gelernt werden solle.

Bei der Reise in ein mittelalterliches Dorf des Jahres 1410 geht es um Medienkompetenz. Dafür bekommen die Besucher:innen eine Spielkarte mit einem persönlichen Code, mit dem sie sich an 25 Stationen einloggen können. Um zu beginnen, müssen sie den „Stadtgesetzen“, sinngemäß den AGB, zustimmen.

„Und hast du die Stadtgesetze am Anfang gelesen?“, fragt Mutter Ivana ihre neunjährige Tochter Emilia an einer anderen Station, an der es um den Zugang zu einer Schatztruhe geht. Das Mädchen schüttelt den Kopf und schaut auf den Boden. Aber zugestimmt habe sie trotzdem, gesteht sie. Und so geht es auf spielerische Weise um alles, was im digitalen Raum auf einen zukommt, etwa Datenschutz, Werbung, Spam, Fake News oder In-App-Käufe.

Ein paar Straßen weiter heizt Andrea Giar den Herd, pardon, die Feuerschale an. Die Bibliothekarin des Archäologischen Museums ist heute keltische Köchin. In bodenlangem Leinenkleid, Kopftuch und mit ledernen Eisenzeitsandalen legt sie Tannenzapfen und Holzspäne in die Schale, die im Garten vor dem Museum steht. Und dann, ganz unkeltisch, zückt sie Streichhölzer. „Normalerweise müsste ich Feuerstein verwenden, aber das dauert zu lange.“

Andrea Giar kocht keltisch am offenen Feuer.

Andrea Giar kocht keltisch am offenen Feuer. © Rolf Oeser

Auf einem Tisch hat sie alle Zutaten in rohem Zustand ausgestellt, die das Eintopfgericht „Ritschert“ in der vegetarischen Variante ausmachen: Hirse, Schalgerste, Zwiebeln, dicke Bohnen, Bohnenkraut, Steinsalz. Mittlerweile knistert das Feuer vor sich hin, es riecht nach Rauch und Harz. Auf Liegestühlen haben es sich die Gäste bequem gemacht und warten, bis der Eintopf erhitzt ist. Denn Giar hat bereits eine fertige Portion mitgebracht, damit sie nicht allzu lange mit dem Probieren warten müssen.

Die meisten Museen haben Veranstaltungen im Programm, die speziell auf Kinder und Familien zugeschnitten sind. So bietet das Romantikmuseum das Quiz „Welcher Märchencharakter bist du?“ an, im Deutschen Filminstitut und Filmmuseum gibt es Kurzfilme für Menschen ab drei Jahren und im Museum für Kommunikation kann beispielsweise der Workshop „Offene Funkstation“ besucht werden.

Bibelmuseum lockt mit Computerklassiker

Das Bibelmuseum in Sachsenhausen indes hat mit einem bekannten Computerspiel einen echten Blockbuster zu bieten. Im schummrigen Licht steht ein langer Tisch direkt neben einem großen Holzschiff, der „Arche“. Zehn Laptops stehen hier, alle Plätze sind mit Kindern und Jugendlichen besetzt. Kaum wird ein Platz auf einer der beiden Holzbänke frei, ist er schnell wieder belegt.

Hier wird „Minecraft“ gespielt. Doch nicht irgendeins, sondern es geht ums Schiffebauen. „Die Spezifikationen haben wir selbst programmiert“, sagt Thomas Götzelmann. Er ist eigens für das hiesige Event mit seinen Kolleg:innen vom „Bibellabor“ aus Berlin angereist. „Minecraft“ sei wie Lego, nur digital, erklärt er das „meistverkaufte Computerspiel der Welt“.

Virtuelle Realität im Bibelmuseum.

Virtuelle Realität im Bibelmuseum. © Rolf Oeser

Laut Sven Lichtenecker, im Bibelmuseum zuständig für Bildung und Vermittlung, ist es das erste Mal, dass das Museum „Minecraft“ einsetzt. Doch digital ist es schon länger unterwegs. Etwa mit den VR-Brillen zum Thema „Reise des Paulus“, einer Ausstellung mit Münzen aus aller Welt vor 2000 Jahren, die bis zum 1. November läuft.

Auch wenn die Schafe, die Noah auf seine Arche führt, ebenso mehreckig sind wie die Köpfe der Menschen – es macht Spaß, die kindgerecht erzählte Geschichte durch die VR-Brille anzuschauen und dabei im selben Boot zu sitzen. Die Kinder jedenfalls sind begeistert.