Im Urlaub am Gardasee: Dietzenbacher Feuerwehrleute bekämpfen Camping-Inferno
Stand: 05.10.2026, 14:00 Uhr
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In Sweatshirts und Gummischlappen kamen vier Feuerwehrleute den Flammen bis auf fünf Meter nah. Ein Verletzter befindet sich in kritischem Zustand.
Dietzenbach – Ein prasselndes Geräusch holt eine Dietzenbacherin am Sonntagmorgen (4. Oktober) gegen 5.50 Uhr aus dem Schlaf. Als sie die Schuhe wegen des vermeintlichen Regens ins Mobilheim auf dem Campingplatz im norditalienischen Peschiera del Garda holen will, stellt sich heraus: Was dort knistert, sind meterhohe Flammen. In nur 30 Metern Entfernung stehen mehrere Mobilheime in Brand. Sie rennt zur Ferienunterkunft des Dietzenbacher Feuerwehrmanns Thomas Makaryk und seiner Familie, der mit weiteren Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr „sofort umschaltet“ und beginnen, das Feuer zu bekämpfen.
Ein Security-Mann hat den auf dem Campingplatz am Gardasee vorhandenen Hydranten mit Strahlrohr bereits aktiviert, die ausgebildeten Feuerwehrleute übernehmen. Zusammen mit Sohn Niklas und ihren Kameraden Johannes Jabs und Lukas Frieß trifft Makaryk erste Maßnahmen: Sie wecken andere Urlauber, tragen Grills und Gasflaschen, die vor jeder Unterkunft stehen, weg und nutzen die auf dem Campingplatz vorhandenen Hydranten samt Strahlrohr. Anstatt feuerfester Schutzkleidung tragen sie Sweatshirts, lockere Hosen, Jabs sogar nur Gummiclogs. Trotzdem kommen sie auf etwa fünf Meter an die Flammen heran. Makaryk beschreibt: „Die Hitze war natürlich zu spüren, auch je nach Windrichtung. Wir haben uns aber nicht in Gefahr gebracht.“

Inzwischen ist zwar die italienische Feuerwehr verständigt, die Flammen züngeln jedoch weiter meterhoch in den Morgenhimmel. „In erster Linie haben wir versucht zu verhindern, dass sich der Brand auf weitere Heime und Hecken ausbreitet“, sagt Makaryk.
Doch es gibt Verletzte unter den Urlaubern: Die Schweizer Familie, in deren Mobilheim – oder in dem des Nachbarn – das Feuer vermutlich ausgebrochen ist, trägt Brandverletzungen davon. Makaryks Tochter Leni, Mitglied im Dietzenbacher DRK‑Ortsverband, kümmerte sich zeitgleich als ausgebildete Sanitäterin um die Schweizer und bringt sie ins zwei Kilometer entfernte Krankenhaus mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung. Thomas Makaryk berichtet: „Die Familie hat alles in den Flammen verloren. Wir haben mit Klamotten ausgeholfen und damit, dass sie ihre Verwandten in der Schweiz erreichen können.“
Viele Anfragen über Instagram an die Helden vom Gardasee

Die Dietzenbacher verhindern mit ihrem Eingreifen die Ausbreitung des Feuers bis zum Eintreffen der italienischen Einsatzkräfte und leisten Erstversorgung für Verletzte. Die Nachricht über den außerstädtischen Feuerwehreinsatz der Dietzenbacher verbreitet sich im Laufe des Sonntags schnell, sowohl in italienischen als auch in deutschen Medien. „Ich hab’ mehr als 30 Anfragen über mein Instagramkonto bekommen“, sagt Makaryk, „das ist fast schon unangenehm.“ Auf Facebook dankt Luca Zaia, Präsident des Regionalrates von Venetien, den Dietzenbachern für ihren Einsatz: „Vielen Dank für den Mut und die Solidarität, die ihr gezeigt habt.“ Als „Helden“ fühlen sich seine Gruppe und er aber nicht. „Wir tun immer, was wir können, das ist unser Ehrenamt. Ob wir dafür zu Hause sind oder nicht.“ Nun genießen die Brandschützer ihren Urlaub am Gardasee noch bis zum Wochenende – mehr als verdient.
Zwanzig Feuerwehrleute mit fünf Fahrzeugen sowie sechs Rettungswagen des regionalen Notfalldienstes SUEM 118 sind an diesem Sonntagmorgen im Einsatz. Nach Stunden intensiver Löscharbeit gelang es den Kräften, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Die Brandursache blieb zunächst ungeklärt. Insgesamt wurden 24 Menschen vor Ort oder im Krankenhaus behandelt. Einer von ihnen – nach Angaben der Tageszeitung Gazzettino mit Verbrennungen an den Beinen – befand sich in kritischem Zustand und wurde als Notfall eingestuft. Sieben weitere Personen, darunter eine Familie aus der Schweiz mit drei Kindern, erlitten mittelschwere Verletzungen, 16 zeigten Symptome einer Rauchgasvergiftung.