Immer mehr junge Menschen von „Polyworking“ betroffen

Stand: 09.10.2026, 23:21 Uhr

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Eine aktuelle Umfrage zeigt eine Besonderheit unter jungen Menschen der Gen Z und Millennials. Der neue Arbeitstrend ist für viele problematisch.

Hamburg – Viele junge Menschen bekommen die Veränderungen am Arbeitsmarkt zu spüren. Es werden immer weniger Einstiegsstellen ausgeschrieben – viele Absolventinnen und Absolventen müssen nach ihrem Abschluss länger nach einer Anstellung suchen. So ist die Zahl der Stellenanzeigen für Berufseinsteiger in Deutschland 2026 im Vergleich zu 2022 um rund zwei Drittel eingebrochen, wie eine aktuelle Auswertung des Jobportals Indeed zeigt. Angesichts dieser unsicheren Aussichten verlassen sich immer mehr junge Menschen nicht mehr nur auf einen Job: Viele Millennials und Gen Z haben mehrere Jobs und betreiben somit „Polyworking“.

Junge Frau auf Arbeit, Millennial

Laut einer Umfrage haben etwa der Hälfte aller Millennials nicht nur einen Job, sondern mehrere. (Symbolbild) © IMAGO/Westend61

Eine aktuelle Umfrage aus den USA zeigt: 80 Prozent der Gen Z gehen neben ihrem Hauptjob noch weiteren Tätigkeiten nach. Bei den Millennials sind es 77 Prozent. Dieser Anteil liegt deutlich über dem Durchschnitt von 61 Prozent. Für die meisten der jungen Menschen ist dies kein netter Zusatz, sondern ein existenzielles Muss: 76 Prozent der Gen Z und 73 Prozent der Millennials geben an, dass sie sonst nicht genug verdienen würden. Für die Umfrage, die von Goldman Sachs in Auftrag gegeben wurde, wurden im Juli 2026 mehr als 5000 Menschen befragt.

Polyworking ist besonders in Deutschland verbreitet

Nicht nur in den USA ist das Phänomen Polyworking unter jungen Menschen bekannt und verbreitet, sondern auch in vielen europäischen Ländern – allen voran Deutschland. Das zeigt eine Umfrage der Plattform Academized.com im März 2025 unter 2500 Menschen im Alter von 26 bis 41 Jahren. In Deutschland sind 54 Prozent der Millennials von Polyworking betroffen, während der europäische Durchschnitt bei 47 Prozent liegt. In Frankreich haben 41 Prozent der Millennials mehr als einen Job, im Vereinigten Königreich gehen 49 Prozent einem „Side Hustle“, zu Deutsch Nebenerwerb, nach.

Millennials üben Polyworking aus verschiedenen Gründen aus. Der Großteil der Befragten, 40 Prozent, gibt finanzielle Sicherheit als Hauptgrund für einen zweiten Job oder mehrere Jobs an. 28 Prozent haben mehrere Jobs, um eine bessere Work-Life-Balance zu erreichen. Bei 22 Prozent der Befragten ist der Nebenjob inzwischen zur Haupterwerbsquelle geworden.

„Schon seit Jahren sprechen wir von einer Flexibilisierung der Arbeitswelt in Bezug auf Arbeitsort, Arbeitszeit, Arbeitsorganisation und Handlungsfreiräume“, sagt Sascha Stowasser vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Polyworking fügt sich konsequent in diesen Wandel ein.“

Junge Menschen wollen nicht von einem Arbeitgeber abhängig sein

Dass immer mehr Menschen mehreren Jobs gleichzeitig nachgehen, habe auch mit der Digitalisierung zu tun: Flexible Arbeitsmodelle wie Homeoffice erleichtern es, mehrere Tätigkeiten parallel auszuüben. Zudem gebe es immer mehr Möglichkeiten zur Plattformarbeit, also Dienstleistungen, die über Onlineplattformen vermittelt oder erbracht werden – zum Beispiel Programmieren und Grafikdesign, aber auch Essenslieferdienste oder Handwerksleistungen. Hinzu komme ein Wertewandel: „Selbstbestimmung und Vielfalt im Berufsleben sind wichtiger denn je. Polyworking passt deshalb ideal in unsere Zeit“, sagt der Arbeitswissenschaftler. Auch der Wunsch, sich nicht mehr von einem einzigen Arbeitgeber abhängig zu machen, spiele eine Rolle.

Finanzielle Absicherung ist allerdings meist der entscheidende Antrieb: „Hinter Polyworking steckt vor allem der Wunsch nach finanzieller Sicherheit, Flexibilität und persönlicher Entwicklung“, sagt Stowasser. Besonders in wirtschaftlich unsicheren Zeiten suchten viele Menschen nach zusätzlichen Einkommensquellen. Vor allem Millennials und die Generation Z strebten verstärkt nach Unabhängigkeit. und Selbstverwirklichung – das belegen auch Studien des ifaa. „Dieser Trend wird sich mit den aktuellen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt vermutlich weiter verstärken. Polyworking wird zunehmen“, sagt der Experte. (Quellen: Goldman Sachs 2026, Academized.com 2025, eigene Recherche)