"Impertinentes Verhalten": AfD-Politiker streitet wegen russischer Armeetasse mit "Bild"-Reporter
Sachsen-Anhalt
"Impertinentes Verhalten": AfD-Politiker streitet wegen russischer Armeetasse mit "Bild"-Reporter
"Hören Sie mit dieser blöden Tasse auf", sagt der AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider auf Fragen von Paul Ronzheimer. Dieser fand Erstaunliches in dessen Wahlkampfbüro
Matthias Balmetzhofer
Eine "Make America Great Again"-Kappe aus Donald Trumps Wahlkampf, ein Buch mit dem Titel Das Buch Hitler, ein Gesprächsband mit dem wegen NS-Parolen verurteilten AfD-Parteikollegen Björn Höcke und eine schwarze Tasse mit rotem Stern und kyrillischer Aufschrift. All das hat der AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider offenbar in seinem Wahlkampfbüro.
Nach einem Besuch des Bild-Journalisten Paul Ronzheimer im Büro Tillschneiders in der ostdeutschen Stadt Querfurt sorgt ausgerechnet die Tasse für Aufregung. Tillschneider, der als möglicher Minister nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gehandelt wird, will die Veröffentlichung der Aufnahmen nun sogar "unterbinden" lassen. Aber von vorn.
Ukraine-Krieg "nicht mein Business"
"Da steht russische Armee drauf", sagt Ronzheimer zu Beginn des Videos beim Blick auf eine Tasse, die auf einem Bücherregal steht. Tillschneider entgegnet: "Ja, die habe ich geschenkt bekommen." Er habe sie vor dem Besuch des Kamerateams auch nicht "wegtun" wollen.
Ronzheimer lässt nicht locker. Es handle sich schließlich um die Tasse einer Armee, die die Ukraine angreift und gegen Deutschland einen hybriden Krieg führe. "Ich verbinde damit nichts Besonderes", sagt der AfD-Politiker. Es sei eben eine Tasse, "die mir geschenkt wurde". Und: "Das ist nicht unser Krieg. Und die Tasse steht hier einfach rum, ich verbinde damit nichts Großes." Der Krieg in der Ukraine sei "nicht mein Business", ergänzt Tillschneider. Er wolle sich weder mit der russischen noch der ukrainischen Armee solidarisieren.
Wirklich verstehen kann der Bild-Reporter die Argumentation nicht. Wieder hakt Ronzheimer nach. Diesmal sagt Tillschneider: "Ich prüfe die Geschenke nicht wirklich. Hier habe ich auch eine Matrjoschka. Das hat halt jemand mal dagelassen." Warum er von der deutschen Bundeswehr nichts habe? "Da hat mir auch niemand ein Geschenk gemacht", lautet die Antwort, um hinzuzufügen: "Würde ich mir aber auch hinstellen. Hätte ich auch kein Problem damit."
"Hören Sie mit dieser blöden Tasse auf"
Die russische Armee sei weder ein "Feind" noch ein "Freund" Deutschlands. Staaten hätten schließlich keine Feinde, sondern "nur Interessen", sagt der AfD-Kandidat. Und: "Jetzt hören Sie mit dieser blöden Tasse auf." Ob Russland hinter dem hybriden Angriff mit einer Sprengstoffdrohne in Leipzig stecke, wisse er nicht. Er sei "kein Spezialist für solche Fragen", sagt Tillschneider.
Das Wahlkampfbüro, das Ronzheimer besucht, hätte eigentlich eine "Volksbibliothek" werden sollen, erklärt Tillschneider. Dass ausgerechnet Das Buch Hitler offen im Schrank liegt, erklärt der AfD-Politiker damit, dass es sich um Bücherspenden handle, die in Kartons angekommen sein. Gelesen habe er es nicht.
Gegen Ende des rund dreiminütigen Videos versucht Tillschneider die Tasse wegzuräumen, um sie letztlich auf eine Vitrine zu stellen. Nach dem Besuch habe der AfD-Politiker versucht, "die Veröffentlichung der Aufnahmen anwaltlich zu verhindern", heißt es seitens Bild. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte Tillschneider zudem: "Die Veröffentlichung sollte aufgrund des impertinenten Verhaltens des Herrn Ronzheimer und seines Teams unterbunden werden." Diesen Vorwurf wies Ronzheimer zurück, freie Medien ließen sich ihre Berichterstattung nicht verhindern. (balm, 30.8.2026)
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