„In die Hölle treiben“: Trumps wirre Drohungen in chaotischer UN-Rede

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Donald Trump lebt in seiner eigenen Welt. Einmal im Jahr aber stellt er sich vor der UN-Generalversammlung den Vertretern des restlichen Planeten und versucht, die gewalttätige, chaotische Realität zu rechtfertigen, die er geschaffen hat.

„Während andere geredet haben, habe ich gehandelt“, sagte Trump zu Beginn seiner Rede. „Während andere vom Frieden gesprochen haben, habe ich Frieden gemacht.“

Eine Weile schien es, als würde der alternde Präsident an der Aufgabe scheitern, diese Kluft zwischen Realität und Fantasie zu überbrücken – er kämpfte sich mühsam durch eine rund 40-minütige Rede. Doch so lustlos sein Auftritt war, so ungehemmt war seine Rhetorik. Er wandte sich direkt an einen einzelnen Delegierten aus Iran, der isoliert von den anderen Mitgliedern saß, und drohte damit, das Land vollständig zu vernichten, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden.

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Vernichtung oder Deal?

„Ich habe eine große Entscheidung zu treffen“, sagte Trump. „Wird ein Deal mit Iran gemacht, der ihnen den Wiederaufbau ermöglicht? Oder vernichte ich die Islamische Republik? Treibe ich sie in die Hölle, ohne jede Überlebenschance und ohne Hoffnung auf künftige Größe oder kommende Generationen?“

Irans Delegierter starrte ihn an.

„Aber ich glaube, wir werden einen Deal machen“, schloss Trump. „Direkt nach der Wahl.“

Die bevorstehenden Midterm-Wahlen beschäftigten Trump sichtlich – sie tauchten mehrfach in seiner Rede auf. „Sie warten darauf zu sehen, wie ich bei den Midterms abschneide“, sagte Trump über Iran. Doch sein Fokus glitt auch ins Innenpolitische ab. „Was sie nicht begreifen“, sagte Trump über Iran, „ist, dass ich nicht kandidiere. Die Republikanische Partei kandidiert, und ich werde ihr helfen, aber ich kandidiere nicht.“

Botschaft an unentschlossene Wähler

Die Botschaft an unentschlossene Wähler war überdeutlich: Lasst euch von diesem desaströsen, alles aufwühlenden Krieg nicht davon abhalten, im November rot zu wählen. „Ich habe der Wahl keinerlei Bedeutung beigemessen und werde ihr keine Bedeutung beimessen, wenn es um Iran geht“, sagte Trump. „Das beschäftigt mich nicht mal ansatzweise.“

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Einerseits sagt er damit wohl eine Art Wahrheit – angesichts seiner aktuellen Umfragewerte fällt es schwer, sich vorzustellen, dass Trump dieselben Entscheidungen getroffen hätte, wenn er noch einmal von vorn anfangen könnte.

Wie die meisten Trump-Reden verlor auch sein Auftritt bei der UN mit der Zeit zunehmend an Kohärenz und zerfiel in mäandernde Angriffe und lose Gedankensprünge zu verschiedenen Tagesthemen. Vieles davon zielte vage auf die Demokratische Partei ab: Er behauptete, „Christen werden auf der ganzen Welt verfolgt“, die Demokraten wollten „die schlimmsten Menschen“ ins Land lassen, und beklagte wiederholt die „Transgender-Verstümmelung unserer Kinder“. Er behauptete, „acht Kriege“ beendet zu haben – einer mehr als in seiner Rede im Vorjahr, als er von sieben sprach. Er versuchte außerdem, Künstliche Intelligenz – KI – umzubenennen: in „Superintelligenz“. „SI – das klingt viel besser“, sagte Trump. Er unternahm einen Versuch, sein brutales Vorgehen in Venezuela und in Lateinamerika zu rechtfertigen, und richtete mehrere Seitenhiebe und Drohungen gegen Drogenkartelle. „Die Kartelle sind das ISIS der westlichen Hemisphäre“, sagte Trump. „Keine guten Menschen!“ Er sprach von „riesigen Munitionsanlagen“, die das ersetzen sollen, was die USA gegen Iran verschossen hätten.

Kuba verlässt den Saal

Trump kehrte immer wieder zu einer Rhetorik zurück, die unmissverständlich klarmachte, wen er als seine Feinde betrachtet. „Meine Administration strebt auch eine grundlegende Veränderung der Lage in Kuba an“, sagte Trump. „Es ist ein absolut gescheiterter Staat. Er scheitert wie nie zuvor, und er wird fallen.“

Die kubanische Delegation verließ daraufhin sofort den Saal. Doch während Delegierte bei der UN einer Rede symbolisch den Rücken kehren können, scheint es niemanden zu geben, der dem US-Präsidenten wirklich entkommen kann. Noch weitere zweieinhalb Jahre, so scheint es, leben wir alle in Donald Trumps Welt.