In Zukunft durch die Nacht: So luxuriös könnte Reisen im Schlaf bald werden

Nachtzüge

In Zukunft durch die Nacht: So luxuriös könnte Reisen im Schlaf bald werden

Europas Nachtzüge sollen nicht nur umweltfreundlich sein, sondern auch so komfortabel, dass die Reise selbst zum Highlight wird

Markus Böhm

Das Comeback des Nachtzugs hat auch mehrere junge Unternehmen auf den Plan gerufen, die bereits an einer neuen Generation von Schlafzügen arbeiten. Auf der Verkehrsmesse Innotrans in Berlin wurden nun Konzepte vorgestellt, die mit den oft beengten Nachtzügen vergangener Jahrzehnte nur noch wenig gemeinsam haben. Im Mittelpunkt stehen mehr Privatsphäre, smartere Raumnutzung und ein Reiseerlebnis mit Boutiquehotel-Flair.

Darstellung eines Stockbettes in einem Zugabteil
Erste Renderings zeigen, wie die Kabinen der Nox-Nachtzüge aussehen sollen.

Besonders ambitioniert präsentiert sich das Berliner Start-up Nox Mobility. Das Unternehmen plant ab 2027 Nachtzugverbindungen mit ausschließlich privaten Abteilen. Statt Mehrbettkabinen sollen Reisende in eigenen Suiten unterwegs sein, die tagsüber als komfortabler Sitzbereich und nachts als Schlafraum dienen. DER STANDARD berichtete. Die ersten Verbindungen sollen unter anderem Hamburg mit München verbinden. Tickets sollen bereits ab 65 Euro erhältlich sein.

Ebenfalls auf Privatsphäre setzt Luna Rail. Das Start-up stellte auf der Messe seine sogenannten Hotel Pods und Seat Pods vor. Die Kabinen erinnern eher an moderne Mikrohotels als an klassische Zugabteile. Große Fenster, großzügige Liegeflächen und flexible Sitz-Schlaf-Konzepte sollen das Reisen über Nacht deutlich angenehmer machen. Besucher der InnoTrans konnten die Prototypen sogar direkt betreten und ausprobieren.

Rendering eines zukunftsweisenden Waggon-Konzepts mit Sitzplätzen und Liegeplätzen.
Alisa: Das Konzept setzt auf leichte Doppelstockwagen, die rund 40 Prozent mehr Fahrgäste aufnehmen sollen.

Noch weiter denkt das Forschungsprojekt Alisa, das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt gemeinsam mit Industriepartnern entwickelt wurde. Das Konzept setzt auf leichte Doppelstockwagen, die rund 40 Prozent mehr Fahrgäste aufnehmen sollen als heutige Nachtzüge, ohne die Infrastruktur stärker zu belasten. Gleichzeitig versprechen die Entwickler mehr Komfort, bessere Barrierefreiheit und eine flexiblere Nutzung. Mehrere Wagenmodule können je nach Nachfrage kombiniert werden, was den Betrieb wirtschaftlicher machen soll.

Stilvollere Alternative

Dass gleich mehrere Unternehmen gleichzeitig neue Nachtzugideen präsentieren, zeigt, wie dynamisch sich das Segment derzeit entwickelt. Klimabewusstsein, steigende Flugpreise und der Wunsch nach entschleunigtem Reisen sorgen für Rückenwind. Während Nachtzüge lange als nostalgisches Nischenprodukt galten, könnten sie schon bald zur stilvollen Alternative auf europäischen Langstrecken werden.

Doch auf der InnoTrans geht es nicht nur um neue Schlafwagen. Das AIT Austrian Institute of Technology aus Wien zeigt, wie Forschung die Mobilität von morgen insgesamt verändern könnte. Die österreichischen Expertinnen und Experten präsentieren Technologien zur Überwachung von Bahninfrastruktur, innovative Leichtbau-Lösungen sowie neue Batterie- und Antriebskonzepte. Ein Modelleisenbahn-Demonstrator veranschaulicht, wie digitale Monitoring-Systeme den Zustand von Brücken, Schienen und anderen Verkehrsbauwerken künftig in Echtzeit erfassen können. Besonders eindrucksvoll: Mithilfe von Virtual Reality lassen sich verschiedene Lärmschutzmaßnahmen entlang von Bahnstrecken realitätsnah erleben. (Markus Böhm, 24.9.2026)

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