Indonesien will bis 2029 hundert Gigawatt Solarenergie aufbauen
Stand: 28.08.2026, 13:40 Uhr
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Bislang ist das Land stark von Kohle abhängig. Jetzt hat Präsident Prabowo Subianto ein Programm zum Bau von Solarkraftwerken gestartet.
Indonesien, einer der größten Kohleproduzenten der Welt, will bei der Energiewende einen gewaltigen Sprung machen. Präsident Prabowo Subianto hat auf der Ferieninsel Bali ein Programm zum Bau von Solarkraftwerken mit insgesamt 100 Gigawatt Leistung gestartet. Bis 2029 soll damit mehr neue Solarleistung entstehen, als das Land heute insgesamt an Kraftwerkskapazität besitzt. Auftakt sind 14 Projekte mit zusammen 5,3 Gigawatt. Zwei davon laufen bereits, sechs befinden sich im Bau, sechs weitere sollen Investoren angeboten werden.
Allein diese erste Projektgruppe soll nach Angaben des Energieministeriums Investitionen von rund 135 Billionen Rupiah erfordern, umgerechnet rund 6,5 Milliarden Euro. Für das gesamte 100-Gigawatt-Programm veranschlagt die Regierung rund 1,14 Billiarden Rupiah, etwa 55 Milliarden Euro. Der Ausbau soll nicht nur Treibhausgasemissionen senken, sondern vor allem die Stromversorgung verbilligen und Indonesien unabhängiger von Energieimporten machen. Die Regierung erwartet Einsparungen bei den Stromerzeugungskosten von jährlich 73,9 Billionen Rupiah, gut 3,4 Milliarden Euro.
Prabowo hat Energieautarkie zu einem Kernprojekt seiner Regierung gemacht, eine Folge der Energiekrise durch Trumps Iran-Krieg. „Wir werden die 100 Gigawatt Solarleistung bauen“, sagte der Präsident beim Start des Programms. Ziel sei es, die Marke binnen drei Jahren zu erreichen. Dabei sollen große Solarparks ebenso entstehen wie dezentrale Anlagen. Nach bisherigen Plänen sind 20 Gigawatt in Großanlagen vorgesehen, weitere 80 Gigawatt sollen über das riesige Inselreich verteilt werden, unter anderem in rund 80.000 Dörfern. Batteriespeicher sollen die schwankende Erzeugung ausgleichen.
Gerade für abgelegene Inseln könnte die Solaroffensive große Vorteile bringen. Dort wird Strom vielfach noch in Dieselgeneratoren erzeugt, der Brennstoff muss mit Schiffen angeliefert werden. Prabowo hatte das jüngst als widersinnig bezeichnet. Indonesien verfüge fast das ganze Jahr über reichlich Sonne, während Inseln trotzdem auf Diesellieferungen warteten. Die Regierung will 13 Gigawatt Diesel-Kraftwerksleistung schrittweise stilllegen und durch erneuerbare Energien ersetzen.
Für den Klimaschutz wäre der Kurswechsel ebenfalls bedeutend. Indonesiens Stromsystem gehört bislang zu den kohlelastigsten weltweit. Das Land ist zugleich einer der größten Kohleexporteure. In Südostasien insgesamt stammte 2025 laut Internationaler Energieagentur IEA noch fast die Hälfte des Stroms aus Kohle. Indonesiens schnell wachsender Strombedarf und die Expansion energieintensiver Branchen wie der Nickelindustrie haben den Kohleverbrauch zuletzt zusätzlich erhöht.
Solarenergie spielte dagegen bisher nur eine Nebenrolle. Anfang 2026 waren erst rund 1,6 Gigawatt installiert. Das neue Ziel bedeutet somit, dass die Solarleistung innerhalb weniger Jahre um ein Vielfaches steigen wird. Zudem geht Prabowos Programm weit über den bislang geltenden Ausbauplan des staatlichen Stromkonzerns PLN hinaus. Dieser sieht bis 2034 insgesamt 69,5 Gigawatt neue Kraftwerksleistung vor, davon 42,6 Gigawatt erneuerbar. Für Solarenergie waren dabei lediglich rund 17 Gigawatt eingeplant.
So gibt es durchaus Zweifel, ob die 100 Gigawatt tatsächlich schon 2029 am Netz sein können. Das indonesische Energiewende-Institut IESR bezeichnet das Vorhaben zwar als eine der progressivsten energiepolitischen Entscheidungen der Regierung. Es weist aber darauf hin, dass der durchschnittliche jährliche Zubau erneuerbarer Kraftwerke im PLN-Netz in den vergangenen fünf Jahren nur etwa 0,7 Gigawatt betrug. Nun müssten jährlich Solaranlagen im zweistelligen Gigawattbereich geplant, finanziert, gebaut und ans Netz angeschlossen werden.
IESR-Chef Fabby Tumiwa fordert deshalb verbindliche Ausschreibungspläne, schnellere Genehmigungen, einen Ausbau der Stromnetze und Speicher sowie verlässliche Regeln für private Investoren. Entscheidend sei nicht, wie viele Projekte feierlich gestartet, sondern wie viele Gigawatt tatsächlich gebaut würden und Strom lieferten. Indonesien hat dabei theoretisch keinen Mangel an geeigneten Flächen und Sonne: IESR schätzt das technische Solarpotenzial des Landes auf mehrere Tausend Gigawatt.
Gelingt Prabowos Solaroffensive auch nur annähernd im angekündigten Umfang, wäre das ein Einschnitt für die Energiewende in Südostasien. Indonesien würde von einem Nachzügler beim Solarstrom innerhalb weniger Jahre zu einem der größten Solarmärkte der Welt.