Influenza und Corona: Experten sagen, welche Erkältungswelle wann kommt

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Deutschland schnieft. Kaum sind die großen Ferien auch im Süden des Landes beendet und alle wieder auf die Arbeit und in die Schulen und Kitas zurückgekehrt, zog die Zahl der Arztbesuche und Krankschreibungen laut RKI zuletzt wieder an. Pünktlich zum Herbstbeginn legt die Erkältungssaison los. Gerade Atemwegserkrankungen sind auf dem Vormarsch. Zu Rhino- und Adenoviren gesellen sich RSV, Grippe (Influenza) und seit der Covid-19-Pandemie zudem Coronaviren. Es zirkulieren somit mehrere Erreger, die für Erkältung, Fieber und schlimmstenfalls Krankenhausaufenthalte sorgen können.

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Welche Krankheitserreger sind gerade besonders gefährlich? Was erwarten Virologen von der anstehenden Erkältungs- und Grippesaison? Wann sollte man sich impfen lassen und wie empfehlenswert sind Kombi-Impfungen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Corona, RSV und Influenza: Welche Atemwegserreger kursieren aktuell?

Schaut man dieser Tage auf alle Atemwegsinfektionen, nicht nur die klassische Influenza-Grippe, „dann sind wir momentan auf einem relativ hohen Niveau, genauso wie letztes Jahr“, sagt Prof. Dr. Ulrike Protzer bei einer Expertenrunde des Science Media Center (SMC). „Das sieht man ja auch in seinem Umfeld.“ Die Direktorin des Instituts für Virologie an der TU München (TUM) sieht darin ein typisches Muster: Kurz nach Beginn des neuen Schuljahres seien die Zahlen enorm angestiegen, die Atemwegsinfektionen breiteten sich nun zum Herbststart aus. Der Vergleich über viele Jahre zeigt Protzer zufolge, dass es mit dem Coronavirus mittlerweile fünf Haupterreger gibt – und damit schlicht einen mehr. „Das erklärt auch, warum es insgesamt mehr Atemwegsinfektionen gibt.“

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Jede Erkältungssaison kann unterschiedlich schwer ausfallen, sie folgt laut Fachleuten aber einem ähnlichen Verlauf: Derzeit vorherrschend seien die sogenannten Erkältungsviren (Nicht-Influenzaviren), sagt Protzer: hauptsächlich Rhinoviren und Parainfluenzaviren. Letztere verursachen insbesondere bei Säuglingen und Kindern Atemwegserkrankungen. Gegen beide Virusgruppen gibt es keinen Impfstoff, weshalb sie sich schnell verbreiten. „Da kann man sich nur schützen, indem man versucht, Kontakt zu vermeiden“, sagt Protzer. Die Virologin erinnert an die bewährten Masken, mit denen vor allem Erkrankte ihr Umfeld wirksam schützen könnten.

Beide Erreger seien keineswegs banal. Sie könnten bei Menschen mit Immunschwäche zu schweren Infektionen führen bis hin zur Intensivstation. „Dann erst kommen typischerweise das SARS-Coronavirus und danach RSV und Influenza hoch“, sagt Protzer. Gegen diese drei Erreger könnten und sollten sich Risikogruppen impfen lassen, unterstreicht die Virologin.

Ulrike Protzer ist Direktorin des Instituts für Virologie an der TU München und am Helmholtz Zentrum München.

Ulrike Protzer ist Direktorin des Instituts für Virologie an der TU München und am Helmholtz Zentrum München.© dpa | Sven Hoppe/dpa

Influenza-Ansteckung: Wie schwer wird die Erkältungs- und Grippe-Saison?

In schweren Grippesaisons infizieren sich Schätzungen zufolge bis zu 20 Prozent der Bevölkerung. Was erwarten Experten für dieses Jahr? Beim recht neuen Coronavirus beginnt die Saison schon früher als bei RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) und Grippe. „Wir sehen, dass die SARS-CoV-2-Welle durchaus schon im Spätsommer relevant beginnt“, sagt Prof. Dr. Berit Lange. Sie ist Leiterin der Abteilung Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko).

Bei RSV und Grippe sei wie in den vergangenen zwei Jahren wieder eine eher typische Verteilung der Wellen zu erwarten, „indem diese doch recht spät, eher Richtung Weihnachten und dann Richtung Januar, Februar, ihren Höhepunkt erreichen“, sagt Lange. „Das würde ich auch für die aktuelle Saison erwarten.“

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Was die Influenza betrifft, geht Lange „erst mal von einer ähnlich verlaufenden Grippewelle aus“. Wie die Saison dann wirklich verlaufe, sei aber vorrangig davon abhängig, wie viele Menschen sich jetzt impfen lassen. „Das wird mitbestimmen, wie schwer eine solche Grippewelle verläuft.“

Für möglichst gute Vorhersagen, so Lange, greife man neben Erfahrungen der letzten Jahre auf Daten aus dem Meldesystem „Sentinel“ des Robert Koch-Instituts (RKI) zurück. Darin melden Arztpraxen, Kliniken oder Labore aktuelle Zahlen zu Infektionskrankheiten. Ein Frühwarnsystem seien zudem Daten aus den Abwassersystemen.

Influenza, Corona und Co.: Wie gut sind wir bei der Impfung aufgestellt?

Gegen Corona, RSV und Influenza gibt es aus Sicht der Fachleute sehr wirksame Impfstoffe. Doch viele, denen sie empfohlen werden, würden sie nur unzureichend nutzen. In Deutschland betrug die Impfquote laut RKI in der vergangenen Grippesaison 2024/2025 bei Menschen ab 60 Jahren lediglich 34,5 Prozent – der niedrigste Stand seit 2008/2009. Bei Menschen mit Grunderkrankungen liege die Impfquote für Influenza ebenfalls nur bei etwa 30 bis 40 Prozent, sagt Prof. Dr. Reinhard Berner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Uniklinikum Dresden und Vorsitzender der Stiko. „Das ist viel zu wenig.“

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Bei Kindern mit Grunderkrankung erreiche man seit Jahren nicht mal die Zehn-Prozent-Marke. „Wir nehmen in Kauf, dass 90 Prozent unserer gefährdeten Kinder und zwei Drittel der Erwachsenen, die ein Risiko für eine schwere Infektion haben, nicht geschützt sind“, bemängelt Berner. Dabei sei ausreichend Impfstoff vorhanden, der auch gegen aktuelle Grippevarianten schützt, sagt Ulrike Protzer. „Wenn man auf die momentane Zusammensetzung der Impfstoffe guckt, dann ist das, was in der Grippesaison auf der Südhalbkugel passiert ist, gut abgedeckt.“

Prof. Dr. Reinhard Berner ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Uniklinikum Dresden und Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko).

Prof. Dr. Reinhard Berner ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Uniklinikum Dresden und Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko).© dpa | Sebastian Kahnert

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Impfen?

Wann genau der beste Zeitpunkt für die Impfung ist, ist laut Berner schwierig zu beantworten. Man solle sich auf jeden Fall vor der Influenzawelle impfen lassen. „Die Frage ist nur, wann sie kommt. Und das wissen wir eben nicht“, so der Stiko-Vorsitzende. Man solle sich nicht vornehmen, den für sich selbst günstigsten Zeitpunkt zu finden, sagt Berner. Ärzte sollten daher jede Gelegenheit nutzen, wenn Patienten ohnehin vor Ort sind, und sagen: „Du gehörst in die Risikogruppe oder in die Altersgruppe und du bist jetzt in meiner Praxis, jetzt machen wir die Impfung.“

Ulrike Protzer sieht das ähnlich. „Wenn man das zeitlich abwägen will, würde ich mit Corona und RSV starten, weil die eigentlich immer etwas früher kommen, und dann die Influenza-Impfung machen.“ Hauptsache, nicht zu spät. „Das Immunsystem braucht etwa zwei Wochen, bis es so den maximalen Schutz hat. Der hält dafür aber dann auch mehrere Monate an.“

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Wer schon in der Praxis oder Apotheke ist, kann sich problemlos auch mehrere der Impfstoffe gleichzeitig oder einen kombinierten Impfstoff verabreichen lassen. „Da spricht nichts dagegen“, sagt Berner. Die vorhandene Kombi-Impfung gegen Covid und Influenza etwa habe zwar noch keine offizielle Stiko-Empfehlung, sie sei aber bereits in der Prüfung.