Insgesamt gelungenes Gesamtpaket: Xpeng G6 RWD Long Range - Lade-Meister mit viel Platz

Insgesamt gelungenes GesamtpaketXpeng G6 RWD Long Range - Lade-Meister mit viel Platz

10.09.2026, 14:21 Uhr

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Der G6 ist bislang mit seinen 4,75 Metern Länge noch das kleinste Modell der Marke Xpeng. (Foto: Xpeng)

Xpeng, ist das nicht die Firma, die irgendwas mit Volkswagen zu tun hat? Ja, stimmt, aber das wirklich Interessante an dieser chinesischen Marke sind nicht seine wirtschaftlichen Verflechtungen, sondern seine Produkte. So wie der G6.

Die chinesischen Autohersteller stehen derzeit nicht nur in Deutschland gleich doppelt im Fokus. Zum einen volkswirtschaftlich, weil die Angst umgeht, die Marken aus Fernost könnten auch aufgrund eventuell unfairer staatlicher Handelspraktiken den europäischen und allen voran den deutschen Herstellern in Sachen Elektromobilität den Rang ablaufen. Zum anderen, weil gerade die in den letzten zwei bis drei Jahren auf den Markt erschienen Fahrzeuge aus Fernost nicht nur mit vergleichsweise günstigen Preisen, sondern durchaus auch mit einigen Qualitäten aufwarten.

Unter diesen Herstellern nimmt Xpeng noch mal eine Sonderrolle ein. Die Marke gehört nicht zu einem staatlichen Unternehmen, sondern ist eine Aktiengesellschaft, über die Gründer He Xiaopeng trotz eines Anteils von wahrscheinlich nur noch 20 Prozent immer noch die Kontrolle hat. Gegründet wurde das Unternehmen 2014, vorher leitete Xiapeng ein Software-Unternehmen.

Volkswagen mit 4,99 Prozent beteiligt

Die spezielle Expertise auf diesem Gebiet war auch der Hauptgrund für Volkswagen, sich 2023 für 700 Millionen Dollar mit 4,99 Prozent am Unternehmen zu beteiligen und sich damit Zugang zu digitalem Spitzen-Know-how zu verschaffen. Wahrscheinlich eine der klügeren Entscheidungen in der jüngeren, von Fehlschlägen geprägten Unternehmenspolitik.

Mit seinen schmalen Frontscheinwerfern und der stark nach hinten abfallenden Dachlinie wirkt das Design des Xpeng G6 RWD Long Range durchaus dynamisch. (Foto: Xpeng)

Xpeng setzt grundsätzlich auf hohe Verarbeitungsqualität und komplette Ausstattungen. Eine Optionsliste im engeren Sinn gibt es nicht. Das von uns getestete elektrische Mittelklasse-Modell G6 ist bislang mit seinen 4,75 Metern Länge noch das "kleinste" Modell der Marke, ab Herbst übernimmt dann der mit 4,65 Meter etwas kürzere und deutliche preiswertere L03 die Rolle des günstigsten Modells der Xpeng-Palette.

Optisch kann man dem G6 wenig vorwerfen. Mit seinen schmalen Frontscheinwerfern und der stark nach hinten abfallenden Dachlinie wirkt das Design durchaus dynamisch. Allerdings ist das Angebot in der Mittelklasse breit gefächert und es ist daher für keine Marke einfach, sich in dieser Hinsicht deutlich vom Wettbewerb abzuheben.

Das Cockpit des Xpeng wirkt aufgeräumt, aber etwas steril. (Foto: Xpeng)

Dies gilt ebenso für den hochwertigen, aber ein wenig steril wirkenden Innenraum mit wenigen Schaltern und Tasten, der stark an Tesla oder andere chinesische Autos erinnert. Viele Einstellungen und Funktionen sind auch hier nur über das gut ablesbare Mitteldisplay abrufbar. Das klappt in der Regel gut, wird vom europäischen Fahrer wahrscheinlich aber trotzdem als zu umständlich bewertet.

Raumangebot geradezu verschwenderisch

Ein Auto von, wie schon erwähnt, 4,75 Meter Länge - das entspricht zum Beispiel der noch aktuellen C-Klasse von Mercedes - bietet in der Regel schon viel Platz für zumindest vier Passagiere. Bei einem Elektroauto dieser Größe ist das Raumangebot aufgrund des geringeren Platzbedarfs für den Antrieb aber geradezu verschwenderisch. So auch beim G6, der vor allem im Fond trotz der Coupé-Linie in dieser Hinsicht keine Wünsche offenlässt.

Hinten sitzt es sich luftig. (Foto: Xpeng)

Die zweite große Stärke des Xpeng liegt in seinen Ladefähigkeiten. Von einem Fahrzeug mit 800-Volt-Architektur darf man in Sachen "Tankleistung" natürlich einiges erwarten, der G6 hat uns aber geradezu verblüfft. Seine maximalen Fähigkeiten, er lädt mit bis zu 451 kW, konnte er mangels geeigneter Säulen zwar nicht unter Beweis stellen, aber an einer 320-kW-Säule schafft er bei einer Nachladung von rund 25 auf 80 Prozent einen Durchschnittswert von über 300 kW! Nicht selten war der Akku schon wieder auf 80 Prozent, wenn wir an einer Raststätte nur mal eben einen Kaffee getrunken und eine Zeitung geholt hatten. Hier hält Xpeng in der Realität, was andere Marken nur vollmundig versprechen.

Kleine Schwächen bei Bedienung und Fahrwerk

Neben einigen kleineren Bedienungsschwächen bleibt vor allem das Fahrwerk ein wenig hinter den Erwartungen zurück, weil es weder wirklich komfortabel ausgelegt ist noch durch besondere dynamische Fähigkeiten auffällt. Ein Manko, das allerdings in der Praxis wohl nur wenige Fahrer stören wird, denn E-Autos werden aufgrund der stark ansteigenden Verbräuche bei hohen Geschwindigkeiten meist sowieso nur im moderaten Bereich bewegt. Obwohl der G6 laut Datenblatt ja immerhin eine Maximalgeschwindigkeit von 202 km/h zulässt, was im Vergleich zu manchen Wettbewerbern ziemlich viel ist.

Im Alltag kommt man mit dem Xpeng gut 400 Kilometer weit. (Foto: Xpeng)

Nutzt man diese Möglichkeit nicht aus, lässt sich der Xpeng einigermaßen sparsam bewegen. Natürlich nicht mit dem angegebenen Normwert von 17,5 kWh auf 100 Kilometern, aber mit realen 20,8 kWh waren wir nicht unzufrieden. Im Alltag ergibt das eine Reichweite von etwa 400 Kilometern, was ebenfalls okay ist, zumal - siehe oben - das Nachladen des Akkus sehr fix geht.

Das Ausschalten der auch beim G6 nervig bimmelnden Assistenzsysteme geht übrigens zumindest für den Tempolimit- und Müdigkeitswarner recht einfach: Das Auto fragt gleich nach der ersten Warnung, ob es das jeweils aktive System abschalten soll. Ja, bitte.

Der Gepäckraum fällt großzügig aus. (Foto: Xpeng)

Kein Schnäppchen, aber fairer Preis

Kommen wir zu den Kosten: Mit 47.600 Euro ist das Mittelklasse-SUV kein Schnäppchen, aber aufgrund seiner rundum kompletten Ausstattung und der 800-Volt-Technologie sehr fair eingepreist. Nicht zu vergessen die umfangreichen Garantien von sieben Jahren auf das Fahrzeug sowie acht Jahren auf den Akku, beide allerdings auf maximal 160.000 Kilometer begrenzt.

Der G6 bietet seinen Fahrern damit ein insgesamt gelungenes Gesamtpaket und greift mehr noch als andere China-Marken aufgrund seiner Verarbeitung, der Ausstattung und der Ladeleistung nicht nur andere Importmarken, sondern auch deutsche Hersteller an. Die müssen sich offensichtlich nicht nur wegen der jetzt einsetzenden kühleren Temperaturen künftig wohl noch wärmer anziehen.

Xpeng G6 RWD Long Range - technische Daten

  • Fünftüriges, fünfsitziges SUV der Mittelklasse

  • Länge: 4,75 m, Breite: 1,92 m (mit Außenspiegeln: 2,18 m), Höhe: 1,65 m, Radstand: 2,89 m, Kofferraumvolumen: 571 - 1.374 l

  • E-Motor (Heck), 218 kW/296 PS (Dauerleistung: 110 kW/150 PS), Heckantrieb, 1-Gang-Getriebe, maximales Drehmoment: 440 Nm, 0-100 km/h: 6,7 s, Vmax: 202 km/h, Normverbrauch (WLTP): 17,5 kWh/100 km, Reichweite: 525 km, Akku: 80,8 kWh brutto (LFP), Ladeleistung (800-Volt): 280 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer: DC (10-80 Prozent): 12 Minuten, AC ( 5-100 Prozent): 9:20 Std., Testverbrauch: 20,8 kWh/100 km

  • Preis: 47.600 Euro

Kurzcharakteristik

  • Warum: sehr schnelles Laden, gute Praxisreichweite, hohe Verarbeitungsqualität, viel Platz, komplette Ausstattung, lange Garantie, angemessener Preis 

  • Warum nicht: schlechte Übersicht nach hinten, Fahrwerk nicht komfortabel, unpräzise Lenkung, teils umständliche Bedienung 

  • Was sonst: Audi Q6 e-tron, Skoda Enyaq Coupé, Opel Grandland Electric 

Quelle: ntv.de, Peter Eck, sp-x