Insolvenzen auf Rekordniveau: IWH-Frühindikatoren erreichen Höchstwert – auch in Folgemonaten drohen Pleiten
Insolvenzen in Deutschland: IWH warnt – Zahl liegt 75 Prozent über Vor-Corona-Niveau
Stand: 07.08.2026, 13:45 Uhr
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Firmeninsolvenzen in Deutschland auf Rekordniveau: Im Juli 1689 Pleiten – 75 % mehr als vor Corona. IWH warnt: Die Krise ist noch nicht vorbei.
Berlin – Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland bleibt zur Jahresmitte auf einem besorgniserregend hohen Niveau. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) wurden im Juli insgesamt 1689 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften verzeichnet. Gegenüber dem Juni entspricht das einem leichten Rückgang von einem Prozent.

Der Vergleich mit dem Vorjahr zeigt ein anderes Bild: Im Juli 2025 lag die Zahl noch sieben Prozent niedriger. Besonders deutlich wird das Ausmaß der Krise im historischen Vergleich: Gemessen an einem durchschnittlichen Juli der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019 liegt die aktuelle Insolvenzzahl um 75 Prozent höher. Das IWH spricht von einem „außergewöhnlich hohen Niveau“.
Insolvenzen in Deutschland: IWH warnt vor angespannter Lage
Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung, macht dafür die anhaltend schwierige wirtschaftliche Lage verantwortlich. „Die lange Krise hat offenbar die Reserven vieler kleinerer Unternehmen aufgebraucht“, sagt Müller. „Die Marktbereinigung hält unvermindert an. Auch in den Folgemonaten ist deshalb mit sehr vielen Insolvenzen zu rechnen.“
Die vom IWH erhobenen Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen in der Regel zwei bis drei Monate vorauslaufen, stützen diese Einschätzung: Im Juli erreichten sie einen neuen Höchstwert und lagen nochmals leicht über dem bisherigen Rekordwert aus dem Juli 2025. Die hohe Zahl von 23 Werktagen im Juli dürfte nach IWH-Angaben zum Rekordwert beigetragen haben.
Branchenspezifisch zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Im Bereich unternehmensnahe Dienstleistungen sowie bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern wurde im Juli die höchste jemals im IWH-Insolvenztrend erfasste Zahl an Pleiten registriert. Das Gastgewerbe hingegen verzeichnete eine ungewöhnlich niedrige Insolvenzquote.
Insolvenzen: Mittelstand fordert Entlastungen bei Kosten für Arbeit und Energie
Für den Arbeitsmarkt sind die Folgen erheblich. Laut IWH-Insolvenztrend waren im Juli in den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen mehr als 13.000 Arbeitsplätze betroffen. Das sind zwar sechs Prozent weniger als im Juni, doch im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt die Zahl 26 Prozent höher – und 47 Prozent über dem Juli-Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019. Besonders die Industrie steht unter Druck: Dort waren knapp 6000 Jobs betroffen, etwas mehr als im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate.
Aus der Wirtschaft kommen unterdessen klare Forderungen nach politischen Gegenmaßnahmen. Marc Evers, Mittelstandsexperte der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), hatte zuletzt laut Welt verlangt, dass Unternehmen spürbare Entlastungen bei den Kosten für Arbeit und Energie erhalten müssten. Zudem forderte er mehr Bürokratieabbau sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren. Das IWH wertet für seinen monatlichen Insolvenztrend die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen der betroffenen Unternehmen. Die gemeldeten Insolvenzen von Kapital- und Personengesellschaften umfassen in der Regel mehr als 90 Prozent der von Unternehmensinsolvenz betroffenen Arbeitsplätze und 95 Prozent der Forderungen. (Quellen: Welt, Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle) (fbu)