International Testing Agency entschuldigt sich bei Cavallar | radsport-news.com
Nach umstrittenem Dopingtest
Von Kevin Kempf

Valentina Cavallar (SD Worx - Protime) | Foto: Cor Vos
15.10.2026 | (rsn) – Die Dopingkontrolle bei Valentina Cavallar (SD Worx) im Zimmer neben ihrer gerade verstorbenen Mutter hatte für viel Entrüstung gesorgt und auch bei der zuständigen International Testing Agency (ITA) scheint man zur Besinnung gekommen zu sein. Man habe sich inzwischen bei der österreichischen Giro-Neunten entschuldigt.
Am Mittwoch erhielt das Radsportportal Domestique Cycling eine Stellungnahme der Agentur. “Die ITA spricht Valentina Cavallar und ihrer Familie nach dem Tod ihrer Mutter ihr aufrichtiges Beileid aus. Wir erkennen voll und ganz an, dass eine Dopingkontrolle unter diesen Umständen die Belastung, die sie in dieser überaus schmerzhaften Zeit ohnehin schon durchlebt, noch weiter verstärkt hat. Wir haben bereits direkten Kontakt zur Radsportlerin aufgenommen, um uns bei ihr zu entschuldigen“, hieß es darin.
Man habe erst vom Tod der Mutter erfahren, als der Kontrolleur das Haus erreicht hatte. Cavallar und ihre Familie hätten demnach vollumfänglich bei dem Verfahren kooperiert; weder zu jenem Zeitpunkt noch im Nachhinein seien Bedenken geäußert oder ein Antrag auf Verschiebung beziehungsweise Abbruch der Kontrolle gestellt worden.
Nach Angaben der Agentur habe der Dopingkontrolleur die Kontrolle so diskret, respektvoll und zügig wie möglich durchgeführt. “Die ITA setzt sich weiterhin dafür ein, dass der Schutz eines sauberen Sports mit Respekt, Mitgefühl und Fürsorge für die Athletinnen und Athleten einhergeht“, wurde erklärt. “Wir werden die Athletinnen und Athleten zudem weiterhin dazu ermutigen, Bedenken – sei es während oder nach einer Dopingkontrolle – zu äußern, damit die ITA die notwendigen Schritte einleiten kann. Ziel ist es, ein angemessenes Gleichgewicht zwischen dem Kampf gegen Doping und dem Recht jedes Athleten bzw. jeder Athletin auf Privatsphäre und Wohlergehen zu wahren“, endete die Erklärung.
Entfernte Ähnlichkeiten zum “Fall Ansah“
Dass das aber nicht so einfach ist, zeigt der Kasus des deutschen Leichtathleten Owen Ansah, der entfernte Ähnlichkeiten mit jenem Cavallars aufweist. Beide Fälle zeigen die schwierige Abwägung zwischen Dopingkontrollen und außergewöhnlichen persönlichen Umständen.
Dem Sprinter wird vorgeworfen im Juli eine Dopingkontrolle verweigert zu haben. Er gab an damals unter massivem Zeitdruck gestanden zu haben, da er direkt zum Flughafen abreisen musste, um am Diamond-League-Meeting in Monaco teilzunehmen. Da er kurz zuvor auf der Toilette gewesen sei, habe er keine sofortige Urinprobe abgeben können. Der Vorschlag, den Kontrolleur zum Flughafen mitzunehmen, sei abgelehnt worden. Ob Ansah über die möglichen Folgen der Verweigerung – ihm droht eine vierjährige Sperre sowie die Aberkennung seines im August errungenen EM-Titels – aufgeklärt wurde, muss das Sportgericht klären.