Interview der Woche - CDU-Generalsekretärin Hoppermann verteidigt Merz gegen Kritik: "Auf dem richtigen Weg"

Trotz anhaltender Kritik sind Bundeskanzler Merz und die Bundesregierung nach Einschätzung von CDU-Generalsekretärin Hoppermann auf dem richtigen Weg. Merz stehe für das Bild der Zukunft, wohin sich Deutschland bewegen solle, sagte Hoppermann im Interview der Woche des Deutschlandfunks. Zuvor hatten mehrere prominente Parteivertreter den Kurs und die Kommunikation von Merz öffentlich kritisiert.

12.09.2026

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann im Porträt. Sie trägt ein dunkles Jackett, die Haare hochgesteckt und große Ohrringe.

Die CDU-Politikerin Franziska Hoppermann wurde Ende Juli zur Generalsekretärin ihrer Partei berufen. (picture alliance / dpa / Soeren Stache)

Hoppermann führte aus, natürlich sehe sie, dass die sinkenden Umfragewerte für die Christdemokraten Fragezeichen hinterließen. Doch davon dürfe man sich nicht beirren lassen. Hoppermann verwies als Beispiel auf die Rentenreform: Das Ziel dahinter sei, dass die Menschen mehr Rente erhielten als vorher und perspektivisch sinkende Beiträge zahlen müssten. Damit es besser werde, sei es aber notwendig, jetzt gemeinsame Anstrengungen anzugehen.

Angesichts der schwachen Umfragewerte der CDU vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern rief Hoppermann dazu auf, mit Stimmen für ihre Partei eine Mehrheit der AfD zu verhindern. Dafür brauche es eine Union, die so stark wie möglich sei. In Mecklenburg-Vorpommern wird nächstes Wochenende gewählt. In jüngsten Umfragen kam die dortige CDU nur noch auf sieben Prozent. CDU-Politiker aus dem Bundesland zeigten sich zuletzt besorgt, dass die Partei erstmals in ihrer Geschichte am Einzug in ein Landesparlament scheitern könnte.

CDA-Chef Radtke: "Wenn der Bundeskanzler regelmäßig das halbe Land mit bestimmten Aussagen gegen sich aufbringt, ist das kontraproduktiv"

Nach dem AfD-Erfolg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt war in der CDU die Kritik am Parteivorsitzenden und Bundeskanzler Merz lauter geworden. Der Chef des Arbeitnehmerflügels, Radtke, rechnete in einem Schreiben an die CDA-Mitglieder mit Merz ab. Man habe "in den vergangenen Monaten erlebt, dass die Vorstellung von 'CDU pur' nicht funktioniert", schrieb Radtke in dem Brief, der der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Daher brauche es jetzt einen Kurswechsel - bei Inhalten, der politischen Erzählung und der Kommunikation.

In einem Interview mit dem "Focus" wurde Radtke noch deutlicher. Er sagte dem Magazin, wenn der Kanzler regelmäßig das halbe Land mit bestimmten Äußerungen gegen sich aufbringe, sei das kontraproduktiv. Wenn die Union immer wieder Diskussionen lostrete, ob die Leute faul seien und alle nur das System ausnutzten, dann habe sie "schlicht nicht verstanden", worum es gehe, so Radtke. Er sei dafür, den Fokus voll auf Wachstum zu legen. Dabei gehe es aber nicht primär um Debatten über Krankheitstage oder Arbeitszeiten. Gebraucht würden Planungssicherheit für die Unternehmen, weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungsverfahren und niedrigere Energiepreise, forderte Radtke.

Stellvertretender Unionsfraktionschef Müller: "Weniger versprechen und lieber mehr umsetzen"

In einem Interview mit Welt TV erhöhte der stellvertretende Unionsfraktionschef Müller den Druck auf Merz: Der Kanzler müsse nun bei den Reformen liefern. Man müsse insgesamt als Union, und das gelte auch für das Spitzenpersonal, "weniger versprechen und lieber mehr umsetzen", erklärte Müller. Er ist Mitglied des von Radtke geleiteten Sozialflügels CDA. Am Tag nach der Wahl in Sachsen-Anhalt war Müller öffentlich von Kanzler Merz gerügt worden, weil er noch vor der Abstimmung erklärt hatte, der Regierungsauftrag liege bei der AfD.

CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern erteilt Wahl-Auftritten von Merz eine Absage

Auch vom Landesverband in Mecklenburg-Vorpommern kam Kritik am Kanzler. Der CDU-Spitzenkandidat für die anstehende Landtagswahl, Peters, sagte dem Sender Welt TV: "Die Bundespolitik steht tatsächlich absolut in der Kritik hier in Mecklenburg-Vorpommern". Dies werde er nach Berlin kommunizieren. Peters erklärte, es werde in dem Bundesland keine Auftritte von Merz vor der Wahl mehr geben. Die sächsischen CDU-Kreisverbände äußerten ebenfalls Kritik am Kanzler und forderten eine "schonungslose Analyse" der aktuellen Lage.

Das gesamte Interview der Woche mit Franziska Hoppermann können Sie morgen ab 11:05 Uhr im Deutschlandfunkprogramm hören - oder

hier schon vorab .

Aus dem Deutschlandfunk-Programm:

Diese Nachricht wurde am 12.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.