Investorensuche gescheitert: Traditionsbrauerei schließt wegen Insolvenz nach fast 400 Jahren

Stand: 29.09.2026, 08:02 Uhr

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Seit 1627 wird in Braunschweig unter dem traditionellen Namen Bier gebraut. Nun ist die letzte Hoffnung auf eine Rettung des Produktionsstandorts geplatzt.

Braunschweig – Das Hofbrauhaus Wolters in Braunschweig hat keine Zukunft mehr. Die Suche nach einem Investor für den insolventen Produktionsstandort ist gescheitert. Zum 31. Dezember soll die Herstellung eingestellt werden. Damit endet in Braunschweig eine Brautradition, deren Ursprünge bis ins Jahr 1627 zurückreichen.

Nach der Insolvenz des Hofbrauhaus Wolters in Braunschweig ist die Suche nach einem Investor gescheitert. Der traditionsreiche Produktionsstandort soll zum 31. Dezember geschlossen werden.

Nach der Insolvenz des Hofbrauhaus Wolters in Braunschweig ist die Suche nach einem Investor gescheitert. Der traditionsreiche Produktionsstandort soll zum 31. Dezember geschlossen werden. © IMAGO/Michael Bihlmayer

Die Beschäftigten erfuhren auf einer Betriebsversammlung von der Entscheidung. „Der Restrukturierungsprozess hat nicht die Wendung genommen, die wir uns für alle Beteiligten gewünscht haben“, erklärte Fachanwalt Kimon Phillip Kantis von der Kanzlei Eckert, die das Verfahren begleitet. Für den Produktionsstandort in Braunschweig habe „schlussendlich keine zukunftsfähige Lösung“ gefunden werden können. Deshalb müsse er zum Jahresende geschlossen werden.

Insolvenz: Investorensuche für Wolters bleibt ohne Erfolg

Noch im Juni hatte Wolters Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Ziel war damals ausdrücklich die Sanierung der Brauerei. Der Geschäftsbetrieb lief zunächst weiter, während nach einer tragfähigen Lösung und möglichen Investoren gesucht wurde. Zum 1. September wurde das Insolvenzverfahren eröffnet und die Eigenverwaltung fortgesetzt.

Nach Angaben der Berater gab es durchaus Gespräche mit Interessenten. Eine Lösung, mit der die Produktion in Braunschweig dauerhaft erhalten werden könnte, kam jedoch nicht zustande. Damit ist die zentrale Hoffnung des Sanierungsverfahrens wenige Monate nach dem Insolvenzantrag gescheitert.

Offen bleibt allerdings die Zukunft der Marke Wolters. Nach Angaben von Kantis laufen weiterhin Gespräche mit verschiedenen Interessenten darüber, zumindest den Namen und das Markengeschäft zu erhalten. Damit könnte Wolters-Bier auch nach dem Ende der Produktion in Braunschweig weiterexistieren – möglicherweise hergestellt an einem anderen Standort.

Brautradition in Braunschweig reicht bis 1627 zurück

Für Braunschweig endet mit der Schließung eine fast 400-jährige Brauereigeschichte. Wolters führt den Beginn seiner Brautradition auf das Jahr 1627 zurück. 1882 erhielt die Brauerei das Prädikat „Herzogliches Hofbrauhaus“, später entwickelte sie sich zu einem wichtigen regionalen Arbeitgeber und einer eng mit der Stadt verbundenen Marke.

Die Brauerei überstand dabei mehrere schwere Krisen. Im Zweiten Weltkrieg wurde ein erheblicher Teil des Betriebs zerstört, anschließend wieder aufgebaut. Auch eine bereits 2005 angekündigte Schließung konnte später noch verhindert werden. Dieses Mal gelang die Rettung nicht.

Wolters kämpfte schon vor Insolvenz mit Absatzproblemen

Bereits vor dem Insolvenzantrag hatte sich die wirtschaftliche Lage deutlich zugespitzt. Wolters begründete seine Probleme mit einer anhaltenden Absatzschwäche sowie stark gestiegenen Energie-, Produktions- und Logistikkosten. Im Mai kündigte das Unternehmen zudem an, sein Exportgeschäft weitgehend zurückzufahren und bis zu 30 Stellen abzubauen.

Mit einer stärkeren Konzentration auf den regionalen Markt und neuen alkoholfreien Produkten wollte sich die Brauerei neu aufstellen. Noch im Frühjahr brachte Wolters zusätzliche alkoholfreie Getränke auf den Markt. Für eine nachhaltige wirtschaftliche Stabilisierung reichte das letztlich nicht aus.

Eigentümerin Volksbank Brawo stellte weitere Finanzierung nicht bereit

Zusätzlichen Druck erzeugte die Situation bei der Eigentümerin Volksbank Brawo. Die Genossenschaftsbank hatte Wolters in den vergangenen Jahren finanziell unterstützt, entschied sich jedoch gegen eine weitere notwendige Kreditlinie. Nach ihrer Darstellung hätte zusätzliches Geld die strukturellen Probleme der Brauerei nicht gelöst.

Inzwischen befindet sich die Volksbank selbst in einer tiefgreifenden Restrukturierung. Nach umfangreichen Wertberichtigungen auf Kredite, Immobilien und Beteiligungen bezifferte sie ihren vorläufigen Verlust für 2025 zuletzt auf mehr als 600 Millionen Euro. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken unterstützt das Institut mit umfangreichen Stützungsmaßnahmen.

Die Brawo will sich künftig wieder stärker auf ihr klassisches Bankgeschäft konzentrieren und ihre zahlreichen Beteiligungen zurückfahren. Für Wolters bedeutete das, dass die bisherige finanzielle Unterstützung nicht im bisherigen Umfang fortgesetzt wurde.

Deutscher Bierabsatz fällt auf historisches Tief

Wolters trifft die eigene Krise zudem in einer schwierigen Phase für die gesamte deutsche Brauwirtschaft. 2025 sank der Bierabsatz nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um sechs Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter. Das war der stärkste Rückgang seit Beginn der Statistik im Jahr 1993. Erstmals wurden weniger als acht Milliarden Liter abgesetzt.

Der Rückgang ist kein kurzfristiges Phänomen. Im Vergleich zu 2015 ist der Bierabsatz inzwischen um fast 19 Prozent gesunken. Parallel dazu nimmt auch die Zahl der Brauereien wieder ab: 2025 gab es bundesweit noch 1.415 Brauereien, 137 weniger als beim Höchststand im Jahr 2019.

Für kleinere und mittelgroße Hersteller ist das Umfeld besonders schwierig. Sinkender Konsum trifft auf gestiegene Energie-, Personal- und Produktionskosten. Gleichzeitig können regionale Brauereien Kostensteigerungen häufig schlechter über große Produktionsmengen verteilen als internationale Konzerne. (Quellen: Braunschweiger Zeitung, Hofbrauhaus Wolters) (mare)