Glyphosat-Einsatz: Israel vernichtet Ernten in Syrien und Libanon gezielt

Publiziert6. August 2026, 07:48

Syrien und LibanonIsrael vernichtet mit Glyphosat Ernten in Nachbarländern

Mit dem systematischen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in extrem hoher Konzentration destabilisiert Tel Aviv die Nahrungsmittelversorgung in den Grenzgebieten. Betroffene Bauern berichten.

Benedikt Hollenstein

Darum gehts

  • Israel versprüht über dem Südlibanon und Teilen Syriens das Pestizid Glyphosat, um Ernten in Grenzgebieten zu vernichten.
  • Laut dem libanesischen Landwirtschaftsministerium setzt Israel das Herbizid in 30- bis 50-facher Konzentration ein.
  • Bauern wie der 81-jährige Hayel Alabdallah stehen vor dem Ruin.

Die israelische Armee setzt in ihren Kriegen im Nahen Osten auch darauf, einige Landstriche für Menschen langfristig unbewohnbar zu machen. Wie diverse Medien bereits Anfang des Jahres 2026 berichteten, versprühten Kleinflugzeuge dafür über Monate das Pestizid Glyphosat über dem Süden Libanons und Teilen Syriens. Nun ist die Lebensgrundlage der Bauern in den betroffenen Gebieten akut bedroht, wie eine Reportage der «Süddeutschen Zeitung» vor Ort zeigt.

«Geht darum, uns zu vertreiben»

«Ich wusste sofort, dass es gefährlich wird, das Vieh ist sofort weggelaufen», sagt Hayel Alabdallah. Der 81-Jährige lebt mit seiner Familie im Süden Syriens und baut seit Jahrzehnten auf total 30 Hektaren Getreide an. Er hat im Dorf Samdaniah auch die Rolle des Bürgermeisters inne, wie zuvor schon sein Vater und Grossvater. Gegenüber der Zeitung berichtet er, dass seit den Glyphosat-Flügen so gut wie nichts mehr wächst. Neben Alabdallah stehen auch viele andere Bauernfamilien vor dem Ruin. «Es gibt den Plan, uns auch von hier zu vertreiben, das glaube ich. Sie machen uns das Leben schwer, bis wir gehen», ist er sich sicher.

Drastische Langzeitfolgen

Für die Menschen und Tiere in den Gebieten, über denen Israel zuletzt Glyphosat in massiv überhöhter Konzentration versprüht hat, dürften die Ernteausfälle nur der Anfang sein: Wer mit dem Pestizid belastete Pflanzen isst, geht das Risiko einer womöglich tödlichen Vergiftung ein. Schon wer mit Glyphosat besprühte Felder betritt, bevor sich das Pestizid in Pflanzen und Boden festgesetzt hat, riskiert Beschwerden wie Erbrechen und Durchfall.

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Noch schwieriger einzuschätzen sind die Langzeitfolgen des massiven Glyphosat-Einsatzes: Während das Pestizid laut den meisten Zulassungsbehörden bei sachgemässer Anwendung nicht krebserregend ist, geht die Internationale Agentur für Krebsforschung davon aus, dass Glyphosat «wahrscheinlich krebserregend» ist. Verlässliche Daten zu solch hohen Konzentrationen fehlen fast vollständig. Mit dem Glyphosat-Einsatz nimmt Israel also mit hoher Wahrscheinlichkeit auch möglicherweise fatale Langzeitschäden innerhalb der syrischen und libanesischen Bevölkerung in Kauf, ähnlich wie es die Vereinigten Staaten im Vietnamkrieg mit dem Einsatz des als «Agent Orange» bekannten Pestizids taten.

Tatsächlich dürfte hinter den israelischen Pestizidflügen der Plan stehen, auf lange Sicht eine Pufferzone in den Gebieten zu schaffen, aus denen in der Vergangenheit immer wieder Angriffe auf Israel erfolgten – im Südlibanon etwa durch die dort ansässige Hisbollah.

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Die «Verbrannte Erde»-Taktik ist in Kriegen seit Jahrhunderten eine beliebte Strategie, um dem Gegner die Lebensgrundlage zu entziehen und ihn so zu schwächen. Dass die Ernteausfälle und die gesundheitlichen Folgen für Mensch und Tier aber nicht nur die Kämpfer der Terrormiliz, sondern die ganze Bevölkerung treffen, scheint Israel bereitwillig in Kauf zu nehmen.

Die Pestizid-Strategie ist nicht neu: Wie die «Süddeutsche» schreibt, versprühten israelische Flugzeuge im Jahr 2014 erstmals hochkonzentrierte Herbizide in unmittelbarer Nähe zum Gazastreifen. Die Maschinen flogen zwar im israelischen Luftraum, waren aber nur in der Luft, wenn sichergestellt war, dass die chemischen Substanzen durch die Winde in den Gazastreifen getragen wurden.

Laborproben: Massiv überhöhte Glyphosat-Konzentration

Den Verdacht, dass hinter dem Glyphosat-Einsatz weit mehr steckt als nur Schädlingsbekämpfung, untermauern auch Tests des libanesischen Landwirtschaftsministeriums. Denn laut Vorsteher Nizar Hani setzt Israel das Glyphosat ganz bewusst in massiv überhöhter Konzentration ein: «Dieses Herbizid zerstört alles, wenn es in so hohen Konzentrationen wie von Israel eingesetzt wird: 30- bis 50-mal so hoch wie die übliche Dosis», sagt er mit Verweis auf die Laborproben.

Alabdallah hat nun einige Felder gepachtet, die sich weiter im Landesinneren befinden, um dort Gemüse anzupflanzen und der israelischen Taktik der verbrannten Erde zu entkommen. Das reiche zwar zum Überleben, auf lange Sicht sieht er für sich und seine Familie aber keine Zukunft mehr im Südlibanon: Seine Tochter sei bereits nach Deutschland gegangen, um dort ein besseres Leben zu beginnen. Er kann sie verstehen – und sagt: «Wenn ich hier wieder etwas pflanze, wird es nur wieder zerstört.»

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Benedikt Hollenstein

Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.

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