Ist Iced Coffee im Bewerbungsgespräch ein Karrierekiller?

Karrierekolumne

Ist Iced Coffee im Bewerbungsgespräch ein Karrierekiller?

Eine Recruiterin hat mit einem Video auf Tiktok eine lebhafte Debatte gestartet – Coffee-to-go im Vorstellungsgespräch: Ja oder Nein?

Kolumne

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Lisa Eggenbauer

Eigentlich könnte man meinen, dass die Zeit für Eiswürfel im Kaffee mit Herbstbeginn zu Ende gegangen ist. Aber trotz der sinkenden Temperaturen ist der kalte Kaffee gerade in aller Munde – doch das nicht unbedingt im wörtlichen Sinn.

Eine junge Frau trink Iced Coffe aus einem To-Go Becher aus Plastik.
Ist es unprofessionell bei einem Bewerbungsgespräch Iced Coffee mitzunehmen? Eine virales Video auf Tiktok sagt: Ja! Und löst damit eine Debatte aus.

Auf Tiktok hat das Video einer amerikanischen Recruiterin eine Kontroverse ausgelöst. Ihre Behauptung: Bewerberinnen und Bewerber der jungen Generation Z seien unprofessionell, weil sie mit Iced Coffee zu Bewerbungsgesprächen kommen. Das würde so wirken, als sei das Gespräch nur eine kurze Erledigung im Verlauf des Tages.

Das Video ist viral gegangen. Auf der Plattform findet man unzählige Reaktionen dazu. Von totaler Zustimmung über ironische Parodien bis hin zur Frage, was Kaffee denn bitte schön über Qualifikation im Job aussagen würde, ist alles dabei.

Sexistische Muster

Manche wittern darin auch ein sexistisches Muster. Die Argumentation beruht darauf, dass Iced Coffee häufiger mit einer weiblichen Zielgruppe in Verbindung gebracht wird. Eine Creatorin hat dabei die Frage in den Raum geworfen, wieso Dinge, die stereotypisch als weiblich gelten, schneller als unprofessionell abgestempelt werden.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Dass misogyne Stereotype immer noch reproduziert werden, steht außer Frage. Aber ist der Aufruhr bei dieser Debatte richtig verortet? Denn eigentlich geht es im Video überhaupt nicht um die Art des Getränks, sondern darum, welche Wertigkeiten einem Job zugeschrieben werden.

Ich selbst gehöre auch der Generation Z an und liebe Iced Coffee über alles. Trotzdem wäre ich niemals auf die Idee gekommen, damit beim Vorstellungsgespräch aufzutauchen – und auch mit keinem anderen Getränk. Denn wenn man mit To-go-Cup und Bewerbungsunterlagen zum Gespräch kommt, wird ein Handschlag zur Begrüßung schwer. Und die Qualität des ersten Händedrucks sagt bekanntlich bereits einiges über eine Person aus. Vom Kaffee-Atem und der potenziellen Gefahr, etwas zu verschütten, ganz abgesehen.

Viele Probleme

Und überhaupt: Gibt es im Moment nicht wichtigere Themen, die man zum Arbeitsmarkt diskutieren kann? Fachkräftemangel, Arbeitslosigkeit, eine Lehrstellenkrise und KI, die die Arbeitswelt umkrempelt und jungen Menschen den Berufseinstieg erschwert.

Vielleicht sollte man die Debatte lieber darauf lenken, als einen einfachen Tipp einer Recruiterin unnötig eskalieren zu lassen. Der Arbeitsmarkt hat derzeit schließlich größere Probleme, als ein paar Eiswürfel im Kaffee. (Lisa Eggenbauer, 3.10.2026)

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