Italien, Albanien: Tausende demonstrieren gegen hohe Preise und Bildungsnotstand
Nachdem es bereits am vergangenen Wochenende landesweit zu Krawallen gekommen war, ist die Polizei in Italien auch an diesem Samstag mit einem Großaufgebot im Einsatz. In mehreren italienischen Städten demonstrierten Tausende Menschen, dabei geht es um ein diverses Spektrum an Themen, darunter die hohen Lebenshaltungskosten und Benzinpreise sowie Aufrüstung und den Nahostkonflikt. Bei einigen Protesten ist es zu vereinzelten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten gekommen.
In Mailand, in der es vergangenes Wochenende zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und Polizei gekommen war, gab es erneut Spannungen. Im Zentrum der norditalienischen Stadt trafen Protestierende auf Sicherheitskräfte, die Polizei stoppte den Demonstrationszug, dabei wurden Schlagstöcke eingesetzt. Aus Sorge vor Ausschreitungen waren viele Luxusgeschäfte verbarrikadiert.
In Bologna setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer ein, um einen Demonstrationszug daran zu hindern, den Bahnhof zu erreichen. In Turin drängten Sicherheitskräfte Demonstranten mit Schilden zurück – und in der Hauptstadt Rom zog eine vorwiegend propalästinensisch motivierte Demonstration durch das historische Zentrum. Auch in Neapel und Florenz versammelten sich Demonstrierende.
Um neue Ausschreitungen zu verhindern, galten in Italien ähnliche wie in Frankreich an diesem Wochenende erhöhte Sicherheitsvorkehrungen. Nach Mailand wurden zusätzlich zu den dort bereits stationierten Polizisten 500 Elitesoldaten entsendet. Drohnen flogen zur Überwachung über die Innenstadt, Bahnhöfe wurden kontrolliert, auch Online-Aktivitäten streng beobachtet, um mögliche neue Aufrufe zu Protesten und Krawallen frühzeitig erkennen und unterbinden zu können.
Im albanischen Tirana, Italiens Nachbarland, ist die örtliche Polizei am Samstag ebenfalls mit Tränengas, Wasserwerfern und Gummigeschossen gegen Demonstrierende vorgegangen. Protestierende hatten Steine auf die Beamten geworfen und am Eingang des Landwirtschaftsministeriums Feuer gelegt. Die von Studenten angeführten Proteste richten sich in Albanien gegen mutmaßliche Korruption in der Regierung, fehlende Arbeitsplätze und schlechte Bildungsstandards. Die Teilnehmenden forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama, der seit 2013 im Amt ist.
Bereits in den vergangenen Wochen war es zu Ausschreitungen gekommen, bei denen unter anderem Regierungsgebäude in Brand gesetzt wurden. Die aktuellen Unruhen folgen auf weitgehend friedliche Proteste im Sommer. Diese wandten sich gegen ein umstrittenes Luxus-Bauprojekt auf der Adria-Insel Sazan, das von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, vorangetrieben wird.