Italien-Bürgermeister wird von E-Bike angefahren – danach folgt ein umstrittenes Fahrrad-Verbot

Italien-Bürgermeister wird von E-Bike angefahren – danach verbietet er Fahrradfahren in seiner Stadt

Stand: 23.08.2026, 21:11 Uhr

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Comos Bürgermeister wird von einem E-Bike angefahren. Kurz darauf verbietet er Fahrräder in Teilen der Innenstadt. Die Entscheidung sorgt für heftige Kritik.

Como – Enge Gassen, historische Häuser und dazwischen zahlreiche Urlauber, die teils zu Fuß, teils auf Fahrrädern unterwegs sind: In der Innenstadt von Como teilen sich viele Menschen auf engem Raum die Straßen. Damit soll zumindest für Radfahrer bald Schluss sein. Die norditalienische Stadt am südlichen Ende des Comer Sees will Fahrräder aus Teilen des Zentrums verbannen. Die neue Regelung soll im September 2026 in Kraft treten – und sorgt bereits jetzt für heftige Diskussionen.

Ein Fahrradfahrer fährt am Wasser entlang.

Nach einem Unfall hat Comos Bürgermeister Alessandro Rapinese das Fahrradfahren im Stadtzentrum verboten. © Marius Becker/dpa/Symbolbild

Auslöser für die Entscheidung war ausgerechnet ein persönliches Erlebnis von Bürgermeister Alessandro Rapinese. Mitte Juli sei er aus dem Rathaus gekommen und von einem E-Bike erfasst worden, erklärte er Mitte August der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Zu diesem Zeitpunkt habe die Stadtverwaltung bereits über strengere Regeln für Lieferdienste in der verkehrsberuhigten Zone beraten. Nach dem Unfall sei für ihn klar gewesen, dass auch Fahrräder reguliert werden müssten.

Italien-Bürgermeister nach Unfall: „Erfahrungen haben Gewicht“

Rapinese macht keinen Hehl daraus, dass der Unfall seine Entscheidung beeinflusst hat. „Menschen handeln auf Basis ihrer Erlebnisse – und ich weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, von diesen Ungetümen angefahren zu werden“, sagte er. Da die italienische Straßenverkehrsordnung nach seinen Angaben keine unterschiedliche Behandlung von normalen Fahrrädern und E-Bikes zulasse, soll die Regelung für beide gelten. Fahrradfahrer müssen künftig also absteigen und schieben.

Die Entscheidung stößt jedoch auf Widerstand. Vincenzo Falanga, Präsident des Vereins Nova Como, kritisierte gegenüber La Stampa, die Stadtverwaltung mache aus individuellen Problemen kollektive. Die Organisation will es nicht bei verbaler Kritik belassen: Für Mitte September ist laut Ansa eine gemeinsame Fahrradtour als Protest gegen das Verbot angekündigt.

Fahrrad-Verbot in Como sorgt für Streit

Rapinese hält trotz der Kritik an seinem Kurs fest und verweist auf eine frühere Entscheidung seiner Verwaltung. Bereits im Jahr 2022 habe Como den Verleih von E-Scootern verboten – damals nach Ansicht des Bürgermeisters früher als andere europäische Städte. Auch das heutige Vorgehen gegen Fahrräder im Zentrum der Innenstadt hält er deshalb für richtig.

Unverständlich findet Rapinese dagegen die unterschiedlichen Regeln für verschiedene Verkehrsmittel. Es sei aus seiner Sicht widersinnig, Halter von E-Scootern zu Versicherung und Kennzeichen zu verpflichten, entsprechende Vorgaben für E-Bikes aber nicht vorzusehen. Diese seien seiner Einschätzung nach möglicherweise gar gefährlicher. An seinem Plan ändert die Debatte daher vorerst nichts: Ab September soll das Fahrradfahren eingeschränkt werden. (Quellen: Ansa, La Stampa) (cln)