Jedes Stück beim Mündener Keramikmarkt erzählt eigene Geschichten
Stand: 10.08.2026, 18:00 Uhr
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Am Wochenende hat an zwei Tagen wieder der Keramikmarkt am Mündener Dielengraben stattgefunden. Dort gab es zahlreiche handgefertigte Angebote.
Hann. Münden – Keramik kann kunstvoll, praktisch, farbenfroh, verspielt oder schlicht sein, aber vor allem sind die Produkte immer individuell. Beim Markt „Lust auf Schönes, Keramik am Fluss“ am Dielengraben konnten Besucher am Wochenende genau diese Vielfalt entdecken. Zahlreiche Töpferinnen und Töpfer präsentierten ihre Arbeiten und zeigten, wie aus Ton mit handwerklichem Können und Kreativität ganz besondere Einzelstücke entstehen. Unterschiedliche Keramiken und ausgefallene Dekorationsobjekte waren an den Ständen zu finden. Dabei ging es längst nicht nur ums Kaufen. Die Aussteller erzählten von ihren Techniken, ihren Ideen und der oft langen Geschichte hinter ihren Arbeiten.

Zu den bekannten Gesichtern in Münden gehört Petra Bottke aus Laxstedt-Nesse. Sie hatte Keramikblumen in den unterschiedlichsten Farben mitgebracht. „Ich habe mehrere Tausend Blüten dabei“, erzählte sie. Wer wissen wollte, wie sich die Blüten dekorativ arrangieren lassen, konnte sich an ihrem Stand zahlreiche Anregungen holen. Seit 40 Jahren arbeitet Bottke mit Ton, seit 15 Jahren fertigt sie die Blumen. „Keine Blüte gleicht der anderen“, sagte sie. Denn nach dem Ausstechen wird jede einzelne Blüte von Hand modelliert. Dabei wird sie inzwischen von mehreren Mitarbeitern unterstützt. Besonders gefragt waren in diesem Jahr die neuen Bienentränken, die dekorative Gestaltung mit einem praktischen Nutzen für die Insekten verbinden.
Auch Gottfried Naumann aus Amt Creuzburg gehört zu den Keramikern mit langjähriger Erfahrung seit 1977. Heute entstehen in seiner eigenen Werkstatt vor allem Gebrauchs- und Gartenkeramiken. „Ich habe meinen Stil und danach fertige ich“, beschreibt Naumann seine Arbeitsweise. Besonders wichtig sind ihm dabei die aufwendig hergestellten Glasuren: Die Zutaten müssen besorgt, Mengen berechnet und die Mischungen mehrfach ausprobiert werden, bevor das gewünschte Ergebnis erreicht sei. Für ihn beginnt die Arbeit allerdings nicht erst an der Drehscheibe. Bevor er ein Stück fertigt, hat er bereits eine genaue Vorstellung davon, wie Form und Farbe am Ende aussehen sollen.
Gerade diese individuellen Arbeitsweisen machen den Reiz des Keramikmarktes aus. Obwohl alle Aussteller mit demselben Werkstoff arbeiten, könnten die Ergebnisse unterschiedlicher kaum sein. Verschiedene Techniken, Glasuren, Formen und Farbvorlieben sorgen dafür, dass kein Stück dem anderen gleicht.
Eine besondere Geschichte steckt hinter dem Keramik-Schmuck von Gudrun und Peter Erbe aus Willingshausen vom Erbehof. Sie kam eher unfreiwillig zur Herstellung von Keramik-Perlen. Eine Nervenentzündung im Gesicht hatte ihre linke Gesichtshälfte plötzlich gelähmt, sodass sie ihre bisherige Töpfertätigkeit nicht mehr ausüben konnte. „Untätig herumzusitzen, wollte ich nicht“, erzählt sie. Also begann sie mit einer kleinen Menge Ton zu modellieren. Die erste Perle entstand. „Das tat mir gut und ich fertigte eine Perle nach der anderen. Ich merkte, dass sich das Rollen des Tons in meiner Hand positiv auf meinen gesamten Körper auswirkte.“ Langsam ging die Lähmung zurück und die Zahl der handgefertigten Perlen wuchs. Schließlich entstand daraus die Idee, Schmuck herzustellen. Bis heute modelliert Erbe jede Perle von Hand. Mit einem dünnen Pinsel bringt sie Linien und Ornamente auf, und beim Gestaltungsprozess entstehen individuelle Farbnuancen. So wird jedes Schmuckstück zu einem Unikat.