Jens Spahn tritt als Fraktionschef zurück – CDU Kassel nimmt Stellung
Stand: 19.07.2026, 18:00 Uhr
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Der CDU-Politiker Jens Spahn hat am Samstag seinen Rücktritt als Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion verkündet. Kasseler CDU-Politiker sehen den Grund in mangelndem Vertrauen nach der Leihmutterschafts-Debatte.
Kassel – Der Druck war offenbar zu groß: Nach der hitzigen Debatte darüber, dass Jens Spahn und sein Mann mithilfe einer Leihmutter Eltern geworden sind, hat der Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am Samstag seinen Rücktritt verkündet. Die Union hatte sich zuletzt gegen Leihmutterschaft ausgesprochen. Wir haben CDU-Politiker aus Kassel zu Wort kommen lassen.
Das sagt Pro Familia
Die Beratungsstelle Pro Familia betont zum Thema Leihmutterschaft, dass diese für männliche homosexuelle Paare eine der wenigen Möglichkeiten mit einem genetisch verwandten Elternteil darstelle. Ein Verbot beschneide demnach die reproduktive Selbstbestimmung dieser Gruppe. Allerdings: Auch die Selbstbestimmung einer Leihmutter sei hoch einzustufen. Es bestehe die Gefahr der Instrumentalisierung. Pro Familia habe sich bisher noch nicht abschließend positioniert.
Der Kasseler Fraktionsvorsitzende Maximilian Bathon macht zunächst deutlich: „Jens Spahn und seiner Familie wünsche ich erst einmal alles Gute.“ Vater zu werden, das sei eine „sehr private“ Entscheidung. Daher falle es Bathon schwer, über eine derart intime Situation zu urteilen. Insgesamt sei das Thema Leihmutterschaft wahnsinnig schwierig und komplex.
Bathon sagte bereits vor der Rücktrittserklärung: „Jens Spahn wird sich etwas dabei gedacht und die Konsequenzen abgewogen haben.“ Es habe in der Vergangenheit ohnehin schon Impulse, zum Beispiel aus Richtung der Jungen Union, gegeben, die aktuelle Rechtslage zu verändern.
Sein Vater Michael Bathon, ebenfalls bei der CDU, plädiert für mehr Ruhe und Gelassenheit innerhalb der Debatte. „Man sollte Schärfe aus der Diskussion nehmen und sich Spahns Interview erst einmal in Ruhe anhören, bevor man ein Urteil fällt.“ Bathon könne beide Perspektiven verstehen. Spahn habe aber auch Fehler eingestanden, das müsse man berücksichtigen.
Dass Familie grundsätzlich an erster Stelle stehe und Vaterglück ein unbeschreibliches Gefühl sei, sieht auch der stellvertretende Kasseler CDU-Vorsitzende Alexander Grotov so. Ihn beschäftigt, dass die Debatte um Spahn „von den wirklich wichtigen Problemen, die wir in Deutschland anpacken müssen“, ablenke. „Ich hoffe, dass die Diskussion bald abebbt.“ Dennoch betont Grotov den wichtigen Zusammenhang zwischen politischem Engagement und Vertrauen. Spahn habe an Glaubwürdigkeit eingebüßt, „weil er seine geänderte Meinung nicht offen kommuniziert hat“. Zwar müsse in einer Volkspartei nicht jedes Mitglied immer mit allen Beschlüssen einverstanden sein, aber man müsse transparent bleiben.
Nach Spahns Rücktritt sagt Grotov: „Er hat nicht mehr genug Vertrauen der Fraktion und des Kanzlers gespürt und Konsequenzen gezogen.“ In der aktuellen Situation halte er das für die richtige Entscheidung.
Der Bettenhäuser Maximilian Schäfer, ebenfalls CDU, der mit 23 Kassels jüngster Ortsvorsteher ist, hält Spahns Rücktritt für unvermeidbar. Auch Kanzler Friedrich Merz habe in dieser Situation Stärke gezeigt. „Unterm Strich bleibt es aber eine persönliche Entscheidung, auf welchem Weg Spahn Vater wird“, sagt Schäfer. „Natürlich war es eine doppelmoralische Aktion.“ Dennoch müsse man auch an das Kind denken: „Das kann am allerwenigsten dazu.“