Jobs auf vier Pfoten: Jagdhund Pluto stöbert Wildtiere im Dickicht auf

Stand: 29.07.2026, 06:06 Uhr

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Patrick Rupp mit seinem Jagdhund Pluto, deutsches Drahthaar in Babenhausen

Bei der Nachsuche (hier nachgestellt) folgt Rüde Pluto zum Beispiel nach Wildunfällen der Fährte des verletzten Tieres, indem er dessen Blut oder Adrenalin riecht. © Laura Oehl

Der 9-jährige Deutsch-Drahthaar-Rüde ist einer von sieben Jagdhunden, mit denen Patrick Rupp unter anderem in Babenhausen im Einsatz ist. Bei der Jagd zeigt der erfahrene Rüde den unerfahrenen Hunden, wie sie am Wild arbeiten müssen.

Babenhausen – „Pluto weiß, was er zu tun hat“, sagt Patrick Rupp. „Er ist wie ein ruhiges Uhrwerk. Er schafft immer, aber hat ein sehr entspanntes Gemüt.“ Der 9-jährige Deutsch-Drahthaar-Rüde ist einer von sieben Jagdhunden, mit denen Rupp in Babenhausen, Münster, Dieburg und ganz Deutschland auf Jagden im Einsatz ist.

Das braucht viel Organisation: In einer festen Reihenfolge werden die Hunde für die Jagd angezogen. Ein GPS-Gerät am Halsband hilft dem Hundeführer, immer nachverfolgen zu können, wo seine Tiere gerade sind. Die maßangefertigte, leuchtend farbige Weste dient nicht nur zum Schutz der Hunde, sondern ist für sie auch das Signal, dass es gleich losgeht. Während Pluto entspannt wartet, bis das restliche Rudel fertig ist, können es die Hündinnen im Bunde kaum abwarten. „Deshalb ziehen wir sie zuletzt an“, erklärt Patrick Rupp. „Sie wollen dann direkt los.“

Patrick Rupp mit Freundin Tahnee Mausehund und den Jagdhunden (v.l.) Leo, Pluto, Romy, Toni, Filou, Cleo und Karlheinz in Babenhausen

Patrick Rupp mit Freundin Tahnee Mausehund und den Jagdhunden (von links) Leo, Pluto, Romy, Toni, Filou, Cleo und Karlheinz. © Laura Oehl

Hunde finden verletzte Tiere nach Unfällen

Auf der Jagd haben die Hunde – je nach Rasse und ihren typischen Fähigkeiten – unterschiedliche Aufgaben. Das Stöbern liegt seinen Hunden allen gut, sagt der 32-Jährige. „Dabei stöbern sie beispielsweise Wildtiere im Dickicht auf, bringen sie – mit genug Abstand für ihre eigene Sicherheit – heraus, drehen dann wieder ab und kommen zurück“, erklärt Patrick Rupp. Auf diese Weise treiben die Hunde beispielsweise Wildschweine vor die Jäger. „Vor allem mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) aktuell ist es wichtig, dass das Wild nicht weit rennt, sondern nur aufsteht und kurz aus der Deckung kommt“, erklärt Rupp. Gerade in den vergangenen Monaten war das eine der Hauptaufgaben von Jägern und Hundeführern im Kreis Darmstadt-Dieburg, um das Virus einzudämmen und auch die Tiere der örtlichen Landwirte zu schützen. „Grundsätzlich jagen wir immer nur zur Bestandsregulierung“, betont Rupp.

Werden Hase, Fuchs, Fasan oder Ente bejagt, sind vor allem die Apportier-Profis unter den Hunden gefragt. „Wenn wir zum Beispiel auf Entenjagd sind, bringen die Hunde die geschossenen Tiere aus dem Wasser“, erklärt Patrick Rupp. Pluto könne sowohl stöbern als auch apportieren. Der Rüde kommt außerdem bei der sogenannten Nachsuche zum Einsatz. Die spielt nicht nur bei der Jagd eine Rolle. Immer wieder werden Hundeführer wie Patrick Rupp mit ihren Tieren auch zu Wildunfällen gerufen. Denn die Hunde können sowohl Blut (unter Jägern „Schweiß“ genannt) als auch Adrenalin verletzter Wildtiere riechen. „Sie können auch ein krankes unter mehreren gesunden Tieren erkennen und verfolgen dann nur diese eine Spur“, erklärt der 32-Jährige. Nach Unfällen suchen die Hunde das verletzte Tier, damit der Jäger es erlösen kann.

Gute Ausbildung und regelmäßiges Training

Für Hund und Hundeführer bedeutet das: eine gute Ausbildung und regelmäßiges Training. Pluto kam bereits mit einem halben Jahr zu Patrick Rupp. Wie fast alle seiner Hunde, hat er auch den heute 9-jährigen Rüden selbst ausgebildet. Sein Wissen dafür habe er unter anderem aus Lehrgängen. „Das Jagdliche habe ich aber vor allem von meinem Opa gelernt und die ersten Schritte in der Hundeausbildung mit meiner Mutter gemacht, die früher oft auf dem Hundeplatz und im Agility-Verein war“, sagt Rupp.

Egal, welche Aufgabe die Hunde später bei der Jagd bekommen, wichtig sei bei allen zuallererst, sie zu sozialisieren. „Sie müssen mit anderen Hunden klarkommen und dürfen keine Aggression zeigen“, erklärt Patrick Rupp. Auch sich das Futter abnehmen zu lassen, sei nicht nur für den Gehorsam, sondern auch für die spätere Jagd wichtig. „Außerdem müssen sie lernen, kontrolliert zu jagen. Die Hunde dürfen nicht kopflos durch die Gegend hetzen.“ Neben Übungen zum Grundgehorsam, die in den Alltag eingebaut werden können, sei beispielsweise Balltraining gut. „Wenn ich den Ball werfe und die Hunde während er fliegt zurückrufe, kann ich sie sehr gut an dem Reiz konditionieren“, erklärt Rupp.

Regelmäßiges Fahrradfahren trainiert außerdem die Kondition. Außerhalb der Saison stehen auch Schwimmen, lange Spaziergänge und Apportiertraining auf dem Programm. „Das Apportieren ist auch für die Kiefermuskulatur wichtig“, sagt Patrick Rupp. Denn das Wild, das die Hunde nach der Jagd holen und zu ihrem Hundeführer bringen, soll nicht mit den Zähnen beschädigt werden. „Alles, was ich mit den Hunden erarbeite, wird später zu Lebensmitteln gemacht. So wird nicht nur der Bestand dezimiert, sondern auch ein gesundes Lebensmittel daraus gewonnen. Mehr Bio geht gar nicht.“

 Jagdhund Pluto von Jäger Patrick Rupp beim Apportiertraining in Babenhausen

Kann im Alltag immer wieder trainiert werden: das Apportieren. Dabei wird auch die Muskulatur im Kiefer gestärkt. © Laura Oehl

Das regelmäßige Training dient nicht zuletzt auch der Sicherheit der Hunde. Denn dafür sorgen nicht nur Weste und GPS: Je mehr Erfahrung die Hunde haben, desto weniger bringen sie sich auf der Jagd in Gefahr. „Wenn ich in ein neues Revier fahre, schaue ich mir das vorher außerdem immer an und gucke, ob es Bahnstrecken oder Straßen in der Nähe gibt, und ob es dort sicher für meine Hunde ist“, erklärt Patrick Rupp.

Zusammenarbeit muss funktionieren

Um sicherzustellen, dass die Hunde für die Jagd geeignet sind, müssen sie eine entsprechende Prüfung ablegen, die die „Brauchbarkeit“ der Hunde attestiert. Mit jedem neuen Hund im Rudel steht außerdem eine sogenannte Meuteprüfung an. „Meistens machen wir das bei einer Maisjagd, bei der Wildschweine, die den Mais zerstören würden, aus dem Feld getrieben werden“, erklärt Rupp. „Dabei wird dann geprüft, wie die Hunde zusammenarbeiten und wie sie am Wild arbeiten.“ Vor allem bei Letzterem setzt Patrick Rupp auf seinen „Professor“, Rüden Pluto. „Er hat die meiste Erfahrung von meinen Hunden und die Jungen heften sich oft bei ihm an die Fersen.“ Denn das Verhalten am Schwein oder die eigene Fährte zurückzuverfolgen, könne der Hundeführer den Tieren nicht beibringen.

„Es ist wichtig, dass einer dabei ist, der die Ruhe hat und den anderen zeigt, wie es geht“, sagt Rupp. Denn die Erfahrung in seinem Rudel ist unterschiedlich: Hunde zwischen 1,5 und 13 Jahren gehören dazu. Auch, wenn die Älteren heute kaum noch bei Jagden unterwegs sind. Wichtig sei, dass das Rudel funktioniert. „Mein Ansporn ist“, sagt Patrick Rupp, „zu sehen, wie die Hunde arbeiten, wie meine Ausbildung funktioniert, und wie wir alle als Team zusammenarbeiten.“ (Laura Oehl)