Johannes-Klein-Theater eröffnet: Talk, Goethe-Rap und Karaoke bis in die Nacht
Stand: 10.08.2026, 06:00 Uhr
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Markus Gertken hat im Stiftspark ein neues Theater zu Ehren des Festspiel-Gründers eröffnet. Der Andrang war so groß, dass zusätzliche Stühle organisiert werden mussten.
Bad Hersfeld – „Wir haben ein kleines Bestuhlungsproblem“, sagte Markus Gertken, Initiator des neuen „Johannes-Klein-Theaters“ im Stiftspark. Denn der Andrang zur Eröffnung am Samstagabend war so groß, dass Bänke und Stühle von der Festspiel-Gastronomie geholt werden mussten.

„Dieses Theater soll offen für alle sein“, so der Initiator zu Beginn, für Schauspielende ebenso wie für Bürgerinnen und Bürger. Zwar ist in dieser Spielzeit nicht mehr viel Raum, aber Markus Gertken plant bereits für das kommende Jahr. Eventuell werde das Theater am Mittwoch dieser Woche noch einmal seine Tore öffnen.
Da er das Theater zu Ehren des Festspiel-Gründers Johannes Klein ins Leben gerufen hat, sprach er auch mit Hans-Jürgen Dietz, der vor 75 Jahren bei den ersten Festspielen dabei war. „In ‚Der Name der Rose‘ standen wir gemeinsam auf der Bühne“, erinnerte sich Hans-Jürgen Dietz, der seine Statistenkarriere im Laufe der Jahre als „vom Fackelbuben zum päpstlichen Gesandten“ beschrieb.
Gemeinsam warfen die beiden Protagonisten einen Blick auf die ersten Jahre mit Kirmesbänken, die Erweiterung der Bühne in die Apsis, die Zuschauertribüne und nicht zuletzt das Zeltdach. „Zuvor wurde bei Regen in ein Festzelt neben der Stiftsruine gewechselt. Es war ein Spaß, den Schauspielern dabei zuzuhören, wie sie ganze Passagen kürzten, um schneller ins Trockene zu gelangen“, erinnerte sich Hans-Jürgen Dietz.
Der Initiator hatte auch Festspiel-Intendantin Elke Hesse, Alt-Intendant Holk Freytag und die „Something rotten!“-Regieassistentin Lara Nikola Roth zu einer Talkrunde eingeladen. Mit ihnen sprach er über Theater und die Bad Hersfelder Festspiele in ihrer heutigen Form. „Ich bin keine Künstlerin im klassischen Sinne, aber als Intendantin eine Produzentin, die künstlerisch und kreativ denkt“, sagte Elke Hesse. Auch Holk Freytag sagte, er bezeichne sich nicht als Künstler: „Künstler sind die, die auf der Bühne stehen.“
Am Theater lerne man aus Fehlern, die Arbeit sei ein Lernprozess, so die Intendantin. „Alles, was wir machen, ist ein Versuch. Und man kann im Gegensatz zu vielen anderen Berufen jeden Tag neu anfangen“, fügte der Alt-Intendant hinzu. Er wünsche sich, dass die Festspiele wieder kritischer gesehen würden. „Es ist nicht alles wunderbar.“ Auch Elke Hesse wünsche sich eine konstruktiv-kritische Auseinandersetzung, erzählte aber auch von persönlichen Anfeindungen über Social Media. „Das ist menschlich fast nicht mehr aushaltbar“, so die Intendantin.
„Theater muss nicht immer gefallen“, so Lara Nikola Roth. Theater sei ein moralischer und politischer Ort, fügte Holk Freytag hinzu, und Elke Hesse sagte: „Eine Bühne sollte die Möglichkeit zum Denkanstoß bieten und Raum für Diskussionen und Diskurs geben.“

Nach der Musical-Aufführung zelebrierten Thieß Brammer und Markus Gertken gemeinsam mit Davide Venier eine Rezitations-Rap- und Beatbox-Version des „Faust“-Dialogs zwischen Faust und Mephisto. Mit einer großen Party, unterstützt von „Caro oke“, bei der unter anderem Gesine Cukrowski, Jörg Thieme, Igor Karbus, Andrés Mendez, Veronika Hörmann, Bühnenmitarbeiter Max Koltermann, Bijan Zamani, Helene Charlotte Sigal und weitere sangesfreudige Besucher zu den Mikrophonen griffen, ging der Eröffnungsabend des neuen Formats im Stiftspark spät in der Nacht zu Ende.