Food Waste: Der Wille ist da, die Umsetzung bleibt harzig
Kampf gegen Essenverschwendung Food Waste: Der Wille ist da, die Umsetzung bleibt harzig
Bis 2030 soll die Lebensmittelverschwendung halbiert sein – doch in Schweizer Haushalten liegt die Reduktion bisher bei fünf Prozent. Eine Verhaltensforscherin erklärt die Diskrepanz.
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Hand aufs Herz: Wie oft landet bei Ihnen zu Hause das altgewordene Brot oder der Essensrest vom Vortag im Müll? «Food Waste», also das Verschwenden von Lebensmitteln, soll laut Uno bis 2030 halbiert werden – in der Nahrungsmittelindustrie, im Handel und bei den Konsumentinnen und Konsumenten. Die Schweiz hat dieses Ziel übernommen, der Bundesrat 2022 einen Aktionsplan formuliert. Während in der Industrie und im Handel neue Regeln allmählich greifen, hinkt die Umsetzung auf individueller Ebene deutlich hinterher. Am 12. September startet deshalb die «Nationale Woche gegen Food Waste», mit Foodsave-Banketten, Kochaktionen und weiteren Veranstaltungen in der ganzen Schweiz.
Das Bewusstsein ist da – das Verhalten nicht
Aktuelle Umfragen zeigen: Der Begriff Food Waste ist im allgemeinen Bewusstsein angekommen. Im Alltag aber hat sich wenig verändert.
Bewusster einzukaufen und sich weniger vom Angebot locken lassen, ist ein niederschwelliger Weg, um Food Waste zu reduzieren.
Keystone/dpa/Oliver Berg
Kühlschränke und Vorratskammern sind meistens übervoll, vieles davon landet früher oder später im Müll. In Privathaushalten hat sich die Lebensmittelverschwendung in den letzten vier Jahren gerade mal um fünf Prozent reduziert – das Ziel bis 2030 liegt bei 50 Prozent. Woran liegt das?
Sabrina Stöckli, Verhaltensforscherin und Professorin an der Berner Fachhochschule BFH, forscht genau zu dieser Frage. Aus psychologischer Sicht sei das Phänomen gut erklärbar: «Wir haben sehr häufig im Alltag Zielkonflikte. Wir denken, es ist eigentlich schlecht, Lebensmittel zu verschwenden. Gleichzeitig haben wir die Reste vom Vortag. Wir schauen sie an, sie schauen vielleicht nicht mehr so appetitlich aus – und gleichzeitig lockt der Pizzabote mit zehn Prozent Rabatt.»
Absichten vs. Alltag
Grundsätzlich sei eine Mehrheit der Bevölkerung bereit, die Essensverschwendung einzuschränken, zeigen Umfragen. Im Alltag aber hat der gute Wille oft einen schweren Stand. Zu viele kurzfristige Faktoren spielen hinein, sagt Stöckli: mangelnde Planung, unerwartete Gäste, Impulskäufe. «Die führen dazu, dass wir dann tatsächlich nicht das Verhalten zeigen, was wir gerne möchten.»
Einkaufen, lagern, vergessen: Überfüllte Kühlschränke sind ein häufiger Ausgangspunkt für Food Waste im Haushalt.
IMAGO/Noah Wedel
Menschliches Verhalten lässt sich nicht per Knopfdruck ändern. In der Umweltpsychologie verstehe man Verhaltensänderung als Prozess, so die Forscherin: Am Anfang steht die Einsicht, etwas verändern zu müssen. Dann folgt die Motivation. Danach aber werde es anstrengend – Selbstkontrolle und konkrete Regeln seien gefragt. «Wenn ich beispielsweise koche, messe ich die Portionen ab. Damit ich nicht zu viel koche, oder wenn ich Reste habe, überlege ich mir bereits am Vortag, was ich morgen damit kochen kann.»
Was die Forschung weiss
Die Wissenschaft liefert inzwischen konkrete Befunde zu dem, was man bisher nur vermutet hat: Wer hungrig einkaufen geht, neigt zu Impulskäufen. Wer gedankenlos und ohne Einkaufszettel ins Geschäft geht, kauft tendenziell mehr, als er braucht. Kleine Gewohnheiten also, die grossen Einfluss haben.
Im Haushalt greifen keine Verordnungen oder Gesetze – es gehe schlicht um Beharrlichkeit, Disziplin und Bewusstsein. Aktionswochen wie die aktuelle im September seien daher ein wichtiger Baustein, sagt Stöckli: «In der Aktionswoche reflektiert man über den eigenen Food Waste. Und das ist ein Interventionstyp, der bekanntlich relativ gut wirkt.» Doch, wenn man der Verhaltensforscherin so zuhört, wird klar: Es ist noch ein weiter Weg.
Veranstaltungshinweis
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Die erste «Nationale Woche gegen Food Waste» beginnt am 12. September. In der ganzen Schweiz finden Foodsave-Bankette, Märkte, Kochaktionen und weitere Veranstaltungen rund um den bewussten Umgang mit Lebensmitteln statt. Neben den Städten Zürich und Bern beteiligen sich auch die Kantone Aargau, Basel-Stadt und Baselland
Radio SRF2 Kultur, Kultur-Aktualität, 9.9.2026, 7:06 Uhr. ; senb/minj