„Kann erkennen, wo Staus drohen“: Auf Rundflug mit dem ADAC-Stauflieger – hier sind die größten Engpässe

Stand: 22.08.2026, 13:00 Uhr

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ADAC-Stauflieger über der Autobahn.

Beste Sicht aus der Luft: der Stauflieger über der Autobahn. © ADAC Südbayern

ADAC‑Stauflieger Robert Sandler informiert Autofahrer in den Sommerferien aus der Luft. Die tz ist mitgeflogen.

Der Flugplatz der Deutschen Alpensegelflugschule in Unterwössen südlich des Chiemsees. Es ist 9.10 Uhr am dritten Feriensonntag. Robert Sandler prüft mit dem Handy noch mal den Reiseverkehr auf Bayerns Ferienstrecken. „Inntalautobahn, Innsbruck, Brenner – momentan tote Hose. Auf der Tauernautobahn sind die Baustellen oft das Problem, da sind sechs Tunnel hintereinander. Sobald der Verkehr steht, machen die Blockabfertigung“, sagt der 77-Jährige. Aktuell: In Neukirchen Richtung Salzburg muss es gekracht haben. „Das werden wir uns mal genauer anschauen. Und dann: Ab nach Westen!“

Stauflieger Robert Sandler vom ADAC im Pilot Alan im Flugzeug in Unterwössen.

Robert Sandler (li.) und Pilot Alan. © Daniela Pohl

Der Münchner ist seit 26 Jahren Flugbeobachter beim ADAC. Früher von Landshut, seit 2024 von Unterwössen im Kreis Traunstein aus, überfliegt der ehemalige Berufssoldat an den Ferienwochenenden in einem Ultraleichtflugzeug mit einem Piloten staugefährdete Autobahnabschnitte und Hauptreiseverbindungen nach Süden. Seine Beobachtungen sendet er direkt aus dem Cockpit in ein Münchner Radiostudio. Wie ein Navi. Nur besser: „Ich sehe aus der Luft, wo und wie weit Autos im Stau stehen. Anhand der Verkehrsdichte und des Verkehrsflusses kann ich erkennen, wo Staus drohen, oder prognostizieren, wie lange es noch dauert, bis nach einem Unfall der Verkehr wieder fließt. Wenn die Unfallfahrzeuge bereits geborgen sind und die Fahrbahn gereinigt wird, weiß ich, dass es bald wieder weitergeht.“

tz-Reporterin Daniela Pohl flog im Motorsegler am Flugplatz Unterwössen.

tz-Reporterin Daniela Pohl flog im Motorsegler hinterher. © Michael Dummert

10.05 Uhr. Take-off. Die Propellermaschine hebt Richtung Osten ab. Ich, Reporterin Daniela Pohl, fliege mit Pilot Michael in einem Motorsegler hinterher. Aus 300 Metern Höhe sehen die Fahrzeuge wie Matchbox-Autos aus. Der „Schau-Stau“ (weniger freundlich: Gaffer) bei Neukirchen hat sich mittlerweile aufgelöst. Wir drehen ab Richtung Westen, entlang der A8 Richtung München über das Inntaldreieck. Plötzlich wird es am Seehamer See dichter. „Der Rückstau vom Irschenberg“, sagt Sandler, der im engen Austausch mit Staubeobachtern des ADAC auf der Straße steht. So ein „Stau aus dem Nichts“ tritt ohne konkreten Anlass auf und ist bei dichtem Reiseverkehr häufig der Grund, warum es stockt. „Es reicht, dass einige die Spur wechseln oder leicht abbremsen. Die Bremsverzögerung wird wie ein Dominoeffekt durchgereicht, bis die letzten Autos in größerer Entfernung sogar zum Stehen kommen. Kleinste Störungen können eine Kettenreaktion mit großem Effekt auslösen.“

Nadelöhr vor München: Im Brunntal staut es sich auf der A8.

Nadelöhr vor München: Im Brunntal staut es sich auf der A8. © Daniela Pohl

Es geht weiter Richtung Holzkirchen und den Hofoldinger Forst, mit Sicherheitsabstand zu den Windrädern. Je näher wir nach München kommen, desto wuseliger wird es. „Zwischen Holzkirchen und dem Kreuz München-Süd ist an den letzten Wochenenden immer wieder aufgefallen, dass die Fahrzeuge in Fahrtrichtung München auf 15, 16 Kilometern stehen“, sagt Sandler und meldet aus der Luft etwa 30 Minuten mehr Fahrzeit. Das Problem: Die Erweiterung von drei auf fünf Spuren unmittelbar vor dem Autobahnkreuz führt bei vielen zu Orientierungsproblemen und Bremsmanövern.

Flugbeobachter nimmt Kurs auf den Chiemsee.

Anflug auf den Chiemsee. © Daniela Pohl

Wir drehen ab nach Westen, nehmen über die A95 Kurs auf Garmisch, über den Staffelsee zum Grenztunnel Füssen, von wo aus die Fernpassroute nach Tirol führt. Auf österreichischer Seite regelt bei Reutte eine Dosierampel den Verkehr – und macht Urlaubern das Leben schwer. Aus der Luft gut zu sehen: Die Autos stauen sich zurück. „Mit der Dosierampel will man verhindern, dass zu viele in der Steigstrecke zum Stehen kommen.“ Der Profi erkennt mit geübtem Blick: „Ein paar sind gleich rausgefahren, um den Stau zu umgehen. Die hat man direkt zurückgeschickt. Sie mussten sich wieder in den Stau stellen – und bezahlen.“

Seehamer See: Rückstau vom Irschenberg Richtung Osten.

Seehamer See: Rückstau vom Irschenberg Richtung Salzburg. © Daniela Pohl

Wir knattern zurück über den malerischen Plansee nach Garmisch und auf Höhe Murnau hinüber zur A8 wieder zum Chiemsee. Traumhaft, der Blick aufs bayerische Meer – finden nicht nur wir im Flieger. „Es zockelt am Südufer des Chiemsees, weil die Aufmerksamkeit auf den weißen Segelbooten liegt. Also: Fahrer geradeaus schauen, Mitfahrer können den Blick genießen!“ Ein Appell vom „fliegenden Robert“ an die da unten.