Kanzler unter Druck: Das AfD-Erdbeben erschüttert Merz und die Koalition
Kanzler unter Druck Das AfD-Erdbeben erschüttert Merz und die Koalition
06.09.2026 · 19:57 Uhr
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Landtagswahl in Sachsen-Anhalt – Bilder von den Wahlpartys
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Foto: Michael Kappeler/dpa/Michael Kappeler
Analyse | Berlin · Der Wahlabend in Sachsen-Anhalt ist für die Berliner Koalition aus Union und SPD ein Debakel. Die Personalquerelen um das Führungspersonal dürften nun wieder an Fahrt gewinnen - und wie hält man es mit der starken AfD?
Kanzleramtschefin Nina Warken ist dabei, ebenso Fraktionschef Thorsten Frei. Dazu kommen CDU-Vize und Bildungsministerin Karin Prien, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und selbstverständlich die neue Generalsekretärin Franziska Hoppermann. Sie ist auch die Erste, die nach der Prognose der TV-Sender vor die Kameras tritt. Es sei ein schweres Ergebnis, „und das macht auch was mit uns Christdemokraten“, deutet Hoppermann wortkarg an.
Mit Blick auf den Kanzler sagt sie: „Es beginnt keine Diskussion.“ Kanzleramtsministerin Warken stellt sich ebenso - sie spricht freilich von einer „Zäsur.“ Auch Unionsfraktionschef Thorsten Frei äußert sich ähnlich. Man werde nun „sehr genau“ analysieren müssen, „warum wir die Menschen mit unserer Politik nicht erreichen“. Am Kanzler will man aber nicht rütteln lassen.
Auch betonen führende Unionspolitiker, dass man keinesfalls mit der AfD in Magdeburg zusammenarbeiten werde. „Die Stärke der AfD wird nicht dazu führen, dass wir unser Verhältnis zur AfD relativieren“, so etwa der Staatsminister Philipp Amthor. Man werde mit Extremen nicht zusammenarbeiten, betont auch Hoppermann. Man wird sehen, was in Magdeburg seitens der hiesigen CDU noch passiert.
Der gerade im Osten inzwischen extrem unbeliebten Kanzler tritt nicht vor die Presse, man weiß aber, dass ihn die Lage nicht kalt lässt. Denn Merz ist angezählt – gerade in den eigenen Reihen. Nun vermutlich noch mehr. Miese persönliche Umfragen, gebrochene Versprechen und interne Gerüchte über einen Kanzlertausch haben seine Macht bereits erodieren lassen. Wie der Sauerländer da wieder herauskommen will und ob man ihn lassen wird, ist offen.
Zumal nach dem viel beachteten Urnengang nun der nächste politisch heikle Teil beginnt: Mit wem soll die Union in Magdeburg zusammenarbeiten, um die AfD zu verhindern, wenn das überhaupt möglich sein sollte? Mit den Linken, gegen die – ebenso wie gegen die AfD – ein Unvereinbarkeitsbeschluss besteht? Sachsen-Anhalt könnte die Union insgesamt zerreißen. Und hat Merz noch die Autorität, darauf Einfluss zu nehmen? Manch einer schüttelt gerade nach dem Wahlabend den Kopf. An diesem Montag wird Merz mit CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze vor die Presse treten. Es wird ein pikanter Auftritt werden. Und vorher gibt es vielleicht ein Scherbengericht in den CDU-Gremien.
Auch bei der SPD war die Nervosität im Vorfeld groß. Die Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas stehen seit Wochen parteiintern in der Kritik. Doch nach mehreren Kritikbriefen und öffentlichen Wortmeldungen hat sich die Partei innerlich wieder etwas beruhigt. Der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt wurde zuletzt zu einer Angelegenheit der gesamten SPD. Die laut Prognose wohl erreichten acht Prozent bewertet Generalsekretär Tim Klüssendorf allerdings positiv - es sei gelungen, „ein stabiles Ergebnis zu erzielen“, betont Klüssendorf im Willy-Brandt-Haus. Die Frage, ob Lars Klingbeil und Bärbel Bas die Parteiführung abgeben sollten, „das ist wirklich gar keine Frage, die ich mir jetzt gerade stelle“, hebt er hervor. Dass die parteiinternen Personalquerelen aber verstummen werden, damit ist nicht zu rechnen.
Parteichef Lars Klingbeil meldet sich dann ebenfalls zu Wort. „Dieser Abend ist eine Zäsur“, sagt auch er. Viele Menschen hätten jetzt Angst und Sorge. Die SPD werde aber alles dafür tun, dass jeder in Deutschland sicher leben könne. Klingbeil weiter: „Das ist ein Abend, der mich betrübt.“ Er wisse, dass auch Berliner Entscheidungen dazu beigetragen hätten, das Ergebnis sei daher ein „Signal an Berlin. Das ist ein Grund, auch nachzudenken über die Politik hier“. Wie genau, und ob die SPD jetzt in der Koalition bei den anstehenden Reformen auf Konfrontation gehen will, bleibt offen.
Bei der Suche nach Alternativen zur aktuellen Parteispitze fällt vor allem immer wieder der Name der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern: Manuela Schwesig. Ein zumindest akzeptables Wahlergebnis am 20. September könnte den Ruf nach der Frau aus dem Nordosten verstärken. Das weiß auch SPD-Chefin Bärbel Bas. Sie wirkt sichtlich angeschlagen. Man werde auf „keinen Fall“ eine Einladung der AfD annehmen, betont die Arbeitsministerin. Bas und Klingbeil haben in den vergangenen Wochen demonstriert, dass sie um ihre Posten und den Kurs der Partei kämpfen wollen. An diesem Montag werden auch sie vor die Presse treten.
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