Kassel steht Kopf: Skater zeigen Handstände auf dem Board – und Künstler toben sich kreativ aus

Stand: 16.08.2026, 21:00 Uhr

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World Freestyle Skateboard Championships in der Messe Kassel

Ausgefallene Tricks: Daniel Adam beeindruckt mit einem Handstand. © Foto: Ulf Schaumlöffel

In Kassel fand die Weltmeisterschaft im Freestyle Skateboarding statt. Doch auf dem Messegelände geht es um weit mehr als Tricks. Auch Kunst und Musik spielten eine große Rolle.

Kassel – Langsam finde sie sich auf dem Gelände zurecht, erzählt die elfjährige Ella Khiarello, die gerade mit ihrer Schwester Marie in der Schlange vor einem Foodtruck auf dem Kasseler Messegelände steht. Bereits am Samstag habe sie die Weltmeisterschaft im Freestyle Skateboarding mit ihrem Vater und ihrer Schwester besucht und so die verschiedenen Hallen kennengelernt. „Am besten hat uns gefallen, als die Fahrräder gegeneinander angetreten sind“, erzählt sie und meint damit die BMX-Räder mit sehr kleinen Reifen, „da hat sogar jemand einen Handstand drauf gemacht.“ Eindrücke eines abwechslungsreichen Wochenendes.

Die Sportler

Es sind nicht nur Skateboarder, die an diesem Wochenende gegeneinander antreten. Auf einer kleinen Fläche findet der Wettbewerb der BMX-Fahrer statt, die für ihre Performance Punkte erhalten. Im Zentrum der Veranstaltung stehen jedoch die Skater, die in der Rothenbachhalle ihr Können präsentieren. Sie kommen aus Berlin, Frankreich und den USA und präsentieren als Freestyler ihr technisches Können auf ebenem Untergrund. Zwei Versuche, die beste Kür zu zeigen, haben die Skater, und sie beeindrucken mit Sprüngen und Handständen. Und selbst wenn es nicht so gelingt, ernten die Skater anerkennenden Applaus aus dem Publikum – obwohl in der Halle noch so einige Sitzplätze leer bleiben.

World Freestyle Skateboard Championships in der Messe Kassel

Sprüht seit acht Jahren: Mira Martin ist aus Halle für die Veranstaltung angereist. © Foto: Ulf Schaumlöffel

Die Künstler

Überall zu sehen sind die Künstlerinnen und Künstler, die in der Halle und im Außenbereich pinseln und sprayen. Ihre Teilnahme wurde von den Künstlerinnen Elli Owk und Noelle Behboud unter dem Namen House of Walls organisiert. Um die 55 Menschen seien dafür aus Tunesien, Spanien, Tokyo und anderen Ländern angereist.

Der Kreativität der Künstler seien dabei keine Grenzen gesetzt: Während ein Künstler ein Auto bemalt, beendet eine andere Künstlerin ihr Gemälde. Sie heißt Saskia Widdison und ist am Freitag aus Erfurt angereist. Die interdisziplinäre Malerin lässt sich oft von Vintage-Fotos vom Flohmarkt inspirieren, so wie es auch in diesem Fall passiert ist: Sie hat eine im Gras liegende Frau gemalt. „Das Schöne ist, dass die Fotos schwarz-weiß sind, da kann ich mir die Farben selber überlegen.“ Nicht mehr lange wolle die Künstlerin mit dem Künstlernamen „Just Sasko“ an ihrem Bild malen, „man kann es auch totmalen“, sagt sie.

Einer, der noch nicht ganz fertig ist, ist Gabriel DeMarco. Der Argentinier wohnt aktuell in Japan und ist extra für das Event nach Kassel gekommen. Er fühlt sich sehr wohl bei der Veranstaltung: „Wir sind hier wie eine Familie“, sagt er auf Englisch. Er malt zwei Paar Schuhe auf einem Skateboard, es gehe dabei um die Gemeinschaft, das Zusammensein. Der Künstler habe mit Absicht nur die Schuhe und kein Gesicht gemalt: „So kann sich das auf jeden beziehen.“

Die Musik

Begrüßt werden die vielen Familien, die am Sonntag die Skateboard-Weltmeisterschaft besuchen, schon auf dem Weg zum Eingang mit Musik der Bands, die auf der Bühne des Rockbüros Kassel stehen. Insgesamt 30 Bands spielten am ganzen Wochenende auf der Bühne, die in Kooperation mit der Musikschule und dem Babylon Musikbunker organisiert wurde. Von absoluten Newcomern bis zu etablierten Bands sei alles dabei gewesen, sagt Klaus Macpolowski vom Rockbüro. Gleichzeitig seien viele verschiedene Genres abgedeckt worden: „Es gab Folk und Coverrock, aber auch Metalbands.“ Ganz andere Genres finden sich zudem auf der HipHop-Bühne, die Graf-Karl-Bühne sorgte bei der Aftershow für Stimmung.

Weitere Angebote

Die vielen Kinder, die vor allem am Sonntag die Veranstaltung besuchen, probieren sich auf den Rampen des Skateboardvereins Mr. Wilson mit Skateboards und Rollern selbst aus. Rauf und runter fahren sie – mal mit mehr, mal mit weniger Schwung. Der sechsjährige Tamo hat sich eine andere Herausforderung gesucht: Er nutzt den Tunnel unter der Rampe, um sein Skateboard durchzuschieben, und springt dann auf der anderen Seite wieder auf. Spaß gemacht habe es ihm trotzdem, sagt der Junge, während er einen Slush, also ein halbgefrorenes Trinkeis, schlürft.

Auch die gastronomischen Angebote sind vielfältig: Während es bei einem Ikea-Stand Hotdogs gibt, stellen sich Menschen an anderen Foodtrucks für Waffeln und Pommes an, viele Kaffeestände bieten heiße und kalte Getränke an. Gleichzeitig werden Skateboards, Schmuck und Kleidung angeboten. Kein Wunder, dass sich die elfjährige Ella Khiarello hier erst einmal orientieren musste.