Kasseler braucht 24 Stunden Assistenz – Sozialkürzungen bedrohen seinen Alltag

Stand: 11.07.2026, 14:00 Uhr

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Dennis Falk Mitorganisator von Demo gegen Sozialkürzungen

„Keine Kürzungen auf unserem Rücken“: Dennis Falk lebt mit Assistenz und hat die Kundgebung vor dem Rathaus mit organisiert. © Mareike Heihoff

Dennis Falk kann ohne Unterstützung nicht aus dem Bett, nicht arbeiten, nicht essen. Für den jungen Mann mit chronischer Erkrankung bedeuten die Kürzungen der Bundesregierung eine Bedrohung.

Kassel – Die Krankenkassenreform sowie die weiteren Sozialkürzungen, die gestern durch die Bundesregierung beschlossen wurden, bereiten Dennis Falk Sorge. Denn sie könnten konkrete Auswirkungen auf seinen Alltag haben. Der 31-Jährige ist an 24 Stunden des Tages auf Assistenz angewiesen. Nur so kann er am gesellschaftlichen Leben teilnehmen: „Ohne Assistenz kann ich nicht aus dem Bett, kann nicht arbeiten, essen und trinken“, sagt er, „daher machen mir vor allem die Assistenzkürzungen Sorge.“

Er bezieht sich dabei auf Zwangspooling, das es zukünftig geben könnte: Hier ist eine Assistenz an Orten wie Schulen oder Wohneinheiten für mehrere Menschen zuständig, Einzelbetreuung würde dadurch verringert. Auch im Bereich Eingliederungshilfe sollen Leistungen gekürzt werden. Dennis Falk wäre durch solche Änderungen in seiner Teilhabe am sozialen Leben eingeschränkt: Auch als stellvertretender Vorstand beim Kasseler Punk-Rock-Kollektiv ist es für den technischen Produktdesigner wichtig, dass er mobil ist und dies auch sein kann.

Kasseler ist durch chronische Erkrankung auf Assistenz angewiesen

Der Grund, weswegen Dennis Falk Unterstützung benötigt, ist, dass er eine spinale Muskelatrophie hat. Dabei handelt es sich um eine voranschreitende chronische Muskelerkrankung. Seit seinem ersten Lebensjahr sitzt er im Rollstuhl und ist daher auf Hilfe angewiesen. Deshalb kennt er sich bereits mit den bürokratischen Hürden aus: „Das ist jetzt schon ein Kampf, das zu beantragen“, sagt Dennis Falk. Er erklärt, dass er für jeden Bereich seines Lebens die Assistenz bei einer anderen Stelle beantragen muss. „Wenn die Krankenkasse oder der Landeswohlfahrtsverband jetzt noch weniger Geld zur Verfügung hat, wird das noch schwieriger.“

Nicht nur ihn beschäftigt die Situation, auch für seinen Assistenten sind die Sozialkürzungen ein wichtiges Thema. Deshalb haben die beiden jungen Männer gemeinsam mit dem Solibündnis Care-Arbeit Kassel eine Kundgebung unter dem Titel „Keine Kürzungen auf unserem Rücken – Gegen Sozialabbau, für Teilhabe und Selbstbestimmung!“ organisiert. Um die 100 Menschen finden sich nach Polizeiangaben dafür am Donnerstagnachmittag vor dem Rathaus zusammen.

Ängste vor Sozialkürzungen bei Kasselern sind groß

Auch wenn ein nicht funktionierender Generator die Redebeiträge zeitlich nach hinten verschiebt, werden die Anliegen der meisten Rednerinnen und Redner deutlich. Anne, die in einer Werkstatt für psychisch und seelisch behinderte Menschen arbeitet, erzählt, dass sie sich noch 2016 über das Teilhabegesetz gefreut habe. „Das war eine Verbesserung unseres Einkommens.“ Dabei sei es auch um Selbstbestimmung gegangen. Doch mittlerweile sei sie resigniert: „Das wenige, das überhaupt passiert ist, wird uns auch noch genommen.“ Ein anderer Betroffener im Rollstuhl stellt die Frage: „Warum wird immer bei denen gekürzt, die Hilfe brauchen?“

Die Rednerinnen und Redner äußern ihre Ängste bei den Sozialkürzungen: Sie sprechen von hohen Zuzahlungen der für sie notwendigen Medikamente und von der Krankschreibung ab dem ersten Tag, was gerade für chronisch Kranke eine zusätzliche Herausforderung bedeute. Präsent sind auch die Änderungen bei der Pflegestufe, für die in Zukunft höhere Anforderungen nötig sein werden. Die Protestierenden wollen sich damit nicht zufrieden geben. Immer wieder skandieren sie gemeinsam „Kürzen – nicht mit uns!“