Vatikan: Papst Leo XIV. hat Lungen-OP gut überstanden
Papst Leo XIV. hat den operativen Eingriff an seiner Lunge gut überstanden. Das teilte ein Vatikan-Sprecher am Dienstagabend mit. Der Eingriff zur Entfernung eines Knotens sei „erfolgreich“ und „wie geplant“ verlaufen, der Heilige Vater befinde sich bereits wieder in seinem Krankenzimmer in der Gemelli-Klinik. Weitere Details gab es zunächst nicht, auch nicht, um welche Art von Knoten es sich handelte.
Am Dienstagmittag war Papst Leo XIV. in dem Krankenhaus auf dem Monte Mario in Rom eingetroffen, Hunderte Menschen hatten sich vor den Klinikpforten hinter Absperrgittern versammelt und ihn mit „Papa Leone“-Rufen begrüßt. Im weißen Arztkittel holte Andrea Cambieri, der ärztliche Direktor der Klinik, den Papst direkt an seiner schwarzen Limousine ab und begleitete ihn ins Gebäude. Noch am selben Tag sollte der italienische Thorax-Spezialist Stefano Margaritora den Eingriff vornehmen.
Die zur katholischen Universität vom Heiligen Herzen gehörende „Policlinico Universitario Agostino Gemelli“ ist die Hausklinik der Päpste, schon viele Kirchenoberhäupter wurden hier behandelt. Anders als zuletzt Papst Franziskus hat Leo XIV. aber nicht den stets für ihn reservierten „Papst-Trakt“ inklusive Kapelle im zehnten Stock bezogen, denn dieser wird gerade renoviert. Für ihn wurde laut Il Messagero Zimmer auf demselben Stockwerk hergerichtet, allerdings auf der rückwärtigen Seite der Klinik.
Dass ein Papst die Öffentlichkeit so offensiv selbst über seine Gesundheit informiert, ist ungewöhnlich
Am Sonntagmittag während des Angelus-Gebets hatte Papst Leo überraschend vom Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast aus verkündet, dass in seiner Lunge ein Knoten gefunden wurde. Dieser sei „gut lokalisiert“ und befinde sich noch „in einem sehr frühen Stadium“, hatte Leo gesagt. Im Vatikan soll vorher kaum jemand von dieser Ankündigung gewusst haben. Dass ein Papst die Öffentlichkeit selbst so offensiv über seinen Gesundheitszustand informiert, ist äußerst ungewöhnlich. Nur Johannes Paul II. hatte einen kurzen Krankenhaus-Aufenthalt im Jahr 1992, ähnlich wie jetzt Leo, persönlich angekündigt.
Andere Päpste hatten es stets ihren Kommunikationsbehörden überlassen, über solche Fragen zu informieren. Häufig blieben die Statements dann dürr und luden nur zu noch mehr Spekulationen ein. Als Papst Franziskus im Februar 2025 wochenlang ins Krankenhaus musste, sickerte der Ernst der Lage nur sehr langsam durch. Anfangs war nur von Routine-Untersuchungen die Rede, dann von einer Bronchitis, schließlich von einer schweren, lebensgefährlichen Lungenentzündung. Auch da standen Hunderte Menschen vor der Gemelli, beteten und hofften. Erholt hat sich Franziskus von den Strapazen nicht mehr. Er kehrte zwar noch in den Vatikan zurück und fuhr sogar noch mal mit dem Papamobil über den Petersplatz, starb aber dann am Ostermontag 2025.
Leo XIV. hingegen gilt mit seinen 71 Jahren als vergleichsweise junger Papst. Als er noch Kardinal und Chef der Bischofsbehörde im Vatikan war, ging er regelmäßig ins Fitnessstudio. Sein Trainer erfuhr erst nach dem Konklave, welch berühmten Klienten er da trainiert hatte. Leo spielt außerdem gerne Tennis und soll veranlasst haben, dass in seiner neu renovierten Wohnung ein Fitnessraum eingerichtet wird.
Seit Tagen kommen nun in italienischen Medien Ärzte zu Wort, die versichern, dass ein Knoten in der Lunge zahlreiche Ursachen haben könne und nicht unbedingt bösartig sein müsse. Durch Lungenentzündungen oder alte Infekte können auch gutartige Wucherungen entstehen. Endgültige Klarheit muss am Ende eine Gewebeprobe bringen.
Beide Eltern von Robert Prevost sind an Krebs gestorben, sein älterer Bruder ist deshalb gerade im Krankenhaus
Doch ganz ohne Sorge blickt man im Vatikan nicht auf den berühmten Patienten in der Gemelli-Klinik: Beide Eltern von Papst Leo XIV. sind an Krebserkrankungen verstorben, und derzeit liegt auch sein älterer Bruder, der in Florida lebende US-Navy-Veteran Louis Prevost, wegen einer Krebserkrankung im Krankenhaus. Von dort aus rief der 74-Jährige vor dem Eingriff dazu auf, für seinen jüngeren Bruder zu beten, „damit diese Operation gut verläuft und es keine weiteren Komplikationen gibt“, berichtete der Corriere della Sera.
Auch die Eile beunruhigte manche. Offenbar hatten die Ärzte darauf gedrungen, den Eingriff möglichst rasch vorzunehmen. Deshalb sagte der Papst sogar einen für ihn sehr wichtigen Termin ab: Eigentlich hätte er am Mittwoch den Abschlussgottesdienst für ein weltweites Bischofstreffen zu Fragen von Ehe und Familie geleitet. Derzeit sind 120 Vorsitzende von Bischofskonferenzen weltweit in Rom und beraten seit mehreren Tagen darüber, wie sich mit der wachsenden Kluft zwischen katholischer Lehre und der gelebten Realität von Familien im Jahr 2026 umgehen lässt.
Leo XIV. hatte bereits zu Beginn des Treffens erstaunlich offen darüber gesprochen, dass die katholische Kirche den Menschen nicht nur Vorhaltungen machen dürfe, sondern von Geschichten des Scheiterns lernen könne und auch Menschen, deren Ehen gescheitert sind, nahe sein müsse. Groß waren deshalb auch die Erwartungen an Leos Worte zum Ende der Beratungen. Auf die wird man nun etwas warten müssen. Vatikansprecher Matteo Bruni sagte, der Papst werde sich nach dem Eingriff etwa eine Woche lang im Krankenhaus erholen müssen.
Eigentlich ist der päpstliche Terminkalender gut gefüllt. Anfang November sollte er zu einer mehrtägigen Reise nach Südamerika fliegen. Aber ob die Lunge kurz nach der OP einen so langen Flug mitmacht? Noch vorher, am 27. Oktober, ist das Weltgebetstreffen der Religionen in Assisi. Vor 40 Jahren hatte Papst Johannes Paul II. zum ersten Mal zu diesem interreligiösen Treffen eingeladen, bei dem Vertreter aller Weltreligionen erwartet werden. Ziel des Treffens ist es damals wie heute, sich gemeinsam für Frieden auf der Welt einzusetzen. Gerade für den ersten US-amerikanischen Papst, der seit Beginn seines Pontifikats immer wieder unter Beschuss der Maga-Regierung von Donald Trump stand, ist das ein hoch symbolischer Termin.