Kehrt der Zivildienst zurück? Viele Optionen in der Region für junge Menschen

Stand: 08.08.2026, 18:00 Uhr

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Zwei Zivildienstleistende, die gemeinsam einen Patienten in einem Rollstuhl schieben, sind von hinten zu sehen.

Zwei Zivildienstleistende kümmern sich um eine Dialysepatientin im Rollstuhl. (Symbolbild) © Jan Woitas/dpa

Mögliche Rückkehr des Zivildienstes: Die Region hätte viele Optionen für junge Menschen: Johanniter, Technisches Hilfswerk und Klinikkbetreiber hätten Angebote.

Northeim/Uslar – Während der neue Wehrdienst seit seiner Einführung zum Jahresbeginn nur schleppend anläuft, arbeitet die Bundesregierung in Berlin bereits an einer möglichen Rückkehr des Zivildienstes. Dieser Ersatzdienst für Kriegsdienstverweigerer war 2011 mit dem Aussetzen der Wehrpflicht beendet worden. Sollte die Wehrpflicht zurückkehren, wäre das auch das „Comeback“ für die im Volksmund „Zivis“ genannten Freiwilligen.

Der Zivildienst wurde 1961 in Deutschland für Kriegsdienstverweigerer eingeführt. Konkret bedeutete das: Wer sich nicht für den Dienst an der Waffe verpflichten lassen wollte, konnte im verschiedenen anderen Bereichen, darunter im Katastrophenschutz, im Landkreis Northeim etwa bei der Kreisfeuerwehrbereitschaft 4 des Landkreises, ebenso aber in Alten- und Pflegeheimen, bei Organisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz oder den Johannitern, für diverse Tätigkeiten verpflichten lassen. Während der Zivildienst in der Spitze 1984 fünf Monate länger dauerte, als der Wehrdienst (20 statt 15 Monate), war die Dauer ab 2004 gleich lang und lag bei 9 beziehungsweise ab 2011 nur noch bei jeweils 6 Monaten.

Seit 15 Jahren gibt es keine Zivildienstleistenden mehr, dafür gab es aber ein Ersatzangebot, nämlich die Freiwilligendienste, darunter das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und der Bundesfreiwilligendienst (BFD). Diese Angebote werden in vielen Bereichen, die früher von Zivildienstleistenden profitiert haben, auch heute vorgehalten.

Die Johanniter Niedersachsen/Bremen teilen auf HNA-Anfrage mit, dass der Zivildienst „unserer Auffassung nach ein Baustein der Verteidigung, hier der zivilen Verteidigung“ ist, der „dazu dienen kann, die Resilienz der Bevölkerung und den Zusammenhalt der Gesellschaft zu stärken“, sagt Pressesprecherin Tanja Schulz. „Als Wohlfahrtsorganisationen mit Schwerpunkten auf den Bereichen ‚Kinder und Jugend‘ und ‚Bildung‘ sehen wir den Zivildienst ebenso wie die Freiwilligendienste zudem als eine Möglichkeit, vielfältige Bildungsmöglichkeiten und eine erste berufliche Orientierung zu bieten.“

Bei den Johannitern wäre der Einsatz von Zivildienstleistenden unter anderem beim Hausnotruf, in der Pflege, in der Erste-Hilfe-Ausbildung, in Kindertagesstätten und der Jugendarbeit oder auch im Rettungsdienst möglich. Aber: „Der Zivildienst muss ebenso wie die Freiwilligendienste für die Trägerorganisationen aus betriebswirtschaftlicher Sicht umsetzbar sein. Das heißt, die Rahmenbedingungen müssen so ausgestaltet sein, dass die Umsetzung des Zivildienstes auch wirtschaftlich für die Trägerorganisationen zu leisten ist – dies auch und vor allem in Zeiten knapper werdender Mittel“, betont Tanja Schulz.

Entsprechende Formate für Zivis anzubieten, so wie es sie bereits vor dem Ende 2011 gab, kann sich auch der Landesverband Niedersachsen/Bremen des Technischen Hilfswerkes vorstellen. „Wie diese genau aussehen, hängt jedoch auch von den gesetzlichen Rahmenbedingungen des potentiellen Zivildienstes allgemein ab. Daher können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussagen zu einer möglichen Ausgestaltung treffen“, teilt Pressesprecher Marcus Schwerendt auf HNA-Anfrage mit.

Das Technische Hilfswerk betont, dass die Bundesanstalt seit der Aussetzung des Wehrdienstes keinen Rückgang im Engagement verzeichnet hat. „Insgesamt ist die Zahl der ehrenamtlichen THW-Angehörigen seit 2010 sogar von etwa 83.000 auf rund 88.000 gestiegen“, betont Schwerendt.

Und Klinikbetreiber vor Ort? Helios möchte sich „zur Frage einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht und einer dann eventuell folgenden Neuauflage des Zivildienstes nicht äußern“, heißt es auf Anfrage. Allerdings beobachte man grundsätzlich „ein erfreulich großes Interesse junger Menschen am Pflegeberuf, was sich an den regelmäßig hohen Bewerberzahlen auf unsere Ausbildungsangebote zeigt“. Auch absolvieren viele ein Freiwilliges Soziales Jahr bei Helios“, teilt Pressesprecherin Sabina Korkmaz mit. Das zeigt: Das Interesse am Dienst in Kliniken ist da und auch Aufgaben gibt es genug.

„Bufdis“ folgten auf die „Zivis“

Mit dem Ende des Zivildienstes zum 1. Juli 2011 gab es eine neue Form, sich für die Gesellschaft engagieren zu können, nämlich den Bundesfreiwilligendienst (BfD). Die sogenannten „Bufdis“ können diesen Freiwilligendienst unabhängig von ihrem Alter oder Geschlecht absolvieren und sich dazu bei diversen Einrichtungen und Organisationen bewerben. Rund 35.000 Menschen machen davon laut Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben jährlich Gebrauch.