Brisante Wende beim Verbrenner-Aus: Experte enthüllt, warum deutsche Jobs jetzt wirklich in Gefahr sind

Kehrtwende beim Verbrenner-Aus: Autopapst warnt Politik vor Schreckensszenario

Stand: 16.10.2026, 21:59 Uhr

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Berlin und Paris wollen das Verbrenner-Aus lockern. Ist das die Rettung für zahlreiche Jobs oder ein teurer Irrtum? Experte Ferdinand Dudenhöffer warnt eindringlich.

Brüssel – Es ist ein Richtungswechsel mit Sprengkraft: Neben Berlin will nun auch Paris das Verbrenner-Aus in der EU merklich abschwächen. Eigentlich sollen ab 2035 keine neuen Autos mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden. Nun steht das Vorhaben jedoch auf der Kippe, und die gesamte Branche hält den Atem an.

Der Autoexperte Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer hält diesen Vorstoß für einen gefährlichen Fehler. Seine Warnung ist deutlich: Hiesige Hersteller könnten die restlichen Verbrenner-Jobs in die USA verlagern. Um die Tragweite dieser These zu erfassen, muss man sich die Lage der Autoindustrie genauer ansehen.

Berlin und Paris wollen das Verbrenner-Aus aufweichen

Die Bundesregierung und der Élysée-Palast hätten sich nun auf gemeinsame Vorschläge zur Automobilbranche geeinigt, hieß es nach einem Treffen von Bundeskanzler Merz und Frankreichs Präsident Macron. Auch ohne Verbrenner-Aus strebe man „eine deutliche Senkung der CO₂-Emissionen an“. Zugleich wolle man Europas Kapazitäten für Elektrofahrzeuge stärken.

Emmanuel Macron und Friedrich Merz wollen das Verbrenner-Aus auf EU-Ebene weiter abschwächen. Experten warnen vor den Folgen

Emmanuel Macron und Friedrich Merz wollen das Verbrenner-Aus auf EU-Ebene weiter abschwächen. Experten warnen vor den Folgen. © Sebastian Kahnert/Sebastian Kahnert/dpa; Bildmontage: IPPEN.MEDIA

Bundeskanzler Friedrich Merz spricht auf der Plattform X von einem Investitionssignal an die Industrie. Emmanuel Macron schrieb dort: „Europa muss ein Kontinent sein, der innovativ ist, investiert und produziert.“ Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil Paris sich zuvor gegen eine Aufweichung des Verbrenner-Aus stellte.

Die Autoindustrie zwischen Überkapazitäten und Absatzflaute

Die Lage der Autoindustrie ist seit Jahren angespannt. Lange galt sie als Wohlstandsmotor und Aushängeschild deutscher Ingenieurskunst. Doch in den vergangenen Jahren entstanden Überkapazitäten: Werke wurden für eine Nachfrage gebaut, die ausblieb. Heute stehen Fabriken bereit, die mehr könnten, als der Markt verlangt.

Gleichzeitig wird der Wettbewerb härter. Internationale Konkurrenten, nicht zuletzt aus China, drängen mit preisgünstigen Elektroautos auf den Markt. Dazu kommen Absatzeinbrüche, die viele Standorte unter Druck setzen. Die Folge spüren die Beschäftigten der indirekten Bereiche, in der Verwaltung sowie der Produktion, wo zahlreiche Jobs verschwinden.

Jobverlagerung? Warum die USA plötzlich im Spiel sind

Den entscheidenden Dreh liefert Dudenhöffer, und dieser führt über den Atlantik. In den USA hätten Neuwagen mit Verbrennerantrieb noch ein langes Leben, schreibt er. Einer der Gründe: „Benzin wird irgendwann wieder billiger.“ Zudem verständigten sich die USA und die EU darauf, Autoexporte aus den Vereinigten Staaten nicht mit Zöllen zu belasten.

Ferdinand Dudenhöffer

Der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer warnt vor der Aufweichung des von der EU beschlossenen Verbrenner-Aus 2035. (Archivbild) © Johannes Neudecker/dpa

Daraus entwirft Dudenhöffer ein Szenario, das aufhorchen lässt: Würde das Verbrenner-Verbot 2035 greifen, dürften in den USA gebaute Verbrenner und Hybride nicht mehr nach Europa geliefert werden. Deutsche Autobauer müssten ihre dort produzierten Verbrenner dann für US-Käufer und einige kleinere Märkte anbieten.

Die Autoindustrie könnte weitere Arbeitsplätze in die USA verlagern

Die Rechnung ändert sich aber, wenn bis zu zehn Prozent Verbrenner in Europa erlaubt wären. Dann lohne sich der Ausbau in Nordamerika, denn die Autos kämen dann zollfrei zu den Händlern des hiesigen Kontinents. Dudenhöffer ist sicher: „Eine Neuwagen-Produktion von bis zu zehn Prozent des EU-Marktes wandert damit fast schon ‚automatisch‘ in die USA.“

Für Beschäftigte in Europa hätte das eine unbequeme Folge. Die Verbrenner aus US-Werken würden einen Teil der Elektroautos und die dazugehörigen Arbeitsplätze verdrängen, also genau jene Jobs, mit denen Europa seine Zukunft sichern will. Der Druck träfe damit auch die Technologie, auf die der Kontinent langfristig setzt.

Investitionssignal für die EU oder Export von Arbeitsplätzen?

Bereits im vergangenen Dezember hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, auch nach 2035 Autos mit Verbrennungsmotor neu zuzulassen. Dafür hatte sich insbesondere Deutschland eingesetzt. Nun beraten Europaparlament und Rat der EU-Staaten über die Pläne, ohne deren Zustimmung nichts in Kraft tritt.

Das Fazit des „Autopapstes“: „Die Vereinbarung zwischen Merz und Macron klingt zunächst nicht unvernünftig, auch für die Arbeitsplätze in der europäischen Autoindustrie.“ Zugleich öffne sie jedoch die Importschranken für in den USA hergestellte Verbrenner. Sein Urteil: „Merz und Macron setzen einen Impuls, um Arbeitskräfte aus der EU nach USA zu exportieren.“ (Quellen: Deutsche Presse-Agentur, Ferdinand Dudenhöffer, Handelsblatt)