„Kein einfacher Weg“ in die Spielebranche: Was Gaming-CEO jungen Menschen und Quereinsteigern trotzdem rät

Stand: 13.10.2026, 20:16 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Es ist der Traum vieler junger Menschen, doch auch Erwachsene denken darüber nach: Spiele nicht nur zocken, sondern an deren Entwicklung mitwirken.

München – Der „Blutige Baron“, ein Warlord in der mittelalterlich angehauchten fiktiven Welt Velen, schickt den Hexer Geralt aus, seine Ehefrau und seinen Sohn zu finden. Im Laufe der Ermittlungen entpuppt sich der Baron jedoch als Mann, der seine Familie einst mit häuslicher Gewalt terrorisiert und den Verlust selbst mitverschuldet hat. Am Ende der Aufgabenreihe steht der Spieler vor der Wahl: Hilft er der schwer traumatisierten Ehefrau? Erfüllt er nur seinen Auftrag? Oder entscheidet er sich ganz anders? Die Konsequenzen sind so schwer absehbar wie sie verschieden sind.

Diese Aufgabenreihe aus dem Videospiel „The Witcher 3“ des polnischen Entwicklerstudios CD Projekt Red genießt wie das gesamte Spiel selbst einen exzellenten Ruf in der Spielebranche. Gerade wegen solcher schwierigen moralischen Entscheidungen, mit denen die Spieler neben Kämpfen, Charakterentwicklung und der Erkundung der gigantischen Spielwelt konfrontiert werden. Und es sind Quests und Spiele wie diese, die bei vielen Menschen einen Gedanken hervorrufen: So etwas würde ich gerne selbst entwickeln!

Traumberuf Spieleentwicklung: Branche in der Krise – vor allem Arbeitnehmer leiden

Die Gaming Industrie ist ein Milliardengeschäft, hat weltweit die Musik- und Filmbranche längst hinter sich gelassen. An den größten Videospielen arbeiten tausende Menschen, verteilt auf den gesamten Globus. Ein Studio in Kanada erstellt die Grafik, eines in England baut den Code, in den USA wird das Marketing gesteuert. Die Möglichkeiten, in der Spieleentwicklung zu arbeiten, sind vielfältig.

Typische Berufe in der Spieleentwicklung

Game Designer: Entwickelt Spielmechaniken, Regeln und die grundlegende Struktur
Narrative Designer: Schreibt Dialoge, Charaktere und Questlinien wie die des Blutigen Barons
Programmierer: Setzt die Spielmechaniken technisch um, von der Physik-Engine bis zur KI-Steuerung von NPCs
3D‑/Character-Artist: Modelliert Figuren, Umgebungen und Objekte und verleiht der Spielwelt ihr Erscheinungsbild
Animator: Bringt Charaktere und Objekte durch Bewegungsabläufe zum Leben.
Sounddesigner: Erschafft Musik, Geräuscheffekte und atmosphärische Klanglandschaften.
Level-Designer: Gestaltet konkrete Spielabschnitte, Rätsel und den räumlichen Aufbau einzelner Areale.
Quality-Assurance-Tester: Spielt das Spiel systematisch durch, um Bugs, Abstürze und Balance-Probleme aufzudecken.
Producer: Koordiniert Zeitpläne, Budget und Teams und sorgt dafür, dass das Projekt termingerecht fertig wird.
UX/UI‑Designer: Gestaltet Menüs, Steuerung und Benutzeroberflächen so, dass Spieler intuitiv zurechtkommen.

Aktuell steckt die Spielebranche aber in einer Krise, auf die Gründe ist der CEO des Spieleentwicklers „Active Fungus“, Jakob Braun, im Gespräch mit unserer Redaktion genauer eingegangen. Auch die Arbeit des Münchner Studios war dabei Thema. Es ging aber ebenso um Wege in die Spielebranche, trotz Krise, trotz umkämpftem Arbeitsmarkt. Selbst unter diesen Gesichtspunkten blieb Braun optimistisch, eine Warnung hatte er dennoch.

Deutliche Worte von Gaming-CEO – worüber sich Arbeitnehmer im Klaren sein müssen

„Als ich angefangen habe, Musik zu machen, hätte mir sicher auch niemand geraten, ins Musikbusiness zu gehen.“ Es ist eine optimistische Botschaft, die Braun für Menschen hat, die in der Spielebranche arbeiten wollen. Der frühere Musiker ist selbst Quereinsteiger in der inzwischen zweiten Branche, von der es heißt, es sei schwer, reinzukommen. „Ich glaube, wenn man was wirklich machen will, dann findet man sich darin auch zurecht. Wenn man an irgendwas auch wirklich Freude hat, dann ist man darin auch wirklich gut.“

Computerspiele machen ist nicht das Gleiche wie Computerspiele spielen.“

Braun weist aber auch deutlich darauf hin, dass man sich bewusst sein muss, dass „Computerspiele machen nicht das Gleiche ist wie Computerspiele spielen“. Wenn man etwas wirklich gerne macht, dann wird man auch gut darin, so Braun. Man müsse eben nur sicher sein, dass man Games nicht nur gerne zockt, sondern sie auch wirklich gerne entwickelt. „Das ist das Wichtige“, so Braun.

Der direkte Weg nach dem Studium – Praktikum, Werkstudent, Festanstellung

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit drei verschiedenen Hintergründen drängen derzeit auf den Arbeitsmarkt der Spielebranche: Absolventen der noch jungen Games-Studiengänge, etablierte Arbeitskräfte, die ihre Stelle verloren haben, und ambitionierte Quereinsteiger. Sie alle haben es nicht leicht, vor allem, weil der Arbeitsmarkt extrem überhitzt ist. Braun zufolge bekommt „Active Fungus“, wenn sie eine Stelle ausschreiben, „innerhalb von 24 Stunden 100 Bewerbungen“.

Für viele, meist junge, Menschen ist die Videospielbranche nicht nur ein Zeitvertreib, sondern bietet auch echte Traumberufe an. Doch der Weg dahin ist nicht einfach.

Für viele, meist junge, Menschen ist die Videospielbranche nicht nur ein Zeitvertreib, sondern bietet auch echte Traumberufe an. Doch der Weg dahin ist nicht einfach. © IMAGO / Panama Pictures

Absolventen haben es da mutmaßlich noch am leichtesten, sie haben kein etabliertes Gehaltsniveau und kommen per Pflichtpraktika in Kontakt mit den Studios. So auch bei „Active Fungus“, wo sich laut Braun schnell eine Werkstudierendenstelle und schließlich eine Festanstellung ergeben kann. Andererseits haben die Uniabsolventen eine „hochspezielle Ausbildung, die sich schwer auf andere Bereiche übertragen lässt“, so Braun – ein Nachteil auf dem aktuellen Arbeitsmarkt.

Der beschwerliche Weg für Quereinsteiger – 70-Stunden-Wochen keine Seltenheit

Quereinsteiger wiederum müssen mit in der Branche etablierten Arbeitnehmern konkurrieren, haben es daher wohl besonders schwer. Sie müssen Wissen aufholen, das sich die Konkurrenz über Jahre erarbeitet hat. „Heißt: Man muss sich darauf einstellen, dass man sich ein paar Jahre lang neben dem Job intensiv in der Freizeit damit beschäftigt“, erklärt der CEO. „Erst dann hat man eine reelle Chance, mit jemandem zu konkurrieren, der schon seit Jahren in dem Bereich arbeitet, und für ein Studio ein interessantes Angebot zu sein.“

Für den Quereinstieg könne dies jahrelang 70-Stunden-Wochen bedeuten, wird Braun deutlich – man müsse wissen, worauf man sich da einlasse. „Daher ist es kein einfacher Weg“, so sein Fazit. Ist man sich im Klaren, dass man Spiele entwickeln, und in der Branche arbeiten will sowie die nötige Opferbereitschaft mitbringt, kann man es schaffen. Und dann lohnt es sich, das zeigt Braun auch. Auf die Frage, ob ihm sein Job Spaß macht, grinst er breit und sagt nur: „Auf alle Fälle!“ (Quelle: Gespräch mit Jakob Braun, CEO bei „Active Fungus“, eigene Recherche), (fhz)