Hochstühle weg, Kindermenü gestrichen: Italiens Wirt macht sein Restaurant childfree – und bekommt Massen-Applaus

Kein Hochstuhl, kein Kindermenü: Italiens childfree-Wirt sorgt für Wirbel

Stand: 27.09.2026, 21:49 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Childfree-Restaurants liegen im Trend – doch ein Wirt aus Italien eskaliert den Streit. Was höfliche Kommunikation mit dem Gleichheitsgrundsatz zu tun hat.

Nach glutenfree, sugarfree und fatfree tritt nun plötzlich das childfree auf den Plan. Vor wenigen Tagen hat ein Gastronom aus Brianza in einem Wutausbruch damit geprahlt – in den sozialen Netzwerken, wo denn sonst –, sein Lokal so eingerichtet zu haben, dass es den Ansturm von Minderjährigen abwehrt. Da ein totales Verbot unmöglich ist (untersagt von einem alten Werkzeug namens „Gleichheitsgrundsatz“), kam der Wirt auf die Idee, das Umfeld derart feindlich zu gestalten, dass Familien fernbleiben: „Ich habe die Hochstühle abgeschafft!“, „Ich habe das Kindermenü gestrichen!“. Aber warum, frage ich, nicht noch mutiger sein und die Wände mit Postern von „Terrifier 3“ tapezieren oder die Kellner durch Mathelehrerinnen ersetzen?

Content-Partnerschaft

Dieser Artikel von Luca Iaccarino entstand in Kooperation mit Corriere della Sera

Der Patron erklärt, die Entscheidung sei das Ergebnis eines Disputs mit einem Paar mit Nachwuchs, und nachdem er darüber berichtet habe – in den sozialen Netzwerken, wo denn sonst –, habe er „unglaublich viel Unterstützung von einer Menge Follower erhalten“. Vor zwanzig Jahren wäre die Angelegenheit kaum über die Tresen der Bars von Lesmo hinausgedrungen, doch der Algorithmus liebt Streit und befeuert ihn – steht ihr auf der Seite der Kleinen oder esst ihr sie wie die Kommunisten? – und also: Skandal, auf ganzer Linie.

In einem Restaurant in Italien sind keine Kinder mehr erlaubt. (Symbolbild)

In einem Restaurant in Italien sind keine Kinder mehr erlaubt. (Symbolbild) © Marco Alpozzi/dpa

„Debabyte“ Erlebnisse und nachvollziehbare Ruhebedürfnisse

Es handelt sich nicht um einen Einzelfall: Es fehlt nicht an Betrieben (Hotels und Strandbädern etwa), die ihren Gästen ausdrücklich ein „entkindlichtes“ Erlebnis garantieren wollen. Und das ist sogar verständlich, denn es gibt zwei Arten von Gästen: a) jene, die sich wenigstens einmal ein Abendessen gönnen möchten, ohne dass jemand verzweifelt schreit, weil die Nudelsuppe nicht kommt; b) jene, die lügen. Meine Frau und ich haben zwei Jungen und sehnten uns gerade deshalb, als sie klein waren, nach den seltenen Abenden bei Kerzenschein und Zigeunergeigen.

Aber verdammt noch mal, wir sind eine jahrtausendealte Zivilisation, also zeigen wir, dass wir miteinander auskommen können. Nichts hindert ein Restaurant oder ein Hotel daran, sich an ein bestimmtes Publikum zu richten: Man muss es nur höflich kommunizieren und dann die Situationen umsichtig managen, ohne „Revenge Service“ (was soll es denn heißen, Hochstühle und Kindermenü abzuschaffen? Dass das arme Kind sein Kilo-Steak auf den Knien, über Kichererbsen gebeugt, verzehren muss?).

Wenn Unhöflichkeit auf Unhöflichkeit trifft

Wenn auf Unhöflichkeit (von Kindern und Eltern) mit Unhöflichkeit (der Inhaber) reagiert wird, ist die nächste Eskalation vorprogrammiert. Wie so oft in Italien wird sich die Angelegenheit ohnehin von selbst regeln: Mehr als der Herodes aus Brianza wird die sinkende Geburtenrate bewirken.